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Münchberg

"Akt der Nächstenliebe nach dem Tod"

Peter Gluth, ein gebürtiger Frankenwäldler, lebt mit einem fremden Herz. In Geroldsgrün spricht er über Organspenden.



Peter Gluth
Peter Gluth  

Geroldsgrün - "Wenn ich kein Spenderherz erhalten hätte, dann wäre ich schon seit acht Jahren tot und könnte nicht heute vor euch stehen", sagt Peter Gluth. Der in Nordhalben geborene und im Geroldsgrüner Ortsteil Silberstein aufgewachsene Mann erzählt in der Aula der Lothar-von-Faber-Grundschule vor etwa 75 Zuhörern seine Lebens- und Leidensgeschichte, die am 10. Juni 2011 die erlösende, glückliche Wende bekam.

Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so still ist es in den voll besetzten Stuhlreihen, als sich der jetzt in Leer/Ostfriesland lebende Peter Gluth an das Jahr 2002 erinnert. "Meine Familie packte schon die Koffer für den Urlaub, und ich ging zu meinem Hausarzt, um noch routinemäßig ein EKG machen zu lassen." Die Diagnose: Verdacht auf Vorhofflimmern, sofort ins Krankenhaus. In Bad Oeynhausen dann die erschütternde Erkenntnis: Nur noch 20 Prozent Herzleistung, Lebenszeit stark begrenzt. Einzige Rettung: ein Spenderherz.

Einen Termin zur Transplantation gab es relativ schnell, "aber meine Glücksgefühle waren verfrüht", erzählt Gluth. Das Spenderherz erwies sich als untauglich - "ich weinte bitterlich". Es war ein Warten im Schwebezustand zwischen Leben und Tod, der dann doch noch glücklich endete mit der Transplantation eines Spenderherzens. Nach vier Wochen wurde Gluth aus dem Krankenhaus entlassen, "und ich konnte wieder Fahrradfahren".

Peter Gluth möchte die Menschen für eine Organspende sensibilisieren, damit Schwerkranken das Leben gerettet wird. Deutschland liegt europaweit am Ende der Spenderzahlen, obwohl 90 Prozent der Deutschen Organspenden befürworten; nur 30 Prozent besitzen einen Organspendeausweis. An der Spitze der Spender steht Spanien. Deutschland ist ein Nehmer-Land.

Organspenden sind mit Herz, Lunge, Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm möglich. Dazu kommen Gewebespenden mit Hornhaut der Augen (mit über 5000 die häufigste Spendenart) sowie Herzklappen, Teilen der Blutgefäße, Knochengewebe und Sehnen. In Deutschland warten derzeit mehr als 10 000 Schwerkranke auf eine Organspende, vor allem Nieren (7781). Bis zu 88 Prozent der gespendeten Nieren sind nach einem Jahr noch funktionsfähig, nach fünf Jahren 75 Prozent. Nur geringfügig niedriger liegt die Rate bei anderen Organen.

Eine wichtiges Thema, das Peter Gluth ansprach, war der Hirntod eines Menschen. Dessen Feststellung ist nur bei künstlicher Beatmung und Aufrechterhaltung des Herz-Kreislauf-Systems auf der Intensivstation möglich ist. "Zwei Ärzte oder Ärztinnen führen unabhängig die Diagnose des unumkehrbaren Ausfalles aller Hirnfunktionen durch. Dies ist zweifelsfrei der Tod eines Menschen." Die Vermittlung der Organspende erfolgt durch die zentrale Stelle Eurotransplan. Zu den Auswahlkriterien gehören Blutgruppe, Körpergröße, Alter und Gewicht von Spender und Empfänger.

Gluth bewertet die Organspende als einen Akt der Nächstenliebe nach dem Tod, den auch die beiden großen christlichen Kirchen befürworteten, ebenso der Islam und das Judentum. Es gebe kein Höchstalter, um Organspender zu werden. Gluth räumt aber ein: "Es ist und bleibt eine schwierige Entscheidung, die jeder für sich selbst zumindest einmal zu Lebzeiten treffen sollte. Denn die Angehörigen befinden sich beim Tod eines geliebten Menschen in einer Ausnahmesituation, sodass die meisten mit einer Entscheidung überfordert sind." Es gebe hier kein richtig oder falsch. "Niemand hat das Recht, Ihre Entscheidung zu bewerten."

Eingangs hatte Isabell Puff, die Schwester von Peter Gluth, die Zuhörer begrüßt, darunter auch Bürgermeister Helmut Oelschlegel.

Autor

Reinhold Singer
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Veröffentlicht am:
07. 05. 2019
00:00 Uhr

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Reinhold Singer

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07. 05. 2019
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