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Münchberg

Trauer um Erich Riedl

Der in Münchberg aufgewachsene frühere CSU-Spitzenpolitiker verstarb am Samstag in München. Neben der Politik galt seine Leidenschaft dem Fußball.



Selbst auf der Zeugenbank vor Gerich ist Dr. Erich Riedl (im Hintergrund Strauß-Sohn Max) das Lachen nie vergangen. Foto: Stefan Puchner dpa/lby
Selbst auf der Zeugenbank vor Gerich ist Dr. Erich Riedl (im Hintergrund Strauß-Sohn Max) das Lachen nie vergangen. Foto: Stefan Puchner dpa/lby  

Münchberg/München - Der einzige Münchberger, der je im Bundestag saß, ist tot. Der frühere CSU-Politiker Dr. Erich Riedl verstarb nach Angaben seiner Familie in der Nacht zum Samstag im Alter von 85 Jahren an seinem Wohnort München.

Während seiner langjährigen politischen Karriere gehörte der Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse zu den schillerndsten Personen im Freistaat. Riedl war von 1969 bis 1998 knapp 30 Jahre lang Mitglied des Bundestags und fungierte unter anderem als Koordinator für Luft- und Raumfahrtindustrie. Gleichzeitig war er Ansprechpartner für die Geheimdienste. Von 1987 bis 1993 bekleidete er im Kabinett von Helmut Kohl das Amt des parlamentarischen Staatssekretärs im Bonner Wirtschaftsministerium.

Riedl kam am 23. Juni 1933 in Eger auf die Welt. Nach dem Krieg und der Vertreibung aus der Heimat wuchs er in Münchberg auf und machte hier 1952 sein Abitur. Anschließend arbeitete er im gehobenen Postdienst, studierte nebenbei Betriebswirtschaftslehre und promovierte 1962 an der Uni Erlangen. Der Titel seiner Abschlussarbeit: "Die Bankenaufsicht in der Verkehrswirtschaft, insbesondere in Deutschland."

Zwei Jahre später trat er der CSU bei. Einer seiner größten Förderer war zeitlebens der langjährige Parteichef und Ministerpräsident Franz Josef Strauß, der Riedl auch in schwierigen Zeiten unterstützte, wovon es einige gab. Höhepunkt waren 1996 die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg gegen ihn. Damals ging es um Steuerhinterziehung und Provisionen im Zusammenhang mit den Waffengeschäften von Karl-Heinz Schreiber. Der Bundestag hob Riedls Immunität auf. Als die Ermittlungen schließlich eingestellt wurden, bekam er sie zurück.

In der Politik galt Riedl als Macher, der die Nähe zum Wähler suchte. Legendär waren seine Hausbesuche in seinem Wahlkreis München-Süd, über die er in einem Interview mit dieser Zeitung einst schmunzelnd erzählte: "Mehr als 20 am Tag hab ich nie geschafft. Und wissen's warum ? Hier ein Schnapserl, da ein Schnapserl, gerade in meiner Anfangszeit war ich nach zehn Besuchen oft beschwipst".

Im Bundestag ging er keinem Streit aus dem Weg. Legendär seine Gefechte mit dem damaligen SPD-Chef Herbert Wehner, der Riedl während einer Sitzung einst "Absteiger und Schuldenmacher" nannte. Hintergrund war dessen Zeit als Präsident bei 1860 München (1974 bis 1981), als die Löwen infolge von Misswirtschaft bis in die Bayernliga abstiegen. Wie eigentlich bei jedem Thema hatte Riedl auch hier eine kleine Anekdote parat: "Ein paar Minuten später standen Wehner und ich auf der Toilette nebeneinander. Da sagte er: Herr Riedl, nicht, dass Sie glauben, ich hätte was gegen 1860. Ich ärger' mich nur, dass sie ständig verlieren."

Zur Heimat hat Erich Riedl immer eine enge Beziehung behalten. Seinen Wohnort Franzensbad besuchte er gemeinsam mit seiner Gattin Gertrud zu seinem 80.Geburtstag eine Woche lang und nach Münchberg kam er jedes Jahr mehrfach, um das Grab seiner Eltern zu besuchen. Bis zuletzt hing sein Herz am FC Eintracht Münchberg, dessen Ergebnis vom Wochenende er schon in der Vor-Internet-Zeit am Sonntag immer kurz nach Spielschluss im Videotext suchte.

Erst kürzlich hatte der Vorsitzende des FC Eintracht, Helmut Meier, Kontakt zu Riedl. "Er wollte uns in vier Wochen besuchen", sagt Meier. Und nicht nur das: Auch habe Riedl dem Verein stets finanziell geholfen. "Wenn wir ein Anliegen hatten und Geld für den Nachwuchs benötigt haben, hat er uns unterstützt." Aber nicht nur dem Nachwuchs blieb er mit Sympathie verbunden, sondern auch den langjährigen Mitgliedern des Vereins. "Wenn es Jubiläen zu feiern gab, war Erich mit dabei", sagt Meier.

Vor fast genau einem Jahr kam es auf Initiative dieser Zeitung zu einem Treffen mit dem Münchberger Alexander Zink. Den CSU-Jungpolitiker - der den Sprung in den Bundestag später nicht schaffte - empfing er in einem Seniorenheim in Gräfelfing im Rollstuhl; Spätfolgen einer Kinderlähmung.

Riedls Geist aber war ebenso noch wach wie das Interesse an der Politik. Besonders gefiel ihm, dass Zink seine Kandidatur mit seinem Beruf als Polizist verbindet. Das schaffe Glaubwürdigkeit - die wichtigste Währung eines Politikers. "Wenn der Dreiklang Beruf-Familie-Politik stimmt, dann hast du auch beim Bürger Erfolg."

Privat ging ihm die Familie über alles. "Er war zu Hause immer ein sehr herzlicher und hilfsbereiter Mensch", sagte sein Sohn Gerhard gestern der Münchner "tz". Erich Riedl starb nach langer Krankheit an multiplem Organversagen. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder.

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Alexander Wunner

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Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
00:00 Uhr

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Alexander Wunner

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12. 09. 2018
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