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Die digitale Welt und die Sucht

Oberarzt Salinger regt Helmbrechtser Schüler dazu an, sich Gedanken zu machen über ihr Verhalten. Er zeigt vielfältige Formen der Abhängigkeit auf.



Die digitale Welt und die Sucht
Die digitale Welt und die Sucht  

Helmbrechts - Nicht nur Drogen und Alkohol machen abhängig. Auch das Smartphone kann eine Sucht erzeugen. Im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche an bayerischen Schulen hat Oberarzt Dr. Markus Salinger von der Bezirksklinik in Bayreuth vor Zehntklässlern der Realschule Helmbrechts einen Vortrag gehalten zum Thema "Bin ich denn der Sklave meines Handys?" Der Mediziner steht der Nutzung der neuen Medien nicht negativ gegenüber, doch möchte er die Jugendlichen für einen bewussten Umgang mit Computer und Smartphone sensibilisieren. Wie in vielen Lebensbereichen gelte auch hier: "Zu viel Genuss kann süchtig machen."

Heute gucken die jungen Leute anders Fernsehen a ls noch vor wenigen Jahren. Im Internet erfreuen sich Netflex-Serien großer Beliebtheit. Der Redner wusste zu berichten, dass 61 Prozent der Interessenten zwei bis sechs Folgen am Stück schauen. Es gibt auch Menschen, die eine ganze Staffelserie in vier bis sechs Tagen konsumieren. Daher gehört Netflex zu den wertvollsten Unternehmen der Welt in der Medienbranche und rangiert noch vor Disney. Für Spannung sorgen die sogenannten Cliffhanger am Ende der Episoden, die neugierig auf die Fortsetzung machen. Denn, so der Referent: "Abgebrochene Erlebnisse besetzen unsere Gedanken mehr als abgeschlossene Dinge."

Mittlerweile gibt es im Internet auch Kanäle, die erst nach einem Jahr Wartezeit zugänglich sind. Dies erweckt hohe Erwartungen und stärkt zunächst das Selbstwertgefühl derer, die endlich diesem Kreis angehören dürfen.

Das intensive Onlineshopping kann ebenfalls zur Abhängigkeit führen, gerade wenn es "da s Gefühl des Jagens und Erlegens" vermittelt. Manche Leute erwerben Dinge, die sie gar nicht brauchen, die sie aber als Schnäppchen betrachten.

Markus Salinger ging auch auf zunächst kostenlos angebotene Spiele ein, die zu jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar sind. So spielt man auch mit Partnern in anderen Zeitzonen mitten in der Nacht. Dazu locken oft Wettbewerbe mit hohen Preisgeldern. In einigen Fällen ist eine bestimmte Ausrüstung angeraten, die Geld kostet.

Salinger berichtete von einer Untersuc hung, die besagt, dass Smartphone-Besitzer drei Stunden am Tag auf ihr Gerät schauen, nur um zu sehen, ob eine neue Nachricht eingegangen ist. "Früher haben viele Leute das Handy aus Langeweile an der Bushaltestelle genutzt. Daraus ist inzwischen ein schwer abzustellender Absolutismus entstanden." Der Referent informierte über das Ergebnis einer weiteren Erforschung: Demnach greifen 41 Prozent der Deutschen bereits in der ersten Viertelstunde nach dem Aufstehen nach dem Smartphone, und nur zwölf schaffen es, das Handy auch mal für eine gewisse Zeit zur Seite zu legen. Die Angst, man könnte etwas verpassen, ist nicht selten der Auslöser für Schlafstörungen. Handys sind aber auch "ein Topkiller im Straßenverkehr" - übrigens ist die Handynutzung auch beim Radfahren verboten. Als eine "digitale Droge" bezeichnete Salinger die Likes als Feedback für von Freunden gesendete Nachrichten - wobei der Begriff Freund vielleicht nicht ganz passend sei: "Es ist ein Problem, wenn es nur noch in der virtuellen Welt Freunde gibt." Freunde im Netz kann man sich übrigens mittlerweile für Geld als Follower kaufen.

Angesagt ist derzeit auch Instagram. Dies ist ein boomender Wirtschaftszweig, mit dem Menschen, die Trends vorstellen, Geld verdienen können - dies schafft Anreize, es diesen Leuten gleichzutun. Inzwischen geht der Trend dahin, dass Menschen bewusst pure Natur oder bewirtschaftete Flächen kaputtmachen, nur um auf Instagram ein gutes Bild von sich zu posten. In den vergangenen Jahren kamen laut Salinger 259 Leute ums Leben, weil sie in gefährlichen Situationen, beispielsweise vorne auf Klippen stehend, ein spektakuläres Selfie machen wollten.

Der Referent zeigte noch einige Nachteile der virtuellen Welt auf; allerdings wolle er die moderne Technik nicht verteufeln, sondern dazu anleiten, sie sinnvoll zu nutzen. Denn er hat festgestellt: "Trotz Vernetzung fühlen sich die Menschen immer einsamer. Doch nicht die Einsamkeit ist das Problem, sondern der Verlust an Empathie."

Salinger empfahl den Zuhörern, sich das eigene Nutzverhalten für Handy und Smartphone vor Augen zu führen, mal auszuprobieren, am Esstisch ohne Handy auszukommen, die Funktion der Push-Benachrichtigung abzustellen und außerdem bewusst Raum zu schaffen für arbeitsfreie, gaming-freie und bildschirmfreie Zeiten. "Wichtig ist es, nicht im virtuellen Sein, sondern im echten Leben zurechtzukommen."

Autor

Werner Bußler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
19:02 Uhr

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Werner Bußler

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Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
19:02 Uhr



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