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Münchberg

Bauern machen ihrem Ärger Luft

In Münchberg haben sich am Dienstag 100 Landwirte versammelt, um zur Kundgebung nach Bayreuth zu fahren. Sie sehen mit großer Sorge in die Zukunft.



Auf dem Schützenplatz in Münchberg versammeln sich die Landwirte mit ihren Treckern zur Protestfahrt nach Bayreuth. Foto: Hüttner
Auf dem Schützenplatz in Münchberg versammeln sich die Landwirte mit ihren Treckern zur Protestfahrt nach Bayreuth. Foto: Hüttner  

Münchberg/Landkreis - Sie haben es satt, als Buhfrauen und -männer der Nation verunglimpft zu werden: Bundesweit haben am Dienstag Landwirte demonstriert, weil sie durch die Umwelt- und Landwirtschaftspolitik Wirtschaftskraft und sozialen Frieden im ländlichen Raum gefährdet sehen. Allein in Münchberg trafen sich bereits um 7.30 Uhr auf dem Schützenplatz rund 100 Landwirte aus dem Landkreis Hof mit ihren Schleppern. Auf der B 2 fuhren sie in Zehnergruppen nach Bindlach, um sich dort in den Konvoi mit weit über 500 Landwirten nach Bayreuth einzureihen. In der Tierzuchthalle fand am Mittag dann eine Kundgebung der Bewegung "Land schafft Verbindung" statt.

"Bei uns in Oberfranken ist die Landwirtschaft von kleinstrukturierten Familienbetrieben geprägt. Das Agrarpaket bringt viele von uns an die Existenzgrenze", sagte in Münchberg vor dem Start Andreas Wolfrum, Ansprechpartner von "Land schafft Verbindung". Wegen der immer weiter zunehmenden Vorgaben und höheren Auflagen werde es nicht zu vermeiden sein, dass weitere Höfe aus finanziellen Gründen aufgeben. "Beispielsweise zieht die neue Düngeverordnung den Bau von größeren Güllelagern nach sich, die wiederum hohe Investitionen bedeuten. Es braucht auch größere Technik, um den kürzeren Zeiträumen der Ausbringung Rechnung tragen zu können."

Andreas Wolfrum möchte, wie viele seiner Berufskollegen, dass mit den Landwirten geredet und nicht einfach über sie bestimmt werde. "Wir sind schlussendlich diejenigen, die Vorgaben und Auflagen ausführen müssen."

Der junge Landwirt nimmt das Megafon und erklärt, dass zwar in Gruppen von zehn Schleppern gefahren wird, aber Autos die Möglichkeit zum Überholen gegeben werden solle. "Wir wollen einen richtig guten Eindruck hinterlassen", betont Wolfrum und bittet die Mitstreiter zugleich, an allen Stopps "alles noch sauberer zu verlassen, als man es vorgefunden hat. Wir sind nicht Friday for Future."

Die jungen Landwirte erhalten Aufkleber für ihre Schlepper, denn nur damit können sie in Bindlach in den Konvoi einscheren. Auch große Plakate werden verteilt, die aber erst in Bindlach an den Schleppern angebracht werden dürfen. "Anweisungen der Polizei ist Folge zu leisten", betont Andreas Wolfrum.

In Gruppen stehen Frauen und Männer beisammen und diskutieren. Ralph Browa aus dem Geroldsgrüner Ortsteil Hirschberglein ist dabei. "Ich habe es satt, dass wir Landwirte an den Pranger gestellt werden und für alles verantwortlich sein sollen", macht er seinem Ärger Luft. "Die Auflagen werden immer mehr, und wie soll man da seinen Familienbetrieb in die Zukunft führen?" Browa weiß, dass eines seiner vier Kinder den Hof weiterführen möchte. "Aber wir brauchen eine sichere Zukunft."

Auch Christian Meister, junger Landwirt aus dem Selbitzer Ortsteil Weidesgrün, sieht sich und seine Berufskollegen als Sündenbock. "Wir sind für alles verantwortlich, ob Nitrat- und Feinstaubbelastung oder Klima, immer sind die Landwirte schuld. Dabei muss die große Masse, jeder einzelne etwas tun, nicht nur die Landwirte allein." Christian Meister möchte den Hof einmal übernehmen, aber sieht die Zukunft ungewiss. "Bei all den Auflagen kann niemand sagen, ob man dann noch wirtschaftlich arbeiten kann." Kinder von Landwirten würden in der Schule gemobbt, es gebe auch "dumme Sprüche" von Lehrern. "Will ich das einmal meinen Kindern zumuten?", stellt er sich selbst die Frage und hat aktuell keine Antwort.

Johanna Goller aus Elbersreuth bei Presseck befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr und will gemeinsam mit dem jüngeren Bruder den elterlichen Hof übernehmen. Sie sieht aber auch die wachsende Bürokratie, sodass das Arbeiten auf Feld und Hof auf der Strecke bleiben. Matthias Kießling aus Tiefendorf sieht eine unsichere Zukunft für seinen 18-jährigen Sohn Janek, der die Ausbildung zum Landwirt absolviert. "Was die Zukunft bringt und wie es weiter geht, steht in den Sternen." Auflagen würden den Landwirten einfach aufgedrückt, Entscheidungen ohne Rücksicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse getroffen. "Wir arbeiten in der Landwirtschaft schon immer nachhaltig und generationenübergreifend, wir beuten weder Boden noch Tiere aus." Kießling sieht die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung, die immer schlimmer werde.

Dann der Aufruf zum Start der ersten zehn Schlepper, die Christian Findeiß anführt. Die meisten Teilnehmer sind seit 5 Uhr in der Früh auf den Beinen, haben die Tiere noch versorgt. "Zu Hause kümmern sich die Familien, denn wir müssen für unsere Zukunft und unsere Kinder demonstrieren", sagt Andreas Wolfrum.

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Sandra Hüttner
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Veröffentlicht am:
22. 10. 2019
19:10 Uhr

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Autor

Sandra Hüttner

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 10. 2019
19:10 Uhr



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