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Münchberg

Mit Wehmut in den letzten Tag

Geschäftsführer Rüdiger Kaiser erklärt, warum er die Stofffabrik schließen muss. Ein Grund: "Viele Leute haben sich bei uns beraten lassen, um dann im Internet zu bestellen."



Nach fast 15 Jahren, davon fünf in Helmbrechts, schließt die "Stofffabrik" endgültig. Fotos: Engel
Nach fast 15 Jahren, davon fünf in Helmbrechts, schließt die "Stofffabrik" endgültig. Fotos: Engel  

Helmbrechts - Nach fast 15 Jahren, davon fünf in Helmbrechts, schließt die Stofffabrik. Heute, Samstag, hat sie zum letzten Mal geöffnet. "Wenn das Geschäft immer so gut gelaufen wäre wie in den letzten vier Ausverkaufswochen, dann hätte es gar keine Probleme gegeben, und ich hätte mit meinen drei Mitarbeiterinnen weitergemacht", sagt Geschäftsführer Rüdiger Kaiser. Für ihn sei die Stofffabrik nie Hauptverdienst gewesen: "Mit einer schwarzen Null hätte ich das Geschäft nie aufgegeben."

Kaiser erinnert sich: Fast zehn Jahre lang war die Stofffabrik in Weißdorf beheimatet. Bei einer SPD-Kommunalwahlveranstaltung kam er 2014 mit Bürgermeister Stefan Pöhlmann ins Gespräch und erzählte ihm, dass er gerne in seine Heimatstadt Helmbrechts umzuziehen würde, sofern er Räumlichkeiten finde. Pöhlmann habe ihm den ehemaligen Rewe-Markt, der im Besitz der Stadt ist, angeboten. Für Kaiser ein idealer Standort: "in Autobahnnähe und in direkter Nachbarschaft zur Alten Weberei mit ihren Textilfachgeschäften". Der ehemalige Markt hatte mit etwa 1000 Quadratmetern auch die Größe, um das Sortiment im Bereich Wohnen und Einrichten zu präsentieren.

Die ersten drei Jahre seien hervorragend gelaufen, erinnert sich der Textil-Ingenieur, das vierte Jahr war ausgeglichen, "aber das letzte Jahr war eine Katastrophe". Er sei Realist genug, um einschätzen zu können, ob es sich lohnt weiterzumachen. Nach einem Gespräch mit seinem Steuerberater wollte er noch das Weihnachtsgeschäft abwarten, "und davon war ich sehr negativ überrascht".

Drei Gründe sieht Kaiser für den geschäftlichen Einbruch. Erstens: das Internet. "Die Leute haben sich bei uns beraten lassen, haben oft noch Stoffmuster mitgenommen, um dann im Internet zu bestellen. Wir sind ein Beratungsgeschäft, deshalb müssen mindestens immer zwei Mitarbeiter im Geschäft sein." Diesen Job hat sich Kaiser mit seinen drei Mitarbeiterinnen geteilt.

Zweitens: Viele seiner etwa 4000 Stammkunden sind heute im vorgerückten Alter über 75 und leben in Stadt und Landkreis Bayreuth. "Sie wollen nicht mehr so weit mit dem Auto fahren." Und drittens: eine Trendwende in der Raumausstattung. "Heute haben viele Leute keine Gardinen mehr, die Fenster sind nackt."

Kaiser ist während der letzten Tage, an denen das Geschäft oft fast leer ist, "doch etwas wehmütig". Ihn stimmt aber zufrieden, dass seine drei Angestellten alle wieder versorgt sind. "Ich habe gerade erfahren, dass jetzt alle wieder eine Anstellung gefunden haben, das hat mir schon sehr am Herzen gelegen." Die Stoffe sind fast ausverkauft, kleine Restposten übernimmt das Stoffwerk in der Alten Weberei. "Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis."

Wie Manuel Thieroff vom Stadtbauamt erklärt, hat die Stadt noch keinen Nachmieter. Deshalb kann jetzt der Jugendstadtrat die Räume für Veranstaltungen nutzen, ebenso wie Vereine, beispielsweise Kaninchen- oder Geflügelzüchter. Dabei könnte auch das zurückgelassene Mobilar Verwendung finden.

Eine der letzten Kundinnen, eine Münchbergerin, erzählt, sie wäre gerne öfter gekommen - sie habe aber die Stofffabrik immer mit dem Stoffwerk verwechselt. Als der Ausverkauf begann, habe sie im Stoffwerk nach der Ausverkaufsware gefragt; und da wurde ihr erklärt, dass die Stofffabrik auf anderen Seite der Straße sei und vom Auto aus nur schlecht sichtbar. "Schade, dass es jetzt zumacht, wo ich es endlich gefunden habe."

 
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Helmut Engel
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Veröffentlicht am:
30. 03. 2019
00:00 Uhr

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Helmut Engel

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30. 03. 2019
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