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Münchberg

Adrian Roßner kritisiert Abriss der alten Kranbahn

Der Heimatforscher hält das Relikt auf dem ehemaligen Flehmig-Areal in Sparneck für erhaltenswert. Bürgermeister Schmalz widerspricht.



Sparneck - Heute, Samstag, verschwindet in Sparneck der alte Schlot der ehemaligen Flehmig-Fabrik. Das Relikt aus der großen Zeit der Textilindustrie wird gesprengt. Was auf dem Areal noch bleibt, ist die Kranbahn des Unternehmens. Aber nicht mehr lange: Auch für dieses Überbleibsel ist der Abbruch geplant. Heimatforscher Adrian Roßner hätte sich eine andere Lösung gewünscht.

"Die Textilindustrie hat unsere Region geprägt", sagt er. Sie sei ein wichtiger Teil der Vergangenheit und erzähle eine spannende Geschichte. "Nämlich die, des einfachen Mannes." Leider werde dieser Teil der Historie häufig stiefmütterlich behandelt. Immer mehr sogenannte Brachen aus dieser Zeit müssten Neubauten weichen. "Und das verstehe ich. Fortschritt ist wichtig", betont Roßner. Aber gerade bei Relikten wie der Kranbahn in Sparneck hätte er den Abbau anstelle des Abbruchs für sinnvoll gehalten. "Mir fallen auf Anhieb Menschen ein, die sich für die alte Bahn interessieren würden." Auch bei Museen, beispielsweise beim Deutschen Dampflok-Museum in Neuenmarkt, hätte man anfragen können. Die Verantwortlichen hätten schlicht und einfach eher aktiv werden müssen, um sich um eine andere Lösung als den Abbruch zu bemühen. "Wenn sich dann am Ende wirklich niemand findet, kann man immer noch abreißen."

Der Sparnecker Bürgermeister Professor Reinhardt Schmalz sieht das anders. "Ich wüsste nicht, wohin mit der Kranbahn", sagt er. Der Abbau wäre schwierig, und der Wert würde dem Aufwand, der mit dem Erhalt verbunden wäre, nicht gerecht.

Adrian Roßner betont, dass er Sparneck nicht an den Pranger stellen wolle. In vielen Orten lasse sich diese Entwicklung beobachten. Der Hofer Ringlokschuppen, die Aktienfärberei in Münchberg und jetzt die Kranbahn in Sparneck seien nur einige wenige Beispiele.

"Natürlich sind die meisten Relikte aus der Zeit der Textilindustrie nicht optisch schön oder finanziell besonders wertvoll." Darum gehe es bei Denkmalschutz aber auch nicht. "Machen wir so weiter, ist in zehn Jahren von unserer Industriegeschichte nichts mehr übrig", warnt Roßner. Damit mache man eine Zeit, die Ortschaften und Gesellschaftsstrukturen in der Region geprägt hat, dem Erdboden gleich. "Es geht nicht nur darum, sich an diesen bedeutenden Industriezweig zu erinnern, sondern vor allem an die Menschen von damals." Die Geschichte der Textilindustrie sei Teil der regionalen Identität.

Er habe sich wegen der Kranbahn mit der Denkmalschutzbehörde in Verbindung gesetzt, berichtet der Heimatforscher. Leider stehe kaum ein Relikt aus der Industriegeschichte unter Denkmalschutz. Das solle sich ändern. Roßner kündigt an: "Zusammen mit dem Denkmalschutz des Landkreises Hof werde ich eine Liste der erhaltenswerten Industriekultur ausarbeiten." nasch

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Veröffentlicht am:
18. 01. 2019
20:44 Uhr

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