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Marktredwitz

Wachstum Rechnung tragen

Das Handelsunternehmen will nächstes Jahr das KEC verlassen. Am Ortseingang ist neben dem Kreisverkehr ein neuer Markt geplant. Fünf Stadträte verweigern ihre Zustimmung.



Die Pläne sehen eine Bebauung durch Kaufland am Ortseingang von Marktredwitz vor.
Die Pläne sehen eine Bebauung durch Kaufland am Ortseingang von Marktredwitz vor.   » zu den Bildern

Marktredwitz - Die Stühle im Rathaussaal reichen nicht aus. Immer wieder müssen die Besucherplätze aufgestockt werden. Zahlreiche Mitarbeiter von Kaufland und auch einige Anwohner aus dem Westen der Stadt warten gespannt darauf, wie es um die Zukunft des Handelsunternehmens in Marktredwitz bestellt ist. Denn der große Supermarkt will aus dem Kösseine-Einkaufs-Centrum (KEC) ausziehen und auf der grünen Wiese bauen. Nach längerer Diskussion haben die Mitglieder des Stadtrats am Dienstagabend den Weg für einen Neubau an der Bayreuther Straße frei gemacht. Fünf Stadträte - quer durch alle Parteien - stimmten gegen die Pläne.

Im Saal rumort es. Nicht jeder kann sich mit den Plänen der Supermarkt-Kette anfreunden, das KEC zu verlassen und an den Stadtrand zu ziehen. Südwestlich des Kreisverkehrs an der Bayreuther Straße will das Unternehmen einen neuen Einkaufsmarkt bauen. "Kaufland ist mit dem jetzigen Standort im KEC schon länger unzufrieden", begründet Oberbürgermeister Oliver Weigel die Umzugsabsichten. Seit 2016 liefen bereits Gespräche für eine Neuansiedlung. Für den Supermarkt sei vor allem die Anbindung an das KEC problematisch, "weil er lediglich durch einen Aufzug, nicht aber über eine Rolltreppe an das Zentrum angebunden ist". Doch bis heute hätten Mieter und Immobilienbesitzer keine Einigung erzielt, verdeutlicht Weigel.

Kaufland wolle nicht über das Jahr 2019 hinaus im KEC bleiben, habe die Kette angekündigt. "Entweder will das Unternehmen einen neuen Standort oder die Stadt verlassen." Der OB stellt klar, worauf die Stadt den Fokus legt: "Wir wollen das Unternehmen hier halten, und wir sollten auch die 65 Arbeitsplätze im Hinterkopf haben. Aus diesem Grund sollten wir in die Bauleitplanung eintreten", fordert Weigel. Im Klartext: Die Stadt will formell den Weg bereiten für das Bauvorhaben.

"Es ist die Voraussetzung, um dort Baurecht zu bekommen", betont Stadtplaner Alexander Rieß. Momentan ist im Flächennutzungsplan noch eine Grünfläche eingezeichnet. "Wir wollen dort ein Sondergebiet Einzelhandel schaffen, abgestimmt auf den gewünschten Standort von Kaufland", verdeutlicht Rieß, dass man somit im September ins Verfahren einsteigen könnte. "Wenn mit dem Schallschutz und dem Anschluss an den Kreisverkehr sowie in Abstimmung mit der Regierung alles gut läuft, könnten wir bis Mai nächsten Jahres Baurecht schaffen."

Wenig erfreut über die Pläne ist Gisela Wuttke-Gilch (SPD). "Es treibt die Bürger um, was anstelle des Kauflands dann im KEC angesiedelt wird." Man sollte sich auf innen statt außen konzentrieren, "denn es gibt bereits an allen Eingangsbereichen der Stadt Supermärkte". Wuttke-Gilch gibt zu bedenken, "dass es bereits genügend versiegelte Flächen in Marktredwitz gibt, und man sollte auch auf den Klimaschutz achten".

Laut Oberbürgermeister Weigel geht es bei der Umsetzung des Vorhabens mit 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche um einen Zeitraum von eineinhalb bis zwei Jahren. "Uns hat bereits eine erste Anfrage erreicht von einem Interessenten für den Standort im KEC." Es müsse sich allerdings baulich etwas dort ändern. Für Kaufland sei die Rendite im Kellergeschoss des Centers problematisch.

"Ich habe mit dem Immobilienbesitzer telefoniert, und der hat mir signalisiert, er wäre bereit, zu investieren", schaltet sich Grünen-Stadträtin Brigitte Artmann ein. Ihr leuchte nicht ein, warum ein Supermarkt im Kellergeschoss nicht funktionieren sollte. Es seien ja auch Aufzüge da. "Muss man da unbedingt neue Flächen schaffen?", fragt Artmann. Wenn noch ein weiterer Anbieter das KEC verlasse, "ist die Innenstadt tot". Sie fordert, die Diskussion in die Stadtratssitzung nach den Ferien zu verschieben, um noch einmal mit allen Beteiligten zu reden. Die Grüne befürchtet nach einer Versiegelung der großen Fläche am Stadtrand, "dass es wieder zu Hochwasser in der Stadt kommen könnte". Ihre Anmerkungen werden mit Applaus von den Besucherrängen quittiert.

Weigel klärt auf, "dass es in den letzten zwei Jahren nicht gelungen ist, zwischen Mieter und Vermieter eine Lösung zu schaffen". Die Stadt sitze da nicht mit am Verhandlungstisch, "wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen". Man habe sonst keinen Einfluss. Der OB versichert, "dass es in dem Sondergebiet keine weitere Expansion gibt". Und man sollte vorsichtig mit Prophezeiungen sein, "dass die Innenstadt ausstirbt". Marktredwitz habe eine unglaubliche Dynamik und eine höhere Kaufkraft als Hof.

Uta Siegle (CSU) wollte nicht einsehen, "warum wir den Beschluss vom Mai 2017 aufgeben sollten". Nichtöffentlich wurde damals eine Bauvoranfrage negativ beschieden.

Mit den Gegenstimmen von Brigitte Artmann (Grüne), Gisela Wuttke-Gilch und Kurt Rodehau (SPD), Uta Siegle (CSU) und Roland Biersack (Freie Wähler) ist das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans eingeleitet worden und somit der Weg geebnet für Kaufland auf der grünen Wiese.

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
25. 07. 2018
18:42 Uhr

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25. 07. 2018
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