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Münchberg

Belohnung für Hinweise auf den Saboteur

Bei Münchberg hat ein Anschlag einem Landwirt und einem Lohnunternehmen arg zugesetzt. Nun suchen die Geschädigten bewusst die Öffentlichkeit.



Mithilfe einer Belohnung wollen die Lohnunternehmer Christoph und Tanja Schirbel und der betroffene Landwirt Michael Benker (von links) dem Saboteur auf die Schliche kommen, der ihnen einen hohen Schaden zugefügt hat. Patrick Heerdegen (rechts), Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilfsrings Münchberg, steht den Geschädigten beratend zur Seite.
Mithilfe einer Belohnung wollen die Lohnunternehmer Christoph und Tanja Schirbel und der betroffene Landwirt Michael Benker (von links) dem Saboteur auf die Schliche kommen, der ihnen einen hohen Schaden zugefügt hat. Patrick Heerdegen (rechts), Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilfsrings Münchberg, steht den Geschädigten beratend zur Seite.   Foto: Köhler

Münchberg - Mit einer Belohnung für Hinweise wollen die landwirtschaftlichen Lohnunternehmer Christoph und Tanja Schirbel sowie der Landwirt Michael Benker einen Anschlag mit Eisenteilen auf ein Maisfeld aufklären. Wie berichtet, hat ein noch immer unbekannter Täter am 21. September auf einem Feld südlich von Münchberg Trümmer aus Metall an Maispflanzen angebracht und so einen Schaden von geschätzt 75.000 Euro an einem 400.000 Euro teuren Maishäcksler verursacht, dessen Erntemesser durch die Fremdkörper regelrecht zerfetzt wurden.

Weiterer Fall

Erst jetzt ist bekannt geworden, dass eine unbekannte Person in der Zeit vom 18. Mai bis zum 3. Oktober auf einem Maisfeld in Albertsreuth bei Weißdorf ein drei Meter langes Drahtseil über die dortigen Maispflanzen gelegt hatte
>> zum Artikel

Hinzu kommen beträchtliche Schäden wegen des Ernteausfalls für Michael Benker, denn der von Metallsplittern verunreinigte Mais musste entsorgt werden. Für die Schirbels kommen Einnahmeverluste hinzu, weil der kaputte Häcksler für den Rest der Ernte ausfiel.

Es ist eine Gratwanderung, zu der sich die Geschädigten entschlossen haben. Die Höhe der ausgesetzten Belohnung wollen sie ebenso wenig nennen wie die Beschaffenheit der Eisenteile, die den Häcksler zerstört haben. Das Ziel ihres Vorstoßes ist es zwar, öffentliche Aufmerksamkeit zu wecken und den Täter in die Enge zu treiben; andererseits fürchten sie, mit allzu vielen Details womöglich Nachahmungstäter zu animieren oder mit einer allzu hohen Belohnung eine Hetzjagd auszulösen.

"Der Grund, warum wir dennoch an die Öffentlichkeit gehen, ist die immense Gefahr solcher Taten, die ja bayernweit vorkommen, für andere Menschen", sagt Christoph Schirbel. Denn wegen der Wucht der Messer des Häckslers könnten Splitter der Eisenteile im Mais nicht nur zu tödlichen Geschossen für Menschen im Umfeld der Ernte, sondern auch für den Fahrer selbst werden: "Die Messer befinden sich direkt unter der Fahrerkabine, die von solchen Metallteilen leicht von unten durchschlagen werden kann." Die Ernte sei zudem ein beliebtes Schauspiel für Kinder, die gerne vom Feldrand aus zusehen. "Falls das den Tätern nicht bewusst ist", sagt Christoph Schirbel, "wollen wir es ihnen auf diese Weise mitteilen, damit sie auf künftige Taten dieser Art verzichten."

Wenn es um Motive geht, sind die Schirbels ebenso ratlos wie Michael Benker oder Patrick Heerdegen, Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilfsrings Münchberg, der den Geschädigten beratend zur Seite steht. "Mais ist zwar eine gängige Buh-Pflanze und wird gerne schlecht geredet", sagt Heerdegen. "Aber der Mais bindet viel CO 2 und ist damit eine der nachhaltigsten Pflanzen überhaupt." Über die Motive, warum jemand zu solchen Maßnahmen greift, kann er nur rätseln: "Vielleicht löst das schlechte Image der Landwirtschaft solche Taten aus."

Egal aber, was sich die Täter denken mögen, es sei durch nichts zu rechtfertigen, derart hohe Schäden zu verursachen und andere Menschen in Lebensgefahr zu bringen, sagt Tanja Schirbel. Wegen der Trockenheit sei die Ernte in diesem Jahr ohnehin schlecht ausgefallen. In einer solchen Situation könnte bereits ein einzelner weiterer Anschlag dieser Art dazu beitragen, die Existenz von Lohnunternehmern und Landwirten zu vernichten.

 

Lesen Sie dazu auch: Anschläge auf Maisfelder sind keine Seltenheit. Welche Strafen drohen? Darüber informiert eine Polizei-Sprecherin im Interview

 

Um so größer sei nun die Angst bei der sonst so alltäglichen Arbeit auf den Feldern. Denn die Eisenteile durch Kontrollen oder gar Kameras vorher zu entdecken, sei utopisch. Patrick Heerdegen nennt ein Beispiel: "Bei nur vier Kameras je Hektar würden bei einer Anbaufläche von 5500 Hektar im Landkreis Hof 22.000 Kameras benötigt." Die Felder regelmäßig zu Fuß auf Eisenteile zu kontrollieren, sei wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.

Mit ihrem Vorstoß wollen die Schirbels und Benker aber auch bewirken, dass Landwirte und Bevölkerung mehr ins Gespräch kommen. "Wir sind für Kritik immer offen und arbeiten schon nicht mehr nachts in der Nähe von Wohngebieten", sagt Christoph Schirbel. Auch bei anderen möglichen Ärgernissen wolle man den Leuten entgegenkommen.

Autor

Manfred Köhler
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Veröffentlicht am:
17. 10. 2019
18:20 Uhr

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Manfred Köhler

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Veröffentlicht am:
17. 10. 2019
18:20 Uhr



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