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Münchberg

Ideen für mehr Taschengeld

Die Münchberger Jusos wünschen sich moderne Nachbarschaftshilfe: Jugendliche sollen kleine Jobs übernehmen und damit Senioren oder Familien entlasten.



Gras zu lang, Schneeberge zu hoch oder Einkaufstüten zu schwer? Künftig sollen sich die Münchberger für wenig Geld Hilfe holen können. Symbolbild
Gras zu lang, Schneeberge zu hoch oder Einkaufstüten zu schwer? Künftig sollen sich die Münchberger für wenig Geld Hilfe holen können. Symbolbild  

Münchberg - "Ein junger Bursche kann sich doch viel besser bücken als ich." Dieser Satz, der von einer älteren Dame aus Helmbrechts stammt - bringt das Prinzip der Taschengeldbörse auf den Punkt. Arbeit, die man aus Zeitmangel oder wegen dem schmerzenden Rücken nicht selbst erledigen kann, vergibt man einfach an junge Leute, die wiederum gerne ihre Portemonnaie auffüllen. "Eine klassische Win-Win-Situation, von der beide Seiten profitieren", findet Julia Konrad. Sie ist die Vorsitzende der Münchberger Jusos. Und die wünschen sich für ihre Stadt eine Taschengeldbörse, wie es sie seit Oktober 2014 in Helmbrechts gibt.

Kontakt

Wer Ideen hat, kann die Münchberg Jusos über Facebook-Seite oder per E-Mail erreichen: j.konrad92@web.de.

 

Allerdings wollen die Münchberger anders vorgehen und die Bürger bereits an der Entstehung der Job-Börse beteiligen. Das heißt konkret: Julia Konrad und ihr Team sammeln zurzeit Ideen - von den jungen Leuten, die Jobs übernehmen wollen, und von den Arbeitgebern in spe. Welche Aufgaben stellen sich die Jugendlichen vor? Bei welchen Tätigkeiten könnte man ihre Hilfe gebrauchen? Wie kommen beide Seiten zusammen?

Vorab haben sich die Jusos schlau gemacht und übers Internet verschiedene Taschengeldbörsen unter die Lupe genommen. So weiß die Vorsitzende zum Beispiel, dass es in Nordrheinwestfalen seit 2004 in jedem Kreis eine solches Angebot gibt und dass dafür sogar EU-Gelder geflossen sind. Insgesamt haben die Jusos zehn verschiedene Börsen aus ganz Deutschland gesichtet und wollen laut Julia Konrad nun die besten Ideen für Münchberg übernehmen.

Ganz wichtig ist der Vorsitzenden eine Online-Plattform. "Wir wollen keine Zettelwirtschaft." Vielmehr stellt sich Konrad eine Internetseite vor, auf der die Auftraggeber ihre Jobs präsentieren, für die man sich dann per Klick bewerben kann. Das Ganze soll anonym über Namens-Kürzel möglich sein, aber natürlich müsse es jemanden geben, der die Börse koordiniert und die Nutzer kennt. "Sonst wäre es zu unsicher."

Dieser jemand ist in Helmbrechts Sebastian Schönberger von der Gemeindejugendarbeit. Bei ihm und auch bei seiner Kollegin Janina Dill laufen alle Fäden der Taschengeldbörse zusammen. Sie wissen, wer für welche Arbeit am Besten geeignet ist und kennen die Auftraggeber.

In Münchberg könnte diesen Posten eine neue Mitarbeiterin übernehmen, die nach Auskunft von Julia Konrad ab Mai in der Stadtverwaltung arbeiten wird. "Das ist aber noch nicht sicher", erklärt sie. Die Jusos sind nämlich bereits einen Schritt weitergegangen, haben ihre Idee dem Stadtrat präsentiert und positive Resonanz bekommen. Das Gremium hat einstimmig beschlossen, die Errichtung einer Taschengeldbörse prüfen zu lassen. "Uns war es wichtig, die Sache anzuschieben, wir sammeln jetzt Anregungen und legen das Projekt dann in Stadt-Hände", sagt Julia Konrad. Über die Facebook-Seite der Jusos kann man Ideen einbringen. Die will man bis Mai sammeln und dann ein Konzept erstellen. Bürgermeister Christian Zuber hat bereits mit der Seniorenbeauftragten der Stadt gesprochen. Sie wird ebenfalls beratend zur Seite stehen, damit der Kontakt zwischen den Generationen gelingt.

