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Münchberg

Kinder lernen Weltoffenheit

Dorcas Flomo aus Liberia hilft in der Stammbacher Kita Pusteblume mit. Durch den Kontakt schnuppert der Nachwuchs in fremde Kulturen.



Dorcas Flomo beim Spielen mit den Dreijährigen aus der Kinderkrippe.	Foto: Schubert
Dorcas Flomo beim Spielen mit den Dreijährigen aus der Kinderkrippe. Foto: Schubert  

Stammbach - Wenn Dorcas Flomo singt, dann klingt ihre helle Stimme bis in den letzten Winkel des Raumes. Ida, Marie, Niclas und die anderen Kindergartenkinder schauen sie dann verzückt an und machen die Armbewegungen zum Lied "He's got the whole world in his hands" mit. Dorcas kommt aus dem Ort Salala in Liberia. Im Rahmen des Programms "weltwärts" hilft sie für elf Monate in der Stammbacher Kindertagesstätte Pusteblume mit.

Seit fünf Jahren ermöglicht das Programm Jugendlichen aus fernen Ländern den Freiwilligendienst in Deutschland. Neben der staatlichen Förderung beteiligt sich auch das Dekanat an der Finanzierung. Für die 18-jährige Dorcas, die in ihrer Heimat in der evangelisch-lutherischen-Partnerkirche aktiv ist, war die Freude groß, als sie als Kandidatin auserkoren wurde.

Auch in Stammbach freute man sich, die Partnerschaft aufleben zu lassen: "Es geht darum, dass sich Menschen persönlich kennenlernen und austauschen", sagt Pfarrerin Susanne Sahlmann. Organisiert wird der Einsatz von "Mission EineWelt".

Bekanntlich ist jedoch aller Anfang schwer. Nach der Landung in München folgte für Dorcas, die zuvor noch nie in Europa war, der Schock: "Die Kälte, die Sprache, das Essen, alles war anders." Über diesen Anflug von sofortigem Heimweh konnte auch die Flagge ihres Heimatlandes nicht hinwegtrösten, welche Dorcas in ihrem Zimmer in Stammbach sogleich über dem Bett aufhängte. Doch mit den ersten Bekanntschaften kam über das Menschliche auch die Wärme.

Aus der Kinderkrippe ist sie mittlerweile nicht mehr wegzudenken. "Die Kinder und sie sind eins geworden", berichtet Erzieherin Ramona Jäkel. Die Leiterin des Kindergartens, Tanja Rakowitz, hat mit Dorcas bereits die zweite Freiwillige aus Liberia in Obhut und kennt den Wert ihres Einsatzes: "Es ist so wichtig, dass Kinder früh positiven Kontakt zu fremden Kulturen haben", betont sie. "Das ist ein Baustein dafür, dass die Kinder einmal zu toleranten und weltoffenen Menschen werden." Positiv überrascht war das Team, als einige der Kleinen plötzlich erste Worte auf Englisch mit Dorcas wechselten. "Sie bringt ihnen Lieder und Verse bei, und die Kinder nehmen das sofort auf. Dabei haben wir für Englisch eigentlich einen Fremdanbieter", berichtet Tanja Rakowitz. Dorcas hat mittlerweile auch Deutsch gelernt. Sätze wie: "Kannst du mit mir spielen" oder "Ich muss aufs Klo" zählen seit dem ersten Tag im Kindergarten zu ihrem Wortschatz.

Auch in Stammbach fühlt sie sich mittlerweile wohl, besucht jeden Sonntag den Gottesdienst, singt im Kirchenchor und nimmt an der Konfirmandenarbeit teil. Das Beten bringt Vertrautheit und bedeutet ein Stück Heimat für sie, denn Dorcas weiß: "Mit Gott kann ich immer sprechen, er ist überall bei mir."

Für ihre Zukunft hat die 18-Jährige große Ambitionen. Nach ihrer Rückkehr nach Liberia möchte sie ihren Traum verwirklichen und Medizin studieren. Bei einem Allgemeinarzt in Stammbach konnte sie in den Ferien bereits in den Arztberuf hineinschnuppern. Auch wenn der Gang an die Universität erneut Abschiednehmen von ihrer Familie bedeutet, denn in ihrer Heimatstadt Salala gibt es keine Hochschule: Dorcas hat gelernt, dass im Abschied, wie ihn der Freiwilligendienst eingefordert hat, auch die großen Chancen stecken: "Mein Traum ist es, anderen Menschen zu helfen. Jetzt habe ich die Möglichkeit bekommen, der Mensch zu werden, der ich sein will."

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Anna Schubert
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Veröffentlicht am:
02. 09. 2018
19:26 Uhr

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Anna Schubert

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02. 09. 2018
19:26 Uhr



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