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Münchberg

Große Tierrettung aus Müll und Elend

Sabine Seitz holt 43 Hunde aus einem riesigen Sinti- und Roma-Lager in der Slowakei. Tausende Menschen und Tiere leben dort in Armut unter unsäglichen Bedingungen.



43 verwahrloste Hunde holt Sabine Seitz aus dem großen Sinti- und Roma-Lager in der Nähe von Filakovo im Süden der Slowakei. Mit zwei Transportern wurden die Tiere ins benachbarte Tierheim gefahren. Zuallererst stand eine ärztliche Untersuchung an. Mehr Bilder im Internet auf www.frankenpost.de .	Fotos: Casa Animale
43 verwahrloste Hunde holt Sabine Seitz aus dem großen Sinti- und Roma-Lager in der Nähe von Filakovo im Süden der Slowakei. Mit zwei Transportern wurden die Tiere ins benachbarte Tierheim gefahren. Zuallererst stand eine ärztliche Untersuchung an. Mehr Bilder im Internet auf www.frankenpost.de . Fotos: Casa Animale   » zu den Bildern

Gefrees-Bucheck - In einer gemeinsamen dreistündigen Rettungsaktion von Tierschützern und Polizei hat Sabine Seitz vom Schutzhof Casa Animale 43 Hunde aus einem großen Sinti- und Roma-Lager im EU-Land Slowakei geholt. Die Tiere waren in verwahrlostem Zustand und zum Teil krank. Das Lager liegt bei Filakovo nahe der Grenze zu Ungarn. Unter armseligen Verhältnissen hausen dort zwischen 5000 und 7000 Menschen mit bis zu 700 Hunden. "Die Tiere leben vom und im Unrat", berichtet Sabine Seitz. Das Lager sei ein einziger Müllhaufen. "Es gibt keine Kanalisation, das Abwasser läuft direkt vor die Hütte." Das Sinti-Roma-Lager sei eines der größten und schlimmsten in der Slowakei. Hohe Kriminalität und viele Menschen mit Behinderung seien hervorstechende Merkmale.

Spenden

Sachspenden "rund ums Baby" nimmt die Casa Animale entgegen, Witzleshofen, Bucheck 34; 09254/961675.

Vor dem Rettungseinsatz hatte den Buchecker Schutzhof eine Bitte um Unterstützung der slowakischen Tierschutzorganisation "Strasuy Lobky", zu deutsch "großes Herz", erreicht. Die Hunde wurden von den Tierschützern unter Polizeibegleitung eingesammelt. "Das passierte auf freiwilliger Basis, denn es gibt dort keine gesetzliche Handhabe, Hunde in Gewahrsam zu nehmen", sagt Sabine Seitz. Deshalb habe man mit den Bewohnern einen "Deal" mit einer Spendenaktion gemacht: Hunde gegen Kindersachen, also Kleidung, Spielzeug und Süßigkeiten. Die hatte Casa Animale zuvor in Gefrees und Umgebung gesammelt. Das Lager betreibt eine eigene Schule, dorthin kamen die mitgebrachten Sachen. "Ohne die Spenden wäre nichts gegangen."

 

Den Ablauf schildert Sabine Seitz so: "Jeder, der freiwillig einen Hund abgegeben hat, ließ sich von uns fotografieren." Wer das Foto als eine Art Ausweis vorlegte, habe sich etwas von den mitgebrachten Spenden nehmen dürfen. Die übernommenen Hunde seien anschließend zum Tierarzt gebracht worden. Denn ohne Untersuchung und Impfung ist keine Verlegung in ein Tierheim möglich. "Die 43 Hunde sind derzeit noch bei unserem Partnertierheim in der Slowakei und werden dort reisefertig gemacht." Das sollte Ende April, Anfang Mai abgeschlossen sein. "Dann fahren wir hin und holen sie ab." Allerdings kommen nicht alle auf den Schutzhof in Bucheck. "Wir vermitteln die Hunde übers Internet oder geben sie in Partnertierheime."

19.04.2018 - Hunderettung von Casa Animale in der Slowakei - Foto: Privat

Hunderettung von Casa Animale in der Slowakei
Hunderettung von Casa Animale in der Slowakei
Hunderettung von Casa Animale in der Slowakei
Hunderettung von Casa Animale in der Slowakei
Hunderettung von Casa Animale in der Slowakei
Hunderettung von Casa Animale in der Slowakei

Seit vergangenem Jahr sind bereits fünf solcher Aktionen in der Slowakei durchgeführt worden. "Allerdings waren diese Lager wesentlich kleiner", schildert Sabine Seitz. Angesichts der Größe und der Verhältnisse des Lagers bei Filakovo sei es ihr zuerst schon mulmig gewesen. "Denn der Aggressionspegel ist in solchen Lagern zweifelsfrei hoch." Das habe sich bei der Ankunft jedoch als nicht so schlimm entpuppt. Um auf Gefahr reagieren zu können, war mit der Polizei ein Alarmruf vereinbart. "Wenn den jemand schreit, sollten wir sofort zum Auto laufen." Das sei allerdings nicht nötig gewesen, schildert Sabine Seitz. "Die Aktion ist ruhig abgelaufen." Es habe keine Handgreiflichkeiten gegeben.

Das ist nach Worten der Schutzhofleiterin nicht immer so. "Bei solchen Aktionen sind schon Tierschützer bedroht und Hunde vom Balkon geworfen worden." Sie selbst sei als Deutsche von den Lagerbewohnern respektvoll behandelt worden. Sie seien sehr dankbar für die Spenden gewesen.

Für Sabine Seitz ist das nicht selten aggressive Verhalten der Bewohner solcher Lager durchaus verständlich. "Die Menschen kennen nichts anderes als Armut, Gewalt und Frust." Man könnte "mindestens so viele Kinder einpacken wie Hunde", sagt Sabine Seitz mit Blick auf die Not, in der auch die Jüngsten leben. Sie ist sich sicher, im Lager nur das Harmlose mitbekommen zu haben. "Das Schreckliche kriegen wir nicht mit, denn das spielt sich hinter den Kulissen ab." Trotzdem müsse man hier weitermachen. "Deshalb ist wichtig, weiter Spenden zu bekommen." Notwendig seien Kinder und Babykleidung, Spielsachen und Zubehör wie Kinderwagen.

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Ronald Dietel

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Veröffentlicht am:
18. 04. 2018
17:04 Uhr

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18. 04. 2018
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