Julia Konrad könnte sich vorstellen, dass das Projekt im Sommer konkret wird und im Herbst schon die ersten Jugendlichen zum Laub-Rechen greifen. "Das wäre optimal."

Sie wünscht sich, dass nicht nur Senioren das Angebot nutzen, sondern auch alleinerziehende Mütter, viel beschäftigte Eltern oder Menschen mit Behinderung. "Man sollte keine Scheu haben. Wer einen Job vergibt, beutet die Jugendlichen nicht aus, sondern gibt ihnen die Chance, sich etwas dazuzuverdienen. Ich hätte mich damals gefreut, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte."

Die Schüler, die ihr Taschengeld aufpeppen wollen, werden auf Mini-Job-Basis beschäftigt und sollen fünf Euro pro Stunde erhalten. Sie dürfen höchstens zehn Stunden pro Woche arbeiten. Um wichtige Details wie eine Gruppenunfallversicherung will man sich ebenfalls kümmern. Die Gestaltung der Online-Plattform könnten nach Meinung der Juso-Chefin Studenten der Fachhochschule als Projekt-Arbeit übernehmenen und das Portal kreieren.

Dass man damit den professionellen Hausmeister-Firmen Konkurrenz macht, befürchtet Julia Konrad nicht. "Die Jugendlichen dürfen ja nur eine begrenzte Anzahl von Stunden arbeiten, außerdem wird sich ihre Leistung von der eines Profis unterscheiden. Ein Jugendlicher kann keine Firma ersetzen."

Konrad gefällt vor allem die soziale Komponente. "Die Börse soll Entlastung bringen, damit Vielbeschäftigte mal wieder Mensch sein können und nicht nur gehetzt sind. Man hilft sich einfach gegenseitig."

Der Jugendliche kann ihrer Meinung nach nicht nur finanziell profitieren, sondern auch im Hinblick auf sein Berufsleben. Denn jeder, der mitmacht, soll ein Zertifikat erhalten, das er seiner Bewerbungsmappe beilegen kann. "Vielleicht spart man sich auf diesem Weg tausend verschiedene Praktika."

Auch wenn die Münchberger Taschengeldbörse hauptsächlich online agieren soll, wird der erste Weg für alle Jobsuchenden und Jobanbieter ins Rathaus führen. Dort soll man sich laut Konrad vorstellen und einen Anmeldebogen ausfüllen. Denn eine Registrierung per Internet hält sie für zu gefährlich. "Genau wie in Helmbrechts muss es jemanden geben, der die Leute kennt. Man kann die Jugendlichen nicht einfach zu irgendeiner Adresse schicken." Konrad empfiehlt eine Anmeldung wie in einem Verein und einen Mitgliedsbeitrag von fünf Euro pro Jahr.

Wichtig ist der Vorsitzenden, dass jetzt eine Menge Ideen zusammenkommen. Dann will sie einen Service-Katalog erstellen. Außerdem will sie natürlich wissen, ob es überhaupt genug Arbeitgeber gibt.

Daran mangelt es nach wie vor in Helmbrechts. Die Taschengeldbörse läuft seit zweieinhalb Jahren. Wie Jugendtreff-Mitarbeiterin Janina Dill erzählt, gibt es einen festen Kreis von jungen Leuten, die gerne Jobs annehmen. Doch auf der Arbeitgeberseite sieht es eher mau aus. Hier würde man sich mehr Resonanz wünschen. "Wir werden nicht gerade überrannt", bilanziert sie.

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Claudia Sebert
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Veröffentlicht am:
04. 04. 2017
17:27 Uhr

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Claudia Sebert

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04. 04. 2017
17:27 Uhr



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