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Münchberg

"Wir sind hier voll integriert"

Die beiden Frauen im Münchberger Bauhof packen genauso an wie ihre männlichen Kollegen. Am Steuer des Unimogs fallen sie dennoch auf.



Im Münchberger Bauhof arbeiten sie allein unter Männern: Katharina Böhm (links) steuert den zwölf Tonnen schweren Lastwagen, Sabine Krögel kontrolliert die Bäume im Stadtgebiet und sägt tote Äste ab. Foto: cs
Im Münchberger Bauhof arbeiten sie allein unter Männern: Katharina Böhm (links) steuert den zwölf Tonnen schweren Lastwagen, Sabine Krögel kontrolliert die Bäume im Stadtgebiet und sägt tote Äste ab. Foto: cs  

Münchberg - Manch einer muss zweimal hinschauen. Sitzt da wirklich eine Frau am Lenkrad? Katharina Böhm ist jung und zierlich, das Fahrzeug, das sie steuert, entspricht genau dem Gegenteil. Voll beladen bringt es 18 Tonnen auf die Waage. Wenn im Lastwagen eine Fahrerin sitzt, zieht das die Blicke an - "gerade bei Männern über 60". "Frauen in orangen Hosen sind schon noch ungewöhnlich", weiß Sabine Krögel. Sie und ihre Kollegin sind die einzigen weiblichen Mitarbeiter im Münchberger Bauhof mit seinen knapp 30 Beschäftigten.

Eine Extrabehandlung gibt es für sie nicht. Die wollen sie auch nicht. Im Winter heißt es deshalb genauso: Um 2 Uhr in der Nacht aufstehen - Schnee räumen. Dann steuern sie den schweren Unimog durch die verschneiten Straßen. Katharina Böhm macht das nichts aus, im Gegenteil, sie fährt richtig gern mit den großen Brummis. Die 29-Jährige hat Gärtnerin gelernt, sich im Bauhof beworben und dann den Lastwagen- und Kran-Führerschein gemacht.

Auf eigenen Wunsch hin wird sie nun regelmäßig als Fahrerin des 12-Tonners eingesetzt. Arbeiten, die viel Kraft erfordern, erledigt der Kran-Arm für sie. Mit ihm lädt sie zum Beispiel Äste auf, die ihre Kollegin Sabine Krögel abgesägt hat. Die 40-Jährige war 2014 die allererste Frau im Bauhof. Zuvor hat die gelernte Zierpflanzengärtnerin zehn Jahre in Niederbayern gearbeitet. Als sie wieder zurück in ihre Heimat wollte, sie stammt aus Windischengrün, hat sie die Stellenanzeige des Bauhofs entdeckt. Dass sie hier allein unter Männern sein wird, schreckte sie nicht ab.

Körperliche Arbeit ist weder ihr noch Katharina Böhm fremd. Sie kennen sie von klein an aus der Landwirtschaft. "Wir sind Bauernmadla. Wir können anpacken." Das machen sie auch. Auf die Frage, ob es Arbeiten gibt, die sie als Frauen nicht schaffen, fällt ihnen nichts ein. Braucht es viel Muskelkraft, kommen Maschinen zum Einsatz. Außerdem haben sie hilfsbereite Kollegen. "Jeder ist sofort zur Stelle. Die sind hier echt super!", schwärmen beide.

Als erste Frau im Bauhof hat sich Sabine Krögel von Anfang an willkommen gefühlt. Noch nie habe man sie von oben herab behandelt, ihr einen blöden Spruch hingeknallt oder sie ausgegrenzt. "Wir sind hier voll integriert", lacht die Wahl-Helmbrechtserin: "Wir sind Kollegen auf Augenhöhe."

Die weibliche Präsenz wirkt sich ihrer Meinung nach auch positiv auf das Betriebsklima aus. Im Brotzeitraum sieht sie jetzt häufiger freundliche Gesichter als am Anfang. Dass Männer dennoch weniger reden und ihre Pausen auch mal schweigend verbringen, stört sie nicht. Und mittlerweile kann sie sich ja mit ihrer einzigen Kollegin austauschen. Während Katharina Böhm den Lastwagen lenkt, ist Sabine Krögel für die Kontrolle der Spielplätze und der Bäume auf städtischem Grund zuständig. Oft sieht man sie in den Grünflächen Münchbergs umherstreifen - den Blick stets nach oben. Sie überprüft, ob sich in den Kronen Totholz befindet oder der Baum von Pilzen befallen ist. Als zertifizierte Kontrolleurin verhindert sie so, dass Äste herabstürzen. Gerade nach heftigen Stürmen hat sie viel zu tun. Dann arbeiten die Frauen auch zusammen. "Sie räumt weg, was ich hinschmeiße." Katharina Böhm rückt mit dem Lastwagen aus, lädt Äste auf, aber auch schon mal Christbäume oder Schilder und hilft beim Aufbau der Holz-Buden für die Münchberger Märkte.

Den sicheren Umgang mit großen Fahrzeugen hat sie von ihrem Vorgänger Gerhard Schatz gelernt. Was sie am Lenken der Maschinen fasziniert, kann sie schwer in Worte fassen: "Einfach schön!" Angst beim Rangieren, zum Beispiel in engen Straßen, kennt sie nicht - auch nicht im Winter mit dem Unimog, wenn die Wege glatt und schmal sind. "Respekt hat man aber schon vor dem Fahrzeug, den sollte man sich auch bewahren", findet sie. Und Respekt vor den beiden Frauen in Orange haben auch etliche Münchberger. Dumme Sprüche kommen von Passanten nicht - im Gegenteil. "Die meisten staunen und finden es cool."

Autor

Claudia Sebert
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Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
18:48 Uhr

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Claudia Sebert

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Veröffentlicht am:
22. 05. 2019
18:48 Uhr



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