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Münchberg

"Wir nehmen die Ängste ernst"

Für viele Kollegen ist er kein Unbekannter: Jörg Urban hat vor Jahren schon einmal im Raum Münchberg gearbeitet, jetzt leitet der Nailaer die Polizeiinspektion.



Jörg Urban packt noch Kisten aus: Seit 1. Januar leitet der Nailaer die Polizeiinspektion Münchberg und will demnächst seine Antrittsbesuche bei den Bürgermeistern starten - allerdings im Anzug.
Jörg Urban packt noch Kisten aus: Seit 1. Januar leitet der Nailaer die Polizeiinspektion Münchberg und will demnächst seine Antrittsbesuche bei den Bürgermeistern starten - allerdings im Anzug.  

Herr Urban, mit welchem Gefühl starten Sie?

Zur Person

Jörg Urban ist 56 Jahre alt, stammt aus Naila, ist verheiratet und hat vier Söhne. Er hat bereits in verschiedenen Funktionen bei der Polizei gearbeitet. So war er unter anderem bei der Kripo Hof mit der Aufklärung von Wirtschaftsdelikten betraut. Zuletzt leitete er vier Jahre lang den Kriminaldauerdienst der Kripo Bayreuth. Der offizielle Amtswechsel findet am 22. Februar in Helmbrechts statt.

 Es war mein Wunsch, eine Inspektion zu leiten. Doch so etwas lässt sich schwer planen, die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Ich empfinde es als Glück, dass es geklappt hat.

 

Und dann noch so nah an Ihrem Heimatort Naila ...

Die Entfernung ist für mich zweitrangig, die Arbeit muss Spaß machen. Und das macht sie, ich bin seit 1981 bei der Polizei und das immer noch sehr gerne.

 

Was haben Sie sich vorgenommen?

Zunächst muss ich mich einarbeiten und die Abläufe kennenlernen. Sie sind doch in jeder Inspektion etwas anders.

 

Ihre erste Amtshandlung ...

... sind die Besuche bei den Bürgermeistern im Bereich der Inspektion. Ich möchte mich vorstellen und hoffe auf eine gute und enge Zusammenarbeit, wie sie mein Vorgänger Horst Hör gepflegt hat.

 

Wo brennt es aus polizeilicher Sicht im Raum Münchberg? Welche Delikte häufen sich und bereiten Ihnen als Polizeichef Sorgen?

Eine Herausforderung sind die Wohnungseinbrüche, wobei die Fallzahlen gering sind. Wir haben hier kein Einbruchsproblem, nehmen die Ängste der Bürger aber ernst und diesen Bereich intensiv in den Fokus. Das gleiche gilt für die verschiedenen Asylunterkünfte im Raum Münchberg. Es gibt hier keine Schwierigkeiten, aber wir behalten die Einrichtungen im Auge. Wir zeigen Präsenz - vorbeugend.

 

Wie sieht es mit Unfallschwerpunkten aus?

Wir haben hier zum Glück keine mehr. An der Nord-Auffahrt zur A 9 passiert zwar noch der ein oder andere Unfall, aber seit der Geschwindigkeitsbegrenzung weitaus seltener, sodass wir nicht mehr von einem Schwerpunkt sprechen können. In Helmbrechts hat die Ampelanlage die Kreuzung bei der Tankstelle entschärft. Mein Vorgänger hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Ich war sehr überrascht, wie gut das Haus bestellt ist, das ich übernehme.

 

Horst Hör hat stets betont, dass sich die Bürger im Raum Münchberg sicher fühlen können.

Das kann ich so unterschreiben. Wir haben hier auch keinen Hotspot wie in anderen Städten, wo es immer wieder Probleme gibt.

 

Der Unterschied zur Ihrer vorherigen Tätigkeit als Leiter des Kriminaldauerdienstes in Bayreuth ist also gewaltig?

Dort hatte ich mit schweren Delikten zu tun. Todesfälle gehören zur Routine.

 

Ein sehr stressiger Job?

Das kommt auf den Standpunkt an. Es war eine durchaus interessante Arbeit.

 

... die Sie nach vier Jahren auch gerne abgegeben haben?

Veränderungen und neue Herausforderungen reizen mich. Deshalb mache ich bevorzugt alle fünf, sechs Jahre etwas anderes. Wobei Münchberg wohl die letzte Station in meinem Berufsleben sein wird.

 

Was reizt Sie hier?

Mich erwartet in Münchberg ein völlig anderes Aufgabenfeld, ich muss die Dienststelle nach außen hin vertreten, auch das empfinde ich als spannend.

 

Sie waren sogar als Polizist in Bosnien und im Kosovo tätig. Wie kam es dazu?

Mich hat der Einsatz interessiert, und es hat mich auch nicht abgeschreckt, dort hinzugehen. Ich war 1997 in Bosnien, und 2001 sowie 2010 im Kosovo. Meine Aufgabe bestand darin, beim Aufbau der örtlichen Polizei zu helfen. Die Grundlage dafür war das Friedensabkommen von Dayton. Wir haben versucht, den Zustand vor dem Krieg wieder herzustellen. Es war eine sehr spannende Tätigkeit und die Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen etwas Neues für mich. Obwohl man damals, anders als heute, wirklich von Zuhause abgeschnitten war - ohne Handy und Internet. Der einzige Kontakt bestand aus einem Telefongespräch an den Sonntagen.

 

Welche Erfahrungen aus dieser Zeit können Ihnen jetzt als Polizeichef nützlich sein?

Diplomatie und Verhandlungsgeschick - das konnte ich dort gut trainieren. Schließlich mussten wir die kroatischen Kollegen sowie den Innenminister überzeugen, Serben und Kroaten einzusetzen.

 

War es dort gefährlich für Sie?

Die Lage in den Nachkriegswirren war alles andere als sicher, aber ich habe mich trotzdem nicht unsicher gefühlt. Es kommt immer darauf an, wie man mit den Leuten redet. Deeskalation heißt hier das Stichwort, darin werden wir auch geschult.

 

Zurück nach Münchberg: Fühlen Sie sich schon wohl in der Inspektion?

Man hat mich sehr herzlich empfangen, da ich aus der Region stamme, bin ich für viele kein Unbekannter. Im Jahr 2000 habe ich außerdem die Kradgruppe Münchberg geleitet, allerdings war ich da hauptsächlich auf den Autobahnen unterwegs.

 

Ihr Vorgänger hat Ihnen im Interview mit unserer Zeitung geraten, Netzwerke zu pflegen. Werden Sie das befolgen?

Auf jeden Fall. Ein gutes Verhältnis zu den verschiedenen Institutionen ist mir sehr wichtig. Das steht ganz oben auf meiner Agenda.

 

Sie tragen keine Uniform. Absicht?

Nein. Ich bekomme sie im Februar, da ich die letzten Jahre bei der Kripo und in der Fahndungsgruppe keine tragen musste, wird sie neu angefertigt.

Autor

Claudia Sebert
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 01. 2019
17:44 Uhr

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Claudia Sebert

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10. 01. 2019
17:44 Uhr



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