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Münchberg

Demenz ist mehr als Vergesslichkeit

Erkrankungen in der Familie können auch für die Enkelkinder belastend sein. Zehntklässler des Gymnasiums befassen sich eingehend mit diesem Thema.



Informationen aus erster Hand: Hans-Dieter Mückschel von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft und Natascha Schlichting, Schulberaterin der AOK Hof, informierten die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen des Gymnasiums Münchberg über Demenz. Foto: Schoberth
Informationen aus erster Hand: Hans-Dieter Mückschel von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft und Natascha Schlichting, Schulberaterin der AOK Hof, informierten die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen des Gymnasiums Münchberg über Demenz. Foto: Schoberth  

Münchberg - Mit der immer häufiger auftretenden Krankheit Demenz hat das Gymnasium Münchberg ein gesellschaftlich wichtiges Thema angepackt. Religionslehrerin Heike Eul konnte für die 10. Klassen zwei Experten begrüßen: Hans-Dieter Mückschel von der Deutschen Alzheimer- Gesellschaft und Natascha Schlichting, Schulberaterin der AOK Hof.

Bei den Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen geht es darum, Verständnis zu wecken. "Fast jede Familie hat einmal mit Demenz oder Veränderungen von Menschen im Alter zu tun. Kinder sollen verstehen, warum die Oma oder der Opa jetzt so anders reagieren als bisher gewohnt", erklärt Hans-Dieter Mückschel das Schulprojekt. Familien sollen informiert werden, wo sie Unterstützung finden. Jede Krankenkasse habe geschulte Pflegeberater, die eine erste Anlaufstelle sind, betont Natascha Schlichting.

Mit einem Gedankenexperiment führt Hans-Dieter Mückschel die Jugendlichen an das Krankheitsbild der Demenz heran. "Stell dir vor, du bist mit deiner Klasse auf einer Klassenfahrt nach China. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens bemerkst du, dass plötzlich alle aus deiner Klasse und die Lehrer verschwunden sind. Auch der Bus ist weg. Du suchst, irrst herum, keiner versteht dich. Wie fühlst du dich?" Vielfältig sind die Antworten aus der Klasse: das Gefühl, völlig einsam, hilflos und verloren zu sein, sich nicht mehr orientieren zu können, Wut auf die anderen und Ärger über sich selbst, Trauer.

An diesem Beispiel zeigt der Referent die Symptome der Krankheit. Das Wort Demenz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet, dass der Verstand verloren geht. Zum Krankheitsbild gehört der Verlust des Gedächtnisses, zuerst des Kurzzeitgedächtnisses. Demenz ist aber nicht nur, wie oft geglaubt wird, Vergesslichkeit, erläuterte der Referent. Orientierungsfähigkeit und das Denkvermögen lassen nach. Wortfindungsprobleme stellen sich ein und damit die Fähigkeit, sich zu verständigen. Die Betroffenen ziehen sich oft zurück. Wenn alle diese Symptome auftreten, liegt eine Demenz vor. Im Endstadium der Krankheit sind die Menschen oft vollständig auf fremde Hilfe angewiesen. Heilung gibt es derzeit noch nicht.

Die Menschen seien sich in aller Regel schmerzlich bewusst, dass sie verstandesmäßige Fähigkeiten verlieren. "Das Herz wird nicht dement, die Gefühlswelt bleibt erhalten", betont Mückschel.

In Deutschland leiden derzeit über 1,6 Millionen Menschen an Demenz, das sind so viele wie die Einwohner von Köln und Stuttgart zusammen. Weil die Menschen im Durchschnitt immer älter werden, steigt auch die Zahl der Demenzkranken stetig. Das Risiko zu erkranken wird mit dem Alter größer. Bei den 65- bis 69-Jährigen sind 1,6 Prozent betroffen, bei den über 90-Jährigen über 40 Prozent. "Die Gesellschaft muss sich auf die Veränderungen einstellen", betonen die Fachleute von der Alzheimer-Gesellschaft.

Die Schüler diskutieren engagiert die Möglichkeiten, mit einem Demenzkranken umzugehen, wenn er etwa mitten in der Nacht meint, unbedingt etwas sofort besorgen zu müssen. Es mache keinen Sinn, lange Erklärungen über die Tageszeit oder die Erkrankung zu geben. Dagegen helfen kurze, beruhigende Antworten, die die momentane Sorge aufnehmen, meist weiter. Erstaunlich ist für die erwachsenen Teilnehmer des Studientages, wie spontan und herzlich oft die Enkelkinder mit Demenz-Erkrankten in der Familie umgehen, nicht nur in den Filmbeispielen, sondern auch in den Familien. Hans-Dieter Mückschel erläutert, dass neben den großen Belastungen durch die Pflege für erwachsene Kinder der Erkrankten der Abschied von den Eltern seelisch bewältigt werden muss. "Sie verlieren ein Stück weit ihre Eltern, obwohl Vater und Mutter noch leben." Die pflegenden Angehörigen sollten und müssten sich selber Hilfe holen, bei Selbsthilfegruppen, durch Tagesbetreuung oder ehrenamtliche Demenz-Helferinnen und -Helfer. Bevor die Pflegenden selbst zusammenbrechen, ist eine Unterbringung in einem Pflege- oder Altersheim notwendig.

"Die Veranstaltung hat wirklich etwas gebracht", äußerten einige Schüler, die in der Pause noch zusammenstanden. "Wir haben viel Neues erfahren und unsere Fragen sind sachkundig beantwortet worden."

Autor

Margret Schoberth
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Veröffentlicht am:
11. 02. 2019
18:42 Uhr

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Margret Schoberth

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11. 02. 2019
18:42 Uhr



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