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Münchberg

"Oft ist es besser, den Mund zu halten"

Armin Hoffmann bestimmt seit 50 Jahren im Stadtrat die Geschicke Münchbergs mit. Davon zwölf Jahre als Bürgermeister. In zwei Jahren soll Schluss sein.



So kennt man ihn, den Armin Hoffmann. Mit einem feinen, hintersinnigen Lächeln beobachtet er die Ereignisse rundum, bevor er seine Meinung kundtut - falls sie gefragt ist. Ein Mann der schrillen Töne war er nie.	Foto: igo
So kennt man ihn, den Armin Hoffmann. Mit einem feinen, hintersinnigen Lächeln beobachtet er die Ereignisse rundum, bevor er seine Meinung kundtut - falls sie gefragt ist. Ein Mann der schrillen Töne war er nie. Foto: igo  

Herr Hoffmann, Sie sind eher ein Mann der leisen Töne. Wäre es rückblickend manchmal besser gewesen, hier und da mal kräftig auf den Tisch zu hauen?

Gut zu wissen

Zur Person: Armin Hoffmann sitzt seit 1968 im Stadtrat von Münchberg. Von 1990 bis 2002 als Erster Bürgermeister. Seit 1984 gehört er dem Kreistag an. 42 Jahre lang leistete er aktiven Dienst bei der Feuerwehr, davon 20 Jahre als Kommandant und 27 Jahre als Kreisbrandmeister. Seit über 40 Jahren ist er Verbandsmitglied im Zweckverband zur Wasserversorgung der Karlsberggruppe. In zahlreichen Vereinen bekleidete er Ehrenämter. Unter anderem war er Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und 2. Vorsitzender des Vereins oberfränkisches Feuerwehrmuseum. Dort ist er noch heute Ausschussmitglied und fungiert als Aufsicht im Museum.

Während seiner politischen Tätigkeit bekam Armin Hoffmann viele Auszeichnungen und Ehrungen - unter anderem die Kommunalen Verdienstmedaillen in Bronze und Silber sowie die Eberle-Medaille als höchste Auszeichnung der Sparkassen für 30 Jahre als Verwaltungsrat. Da Hoffmann Mitglied in 17 Vereinen ist, durfte er sich auch diesbezüglich über zahlreiche Ehrungen freuen.

Ilse Hoffmann über ihren Mann: "Ich habe in den vergangenen 50 Jahren einen Mann gehabt, der heimgekommen ist, sich umgezogen hat und wieder gegangen ist. Als das Ende seiner Bürgermeisterzeit nahte, sagte er, es werde alles besser, wenn er nicht mehr im Amt sei. Er habe dann mehr Zeit. Danach habe ich ihn noch weniger gesehen als vorher. Er hat für die Allgemeinheit gelebt, für die Familie und den Garten war ich zuständig."

Es gab schon Situationen, bei denen mir fast der Kragen geplatzt wäre. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nicht aus der Haut gefahren bin. Um etwas zu erreichen, ist es manchmal besser, den Mund zu halten.

 

 

Für wie wichtig halten Sie in kommunalen Gremien eine gute Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg?

Aufgaben und Projekte lassen sich nur erfüllen beziehungsweise umsetzen, wenn alle an einem Strang ziehen. Deshalb ist mir eine gute Zusammenarbeit sehr wichtig. Es muss egal sein, von wem die Ideen und Vorschläge kommen. Wenn sie gut sind, muss man sie aufnehmen und versuchen umzusetzen. Während meiner 50-jährigen Tätigkeit im Stadtrat kann ich mich nur an wenige Kampfabstimmungen erinnern. Bei den wichtigen Entscheidungen waren wir uns fast immer einig. Wichtig war und ist mir auch, dass alles Angefangene zu einem Ende geführt wird.

 

Das gelingt nicht immer, wie das Beispiel Schützenhaus zeigt. Das Thema lag jahrelang in der Schublade und hat dank eines staatlichen Förderprogramms den Stadtrat wieder eingeholt ...

Im Schützenhaus wollte ich vor 18 Jahren meinen 60. Geburtstag feiern. Daraus ist nichts geworden, weil wir keine finanziell machbare Lösung für eine Sanierung gesehen haben. Vielleicht klappt es mit der Feier zum achtzigsten. Demnächst geht es ja los mit dem Schützenhaus. Manchmal braucht es eben viel Geduld, um etwas zu Ende zu bringen. Und natürlich gibt es Dauerthemen, die aktuell bleiben. Die Vereine zum Beispiel, die Unterstützung brauchen. Auch Kanal- und Straßenbau gehören dazu.

