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Münchberg

Trassengegner wollen nicht lockerlassen

130 Menschen treffen sich in Stammbach, um ihre Argumente gegen das Mammutprojekt aufs Tapet zu bringen. Favorit bleibt die Alternative entlang der A 93.



Besonders den Landwirten ist der geplante Südost-Link ein Dorn im Auge. Foto: leisuretime70 - stock.adobe.com
Besonders den Landwirten ist der geplante Südost-Link ein Dorn im Auge. Foto: leisuretime70 - stock.adobe.com   » zu den Bildern

Stammbach - Etwa 130 Gegner der Stromtrasse Südost-Link haben sich im Geflügelzüchterheim in Stammbach getroffen. Eingeladen dazu hatte die Bürgerinitiative Oelschnitztal. Deren Vorsitzender Jürgen Becher erklärte, dass der hiesige Raum im Bundesbedarfsplangesetz als "Vorhaben 5 - Abschnitt C" betitelt ist und dass die Planungen "jetzt richtig Fahrt aufnehmen". Aber auch die Proteste würden mithalten. "Wir sind der Ansicht, dass die Trassen die für den Klimaschutz wichtige Energiewende blockieren und nur die Konzerne reicher machen." Entstehen würde eine "Wüste" von über 500 Kilometern Länge und 40 Metern Breite. "Auf der einen Seite wollen wir die Bienen retten, und dann machen wir so etwas."

Keinen Gefallen findet der Vorsitzende am in den Bundestag neu eingebrachten "Netzausbaubeschleunigungsgesetz (Nabeg)". Damit könnten zwar die Planungsschritte verkürzt werden, dafür würden aber die Umweltprüfungen entfallen und die Einspruchsmöglichkeiten stark reduziert. "So will man den Bau der Leitungen schnell durchwinken." Der Vorhabenträger Tennet nehme technische Neuerungen und eine Alternativroute entlang der A 93 nicht wahr. Mit ihrer Stimme könnten die Bürger die Trasse verhindern, wenn sie ihre Einwendungen zur Trassenführung bis zum 12. April schriftlich bei der Bundesnetzagentur vorbringen.

Wie man dagegen vorgeht, das erklärte Harald Käppel vom Bauernverband. "Bei uns wurde schon in vielen Kommunen gefeiert, weil man davon ausgeht, dass die Trasse nicht zu uns kommt", aber Käppel warnt, "die Entscheidung trifft die Bundesnetzagentur und da ist alles noch möglich, wir dürfen uns auf keinen Fall zurücklehnen." Die Tennet würde zwar auf ihrer Internetseite darauf hinweisen, dass noch ein Erörterungstermin stattfindet, zu diesem würde man jedoch nur eingeladen, wenn man Einsprüche geltend gemacht hat. Sehr ernüchternd findet es Käppel, dass in den über tausend Seiten starken Planungsunterlagen nur drei Seiten der Landwirtschaft gewidmet sind. "Es wird von mittleren Ertragsböden geschrieben. Da ist es dann ja nicht so schlimm, wenn man da Leitungen legt."

Für die Einwendungen könnten Online-Formulare mit höchstens 30 000 Zeichen verwendet werden, man könne aber seine Einwendungen auch in schriftlicher Form einreichen. "Spart nicht am Porto und lasst den Brief einschreiben", rät der BBV-Mitarbeiter. Im Schreiben an die Bundesnetzagentur sollte man seine Betroffenheit ausdrücken. Diese könnten von jeder Person kommen, nicht nur von Landwirten. So sei auch nicht geklärt, ob die Abstrahlung keine gesundheitlichen Risiken berge. Käppel nannte eine ganze Liste von Einwendungsgebieten, wie die Infragestellung über die Notwendigkeit der Leitung. Nicht verstehen können die Landwirte, dass auch dann Ausgleichsflächen bereitgestellt werden müssen, wenn man, wie in diesem Fall, etwas für die Natur tut. "Damit sind die Bauern gleich doppelt gestraft." Weiter könnte die Betroffenheit der landwirtschaftlichen Betriebe angeführt werden, wie Hofnähe, Hofanschlussflächen oder Betriebsaussiedlungsflächen. "Die Hofanschlussflächen sind für den Bauern besonders wertvoll." Auch die Beeinträchtigung des land- und forstwirtschaftlichen Wegenetzes sowie forstwirtschaftliche und jagdliche Belange sollten genannt werden. Durch die Leitungen würde der Jagdwert des betroffenen Reviers gesenkt. Eine große Rolle für die Landwirte spielen die durch die Aufgrabungen verursachten Bodendurchmischungen, Bodenverdichtungen und die Zerstörung der Kapillarwirkung. "Die Baubetreuung gehört in staatliche Hände", fordert Käppel. Ein Ingenieurbüro könne sich nicht gegen einen starken Bauträger wie Tennet durchsetzen, wenn diese mit Schadensersatzforderungen drohen.

