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Münchberg

Abreißzettel fürs Traumhaus

Familie Schnell sucht ein neues Zuhause und hängt dafür einen Aufruf in die Schaufenster. Das Paar will im Raum Helmbrechts bleiben, auch wegen eines Projekts in der Innenstadt.



Ihre Liebe zum Gärtnern wollen Miriam und Willy Schnell nicht nur Sohn Moritz vorleben, sie planen auch ein Gemeinschaftsprojekt am Volkspark. Foto: privat
Ihre Liebe zum Gärtnern wollen Miriam und Willy Schnell nicht nur Sohn Moritz vorleben, sie planen auch ein Gemeinschaftsprojekt am Volkspark. Foto: privat  

Helmbrechts - Dieser Zettel zieht die Blicke an: "Kleine Familie sucht", steht darauf in Großbuchstaben, darunter das Foto eines jungen Paares mit Baby in der Trage und ganz unten Abschnitte mit der Adresse zum Abreißen. So einen Aufruf in Schaufenstern oder an Bäumen kennt man normalerweise von Besitzern, die entlaufene Tiere suchen.

Kontakt

Familie Schnell ist zu erreichen unter: 0151/23012859 oder miriam.schnell89@gmail.com

Doch Miriam und Willy Schnell wollen auf diesem Weg nichts Geringeres finden als ein neues Zuhause - für sich, ihren einjährigen Sohn Moritz und zwei Hauskatzen.

"Wir dachten, wir machen es mal anders", erklärt die junge Mutter, "vielleicht sprechen wir auf diesem Weg außergewöhnliche Menschen an." Denn auch ihre Vorstellungen von einem Haus weichen von der Norm ab. Ein alter Bauernhof wäre ihr Traum. Der müsste auch nicht top in Schuss sein, viel wichtiger wäre ein Garten, um Gemüse anzubauen. Das Paar will sich am liebsten selbst versorgen, umweltbewusst und naturverbunden leben. "Ansonsten brauchen wir nicht viel und sind nicht anspruchsvoll", erklärt die 29-Jährige. Es müsste auch nicht unbedingt ein Hof sein, aber wichtig wäre eben ein großer Garten.

Die Zettel für ihre Suche haben die Schnells an Supermarktfenster in Helmbrechts, Münchberg und Schwarzenbach am Wald gehängt. Wer sie liest, kennt Namen, Alter, Telefonnummer, Aussehen und Lebensgewohnheiten der Familie - die Schnells machen sich da trotz Datenschutz-Grundverordnung keinen Kopf. "Wir haben extra ein Foto dazu gestellt und uns beschrieben, damit Vermieter wissen, wer wir sind und auf wen sie sich einlassen."

Mittlerweile haben sich zehn Hausbesitzer gemeldet und zur Besichtigung geladen. "Aber leider war noch nicht das Richtige dabei."

Überstürzen müssen die Schnells nichts, sie wohnen zurzeit noch in einem Haus in Oberweißenbach. Der große Garten, der dazugehört, ist auch der Grund, weshalb das Paar Ende 2016 von Bayreuth hierher gezogen ist. "Wir haben spontan im Internet gesucht und zwar ohne Radius." Helmbrechts kannten beide nicht. Miriam Schnell stammt aus Bayreuth, ihr Mann Willy aus Berlin. Sie sind sich einig: "Ein Haus mit so einem Grund hätten wir dort nicht bekommen." Doch da das Anwesen direkt an einer Straße liegt, wollen die Schnells erneut umziehen.

"Es stehen hier in der Gegend viele alte Häuser leer und verfallen, weil dort niemand wohnt. Vielleicht denkt sich ein Besitzer, der den Zettel liest, dass wir dort super reinpassen würden", hofft die gelernte Einzelhandelskauffrau. Obwohl sie den ersten Winter in Oberweißenbach als Herausforderung bezeichnet, will die Familie am liebsten in Helmbrechts oder zumindest in der Nähe wohnen bleiben.

Das liegt nicht nur daran, dass Sohn Moritz dank Hausgeburt ein echter Helmetzer ist, sondern auch an den Plänen, die sie auf dem Gelände der alten Gärtnereien neben dem Volkspark verwirklichen wollen. Im Stil von Urban Gardening, Gärtnern in der Stadt, soll auf einem Teil der Fläche ein Gemeinschaftsgartenprojekt entstehen. Jeder soll hier Gemüse anbauen dürfen, die Schnells suchen noch Gleichgesinnte, erwägen die Gründung eines Vereins und könnten sich auch vorstellen, Workshops anzubieten oder Kindergärten einzubinden. "Wir würden uns wünschen, dass wieder mehr Menschen den Weg zurück zur Natur finden", sagt Miriam Schnell. Auch Bürgermeister Stefan Pöhlmann zeigt sich auf Nachfrage offen für das Projekt. Allerdings müsse man Schritt für Schritt vorgehen. Für heuer steht zunächst der Abriss der alten Gewächshäuser an, dann wolle man die Gestaltung des Areals planen.

Willy Schnell arbeitet als selbstständiger Gärtner und als Gartenhelfer. Wenn es mit der Haussuche klappt und die Familie ein Grundstück zum Gemüse anbauen findet, könnte sie sich auch eine solidarische Landwirtschaft vorstellen, also eine Versorgungsgemeinschaft, bei der sich mehrere Leute erst die Arbeit und dann die Ernte teilen. Berlin und Bayreuth wären für das Ehepaar keine Optionen mehr. Für ihren Sohn Moritz, der auch noch ein Geschwisterchen bekommen soll, können sich die Schnells nichts Schöneres vorstellen, als in der Natur aufzuwachsen.

Beide empfinden die Menschen in Helmbrechts als freundlich und offen. Mit dem Gartenprojekt am Volkspark wollen sie noch mehr Leute aus ihrer neuen Heimat kennenlernen. Und sie hoffen darauf, dass sich einer ihrer Abreißzettel als Schlüssel zum Traum-Hof erweist.

Autor

Claudia Sebert
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Veröffentlicht am:
12. 06. 2018
18:32 Uhr

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Claudia Sebert

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12. 06. 2018
18:32 Uhr



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