 

In zwei Jahren wollen Sie als Stadtrat aufhören, was würden Sie da außer dem Schützenhaus noch gerne fertig sehen?

Keine Frage, die Bebauung des Götz-Areals und die Südumgehung. Wird wohl nicht ganz klappen. Ich hoffe aber, dass beide Projekte dann ziemlich weit gediehen sind. Mit Spannung sehe ich dem vom Landkreis geplanten Erweiterungsbau des Krankenhauses entgegen, auch wenn ich dann nicht mehr Stadtrat bin. Ich begrüße die Investition. Es ist gut, ein Krankenhaus am Ort zu haben. Aufmerksam werde ich auch verfolgen, wie der Landkreis die Parksituation im Norden unserer Stadt in den Griff bekommt. Immerhin sind dort sämtliche landkreiseigene Einrichtungen angesiedelt.

 

Weitere Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft?

Wichtig ist mir auch, dass die hausärztliche Versorgung in Münchberg gesichert werden kann und dass die Menschen Arbeit und Brot in einer friedvollen Zeit haben.

 

Zurück in die Vergangenheit: Wie sehr hat es Sie getroffen, dass im Jahr 2002 mit Thomas Fein ein CSU-Mann als Ihr direkter Nachfolger im bis dahin "roten" Münchberger Rathaus auf dem Chefsessel landete?

Ich sehe das Rathaus als eine Einrichtung, die für die Menschen da ist. Da gibt es kein rot oder schwarz. Aber natürlich habe ich es bedauert, dass der SPD-Kandidat nicht zum Zuge gekommen ist. Gefallen konnte mir das freilich nicht. Es wird eben nicht immer alles so, wie man es sich wünscht.

 

Nachdem Thomas Fein vor vier Jahren als Bürgermeister nicht mehr den Sprung ins Rathaus geschafft hat, legte er sein Mandat als Stadtrat nieder. War das jemals ein Thema für Sie?

War es nicht. Ich war gerne bereit, mich weiter einzubringen. In die Fraktion und in den Stadtrat. Mein Wissen und meine Erfahrung erlauben es mir, die Kollegen auch mal zu bremsen, wenn Gefahr besteht, dass sie über das Ziel hinausschießen.

 

Sie haben erzählt, dass Sie sich schon als Junge für das Geschehen im Rathaus interessiert haben. Was hat Ihr Interesse daran und später an der Politik geweckt?

Schuld war wohl, dass meine Familie im Oberen Graben gewohnt hat, unmittelbar hinter dem Rathaus. Oft habe ich beobachtet, wer da ein und aus geht. Zudem war das Hausmeisterehepaar, das damals im Rathaus wohnte, unser nächster Nachbar und immer interessant für mich. Zur Politik bin ich durch Ewald Zuber gekommen, der mich für die Kandidatur auf der SPD-Stadtratsliste begeisterte. Ich war gerne Stadtrat und Bürgermeister. Ich sehe mich als "Kommunaler", der seiner Heimatstadt und der Region verpflichtet ist. Die große Politik interessiert mich, ehrlich gesagt, wenig.

 

Sie bekleideten und bekleiden viele Ehrenämter. Unter anderem waren Sie 42 Jahre in der Feuerwehr aktiv. Was hat Sie für den Dienst am Nächsten begeistert?

Wie das Rathaus befand sich das damalige Spritzenhaus in unmittelbarer Nähe meines Elternhauses. Neugierig beobachtete ich das Treiben drumherum. Außerdem gehörte mein Patenonkel der Wehr an. Also war ich doppelt motiviert, mit 18 Jahren - dem damaligen Eintrittsalter - zur Feuerwehr zu gehen. Ich war damals der Jüngste. Die Älteren haben sich um mich gekümmert. Später war es für mich selbstverständlich, Ämter zu übernehmen.

 

Mit dem Feuerwehrdienst ist schon seit Längerem Schluss. Fällt es Ihnen schwer, in zwei Jahren Stadtrat und Kreistag aufzugeben?

Nein, ich war lange genug dabei. Es wird Zeit aufzuhören, die Jungen wollen auch mal ran.

 

Was ist eigentlich aus der Gartenliege geworden, dem Geschenk Ihrer Mitarbeiter beim Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt, und den Plänen, sich die Welt anzuschauen?

(Lacht) Die Gartenliege hat noch nicht viel von mir gesehen und ich noch nicht viel von der großen weiten Welt. Mir genügen Reisen innerhalb Europas. Mal sehen, wie es in zwei Jahren aussieht ...

 

Autor

Irene Gottesmann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
03. 01. 2019
19:08 Uhr

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Irene Gottesmann

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03. 01. 2019
19:08 Uhr



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