Ein großes Problem seien die Ertragsverluste auf viele Jahrzehnte. Auf jeden Fall sollten die betroffenen Landwirte vor Beginn der Bauarbeiten für Wege und Bodenqualität Beweissicherungsmaßnahmen fordern. Bei der Aufstellung der Einwendungen bietet der BBV seine Hilfe an.

Eine Frau wollte von Käppel wissen, wie die Entschädigung beim Wald berechnet wird und wie Bäume unter Naturschutz behandelt werden. Käppel sagte dazu, dass beim Wald der Zuwachs hochgerechnet wird. Eine Gefahr sei, dass wegen des Aufreißens des Waldes bei einem Sturm aus einer 40 Meter breiten Schneise schnell eine hundert Meter breite werden könnte. Bäume unter Naturschutz habe man normal nicht so gerne auf seinem Gelände, "in diesem Fall sind sie aber etwas ganz Feines", meinte der Redner. Probebohrungen müsse man auf seinem Land zulassen, erklärte er auf eine Anfrage. Zur Strahlung sagte er auf eine entsprechende Anfrage, dass es immer heiße, die Grenzwerte werden eingehalten. "Wer berechtigte Angst hat, soll dies durch einen Einspruch kundtun!" Günter Martin machte seine Berufskollegen darauf aufmerksam, dass manche Bauern mit großen Flächen betroffen seien. Bei einem einen Kilometer langen und 40 Meter breiten Streifen seien dies vier Hektar. Bei einer einmaligen Entschädigungszahlung müsste man die Hälfte an das Finanzamt abtreten. Käppel erklärte, dass Bayern bei wiederkehrenden Zahlungen hinter den Bauern stehe, in anderen Bundesländern sei dies anders. "Hier werden wir im Bund noch dicke Bretter bohren müssen."

Einen Mitstreiter hat die Initiative in Landrat Dr. Oliver Bär. Die aktuelle Planung entlang der A93 sei alles andere als sicher, deshalb sollten alle Einwendungen vorgebracht werden. Bär fragte: "Woher kommt der Strom in der Zeit, in der die Atomkraftwerke schon abgerissen und die Leitungen noch nicht fertig sind? Wie ist da die Stromversorgung sichergestellt?" Bär könne auch nicht verstehen, dass man die Leitung auf fremdem Grundeigentum verlegen will, wo Deutschland entlang der Autobahnen genügend eigenen Grund hätte. Wenn dann noch 525 KV-Leitungen, wie es zurzeit getestet wird, statt 320 KV-Leitungen verlegt werden könnten, dann würde ein Graben von etwa einem Meter genügen, "und das ist allemal neben der Autobahn möglich".

Der Landkreis und seine Kommunen werden gemeinsam und mit rechtlicher Vertretung ihre Einwendungen vorlegen. Abschließend sagte Dr. Bär: "Eine starke Energieversorgung ist für die Unternehmen in unserer Region notwendig, aber sie muss richtig gemacht werden."

Ein Landwirt hat erfahren, dass die Autobahndirektionen nichts dagegen hätten, wenn die Leitungen neben den Autobahnen verlegt würden. Dies bestätigte der Landrat.

Autor

Helmut Engel
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Veröffentlicht am:
20. 03. 2019
18:10 Uhr

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Helmut Engel

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Veröffentlicht am:
20. 03. 2019
18:10 Uhr



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