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Leitartikel

Vernachlässigtes Land

Die Politik hat in den vergangenen Jahren die ländlichen Regionen aus den Augen verloren. Sie hat zu wenig Kraft - und vor allem auch zu wenig Geld - in die von Dörfern geprägten Landstriche gesteckt. Die Städte wurden immer stärker, die Dörfer immer schwächer.



Die Politik hat in den vergangenen Jahren die ländlichen Regionen aus den Augen verloren. Sie hat zu wenig Kraft - und vor allem auch zu wenig Geld - in die von Dörfern geprägten Landstriche gesteckt. Die Städte wurden immer stärker, die Dörfer immer schwächer. Die Folge: Deutschland leidet heute nicht nur an einem Riss zwischen Ost und West, die Bundesrepublik ist auch gespalten in blühende, pulsierende Metropolen auf der einen Seite und weit zurückgefallene, schwächelnde und vor allem auch deutlich überalterte ländliche Räume.

 

Auch wenn Senioren heute aktiv sind, sich einbringen und in vielen Dörfern durch ihr ehrenamtliches Engagement das gesellschaftliche Leben am Laufen halten - das Problem der Überalterung darf nicht unterschätzt werden. Absolut nachvollziehbar sind die schon lange bestehenden Warnungen von Experten, dass überalterte Regionen an Innovationskraft verlieren. Es kommt aber ein, häufig übersehener, Aspekt hinzu: Die Kleinstädte und Landgemeinden mit einem hohen Altersdurchschnitt richten sich stark auf die Generation der Rentner ein. Einerseits verständlich und auch logisch. Aber andererseits birgt das immer die Gefahr, dass vor Ort Jugendliche und junge Erwachsene samt ihrer Interessen in die Defensive geraten. Eine aktuelle Studie des Empirica-Institus führt das bedrückend deutlich vor Augen: Die jungen Menschen verlassen ihre Dörfer auch deshalb, weil sie auf dem Land schon eine Minderheit sind. Weil die Gesellschaft und die Politik ihnen nicht mehr das bieten können, was für sie zur Lebensqualität gehört: Kinos, coole Kneipen, Discos und Clubs. Und weil die alten Kumpels auch schon weg sind.

 

Kommt jetzt die Wende? Parteien und Medien haben seit der Bundestagswahl das Thema endlich auf dem Radar: "Die bittere Wahrheit über das Leben auf dem Land - zu wenig Ärzte, Schulen, Supermärkte", titelte unlängst die "Bild"-Zeitung. Und in den drei Jamaika-Parteien besteht Einigkeit darüber, dass der ländliche Raum gestärkt werden muss. Auch in den einzelnen Bundesländern rückt die Förderung dieser Landstriche stärker in den Mittelpunkt. Beispiel Bayern: Als Finanz- und Heimatminister Markus Söder am Freitag von den sprudelnden Steuereinnahmen berichtete, präsentierte er Überlegungen, für was man Geld braucht. Dazu gehört für ihn nicht nur der Wohnungsbau in Ballungsräumen, sondern auch im ländlichen Raum der Ausbau der Infrastruktur (Verkehr, Internet und Mobilfunk) und die Revitalisierung alter Ortskerne.

 

Mit Straßenbau und schnellem Internet und aufgehübschten Fassaden wird es aber noch nicht getan sein: Viele Landbewohner leiden darunter, dass es in ihren Dörfern keine Läden, Ärzte und Apotheken mehr gibt. Die Politik muss sich endlich ernsthaft darüber Gedanken machen, wie der Staat da eingreifen kann. Das Argument, dass es sich um privatwirtschaftliche Bereiche handelt, hilft der Landbevölkerung nicht weiter.

 

Hilfe für ländliche Räume ist übrigens nicht die Kür einer gelungenen Politik oder gar ein Luxusprojekt dieses Staates. Es ist nichts anderes als eine Pflichtaufgabe. Denn 93 Prozent der Fläche der Bundesrepublik wird nach Zahlen des Verbandes der Wohnungswirtschaft von Landgemeinden, Klein- und Mittelstädten eingenommen. Und 60 Prozent der Bevölkerung leben in den kleinen Orten jenseits der Ballungräume. Sie sind die Mehrheit, die vernachlässigte Mehrheit.

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Thomas Scharnagl

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Veröffentlicht am:
13. 11. 2017
00:00 Uhr

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Thomas Scharnagl

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13. 11. 2017
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