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Münchberg

Biberfamilie mitten in der Stadt

Die fleißigen Nager haben sich am Lübnitzbach in Gefrees niedergelassen. Experten suchen nach Lösungen. Eine Umsiedlung ist aber wohl nicht möglich.



Die Biber haben in der Lübnitz einen stattlichen Damm gebaut. Foto: Judas
Die Biber haben in der Lübnitz einen stattlichen Damm gebaut. Foto: Judas  

Gefrees - Viele mögen ihn, andere sehen sein Treiben auch mit Sorge: Der Biber hat sich in Gefrees niedergelassen. Nach Einschätzung von Experten handelt es sich sogar um eine ganze Familie, die sich das Gefreeser Naherholungsgebiet als Heimat auserkoren hat. Damit lebt sie teils mitten in der Stadt. Was auch Bedenken auslöst. Der Lübnitzbach ist schon über das Ufer getreten. Stadtrat Stephan Zeißler befürchtete unlängst im Bauausschuss, dass das als städtischer Veranstaltungsort genutzte historische Künneth-Palais bei Stark-regen in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Unlängst sei mit den gleichen Bedenken eine Gefreeserin bei ihm im Rathaus an ihn herangetreten, ergänzt Bürgermeister Harald Schlegel. "Ich bin auch für Naturschutz - aber es muss in einer Umgebung sein, die dafür geeignet ist." Schlegel ist tätig geworden und hat sich an einen Experten gewandt.

Mit Joachim Nedvidek hat die Stadt bereits seit 2016 einen offiziellen Biberberater, der in die aktuelle Problematik eingeschaltet ist. Mitte November hat er das Biberrevier besucht, analysiert und dokumentiert. Mit Bürgermeister Schlegel hat er die Situation besprochen. Momentan sieht Nedvidek keine erhöhte Gefahr für anliegende Gebäude. "Inwieweit die überflutete Wiese und der höhere Wasserstand weiter oben in der Lübnitz möglicherweise übers Grundwasser Probleme für Gebäude bringen, kann ich nicht beurteilen. Das muss eventuell ein Gutachter oder Sachverständige klären", rät er.

Einen Teil Bedenken kann Nedvidek jedoch zerstreuen: "Die Gefahr für einen Bruch des Biberdamms ist gering, da die Population den für sie erforderlichen Damm pflegt, ausbessert und stabil baut. Ein Biberdamm ist extrem stabil aus Holz und Schlamm gebaut."

Starkregen, erklärt der Biberbeauftragte, sei "mit und ohne Biberdamm eine Gefahr für Bachanlieger". Biberbesiedlung biete sogar eher Vorteile. Denn der Nager baue natürliche Regenrückhalteanlagen. Nedvidek empfiehlt, die Gewässer regelmäßig zu überwachen. "Auch bei Ausweitung oder Veränderung der Biberaktivitäten ist angemessen zu reagieren." Dass der Damm den fleißigen Nagern zuzuordnen ist, sei eindeutig: Über eine angrenzende Wiese hat die Lübnitz einen neuen Zweig gebildet, und der Verursacher sei zweifellos ein Biberdamm und kein Schwemmholz.

Vor allem weist Nedvidek darauf hin, dass die Mitarbeiter im Bibermanagement, also beispielsweise die Untere Naturschutzbehörde, derzeit "um einvernehmliche Lösungswege" bemüht sind: "Es findet im Januar in Gefrees nochmal ein Ortstermin statt. Hier werden Vertreter der Stadt, der unteren Naturschutzbehörde, der Biberberater und der für Nordbayern zuständige Bibermanager Horst Schwemmer teilnehmen. Dabei suchen wir Lösungswege", kündigt Nedvidek an.

Eine Umsiedlung sei wohl keine Option: "Klingt gut, ist aber in der Praxis kaum durchführbar. Im Landkreis Bayreuth sind nahezu alle möglichen Biberreviere besetzt. Auch müssten bei der Umsiedlung einer Biberfamilie alle Tiere gefangen werden, das ist oft schwer möglich." Ein Abschuss indes wäre - jedenfalls im Stadtgebiet - zu gefährlich.

Klar scheint auch zu sein, dass es sich um eine ganze Biberfamilie handelt. "Wir gehen davon aus, dass es sich hierbei um einen Familienverband zwischen drei und fünf Tieren handelt", erklärt Michael Benz, der Pressesprecher des Landkreises, und bestätigt: "Innerhalb des Landkreises Bayreuth sind alle geeigneten Reviere derzeit besetzt, so dass hier keine Umsiedlungsmöglichkeit besteht."

"Es wäre sehr schade, wenn es ihn nicht gäbe", sagt Stephan Zeitler, einer der Gefreeser, die eine Facebookgruppe "Koarl-Biberfreunde Gefrees" gegründet haben.

Jedenfalls werden sich die Verantwortlichen also im Januar auf Lösungssuche begeben. Für Anlieger hat der Pressesprecher des Landratsamts schon einmal einige Tipps: "Die an Gewässer angrenzenden Obstbäume oder auch Weichholzbaumarten können mit Estrichmatten gegen Verbiss und Fällen durch Biber geschützt werden. Matten werden von der Unteren Naturschutzbehörde zur Verfügung gestellt." Für Landwirte gilt: "Nach den Richtlinien zum Bibermanagement werden land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Schäden bis zu einer Höhe von maximal 80 Prozent der Schadenssumme ausgeglichen." Bäume auf Privatgrundstücken fallen nicht unter diese Regelung. Das Landratsamt stellt auch leihweise Weidezaungeräte zur Abwehr des Bibers zur Verfügung.

 
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Harald Judas
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Veröffentlicht am:
02. 01. 2018
00:00 Uhr

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02. 01. 2018
00:00 Uhr



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