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Naila

Bär will den Bürgerdialog

Bei den geplanten Brücken über das Höllental setzt der Landrat auf Kommunikation. Sein Gegner werfen ihm vor, damit bisher zu spärlich umgegangen zu sein.



Die "Titan RT" an der Rappbode-Talsperre im Harz ist 483 Meter lang und die derzeit längste Fußgänger-Seilhängebrücke der Welt. Der Eintritt auf die Brücke erfolgt über Drehkreuze und kostet sechs Euro, Kinder können für vier Euro auf die Brücke. Fotos: privat
Die "Titan RT" an der Rappbode-Talsperre im Harz ist 483 Meter lang und die derzeit längste Fußgänger-Seilhängebrücke der Welt. Der Eintritt auf die Brücke erfolgt über Drehkreuze und kostet sechs Euro, Kinder können für vier Euro auf die Brücke. Fotos: privat  

Lichtenberg/Issigau - Die Gegner formieren sich. Er hat damit gerechnet. Dr. Oliver Bärs Idee, das Höllental mit einer Brückenkonstruktion zu überspannen, wird in diesem Sommer eifrig diskutiert. Der Bund Naturschutz äußerte bereits seine Bedenken (wir berichteten). In Issigau hat sich eine "Initiative gegen die Hängebrücke über das Höllental" gegründet. Hinterrücks wird kleine und große Politik gemacht. Am 13. September kommen die Gegner und der Landrat zusammen. "Ich wünsche mir, dass wir am Ende gemeinsam die beste Lösung für das Projekt finden", sagt Bär.

Worüber kann eigentlich schon konkret gesprochen werden? Bär will eine Brücke bauen, sehr gerne auch dort, wo er aus seiner Sicht die Region am besten weiterentwickeln kann. Lichtenberg und die umliegenden Städte und Gemeinden würden aus seiner Sicht von den vielen Besuchern profitieren. Die Gegner halten dagegen: "Kommen da wirklich Gäste, die durch Übernachtungen und Besucher die heimische Gastronomie voranbringen?", fragen sie in einem fünf Seiten langen internen Brief, der vielen Köpfen der Landkreis-Politik bereits im Juni zugestellt worden war.

Aus Bärs Sicht geht die Diskus-
sion am Thema vorbei, die Gegner würden sein Brücken-Projekt zu
stark mit anderen in Deutschland vergleichen: "Wir wollen nicht einfach nur eine Brücke bauen, schon gar nicht nur die längste, die haben wir in ein paar Jahren wahrscheinlich nicht mehr. Ich will mit die-
sem Projekt das Höllental erlebbar machen und Angebote anbinden, die den Landkreis touristisch voranbringen."

Konkret sehen Bärs Gegner drei Probleme: den Umweltschutz, die Störung der Anwohner und mangelnde Infrastruktur. Verantwortlicher des Schriftstückes ist Stefan Pfeiffer. Der Chef der Firma Serag Wiessner in Naila hat sich vor Jahren in den Issigauer Ortsteil Eichenstein ein Haus gebaut. Wer dort lebt, liebt die Ruhe. Nie hätte Pfeiffer geglaubt, irgendwann eine Brücke zum Nachbarn zu bekommen.

Pfeiffers Schriftstück wurde von etwa 60 Anhängern unterschrieben, alle mehr oder weniger direkt Betroffene. Er war neulich an einer der großen Hängebrücken in Deutschland und habe gesehen, wie groß die Eingriffe in die Natur seien. Oliver Bär sagt: "Wir werden den Umweltschutz berücksichtigen." Das muss er auch. Schließlich regelt eine Verordnung aus dem Jahr 1997, wie das Naturschutzgebiet Höllental zu schützen ist. Daran kommt Bär nicht vorbei. Genauso wie die Regierung von Oberfranken, die das Gutachten abgesegnet hat. "Ich will, dass alle, die Ideen zu diesem Projekt haben, am 13. September kommen und gemeinsam mit uns dort und im Anschluss das Konzept weiterentwickeln", sagt der Landrat. Er wolle im Anschluss Arbeitsgruppen bilden, um den verschiedenen Interessen gerecht zu werden.

Den Vorwurf, die Bürger bisher nicht einbezogen zu haben, will er entkräften: "Wir mussten zunächst drei Punkte klären, bevor wir überhaupt über das Projekt sprechen konnten: Ist es aus Ingenieurssicht machbar? Ist es finanzierbar? Stimmt der Kreistag zu?" Diese Punkte sind erfolgreich abgearbeitet. Der Freistaat würde bis zu 80 Prozent der zehn Millionen Euro Gesamtkosten übernehmen.

Wenig Chancen werden die Gegner wohl bei der generellen Frage nach dem Standort haben. Die Endpunkte der Brücke in Lichtenberg und Eichenstein seien optimal, um seine Vorstellungen von touristischer Vielfalt und Weiterentwicklung zu erfüllen, sagt Bär. Für ihn stehe ganz klar das ganzheitliche Konzept im Vordergrund - und der Schutz der Bürger. Selbstfahrende Elektrobusse sollen als Shuttleservice dienen, den Ort entlasten. Mit ihnen sollen die Besucher vom ausgebauten Parkplatz an der Freizeitanlage aus in Richtung Brückeneinstieg fahren. In Lichtenberg und Umgebung sei schon sehr viel Infrastruktur vorhanden, die woanders erst entstehen müsste. Die Besucher will Bär leiten, auch in ihrem Verhalten. Die Lenkungsgruppe im Landratsamt hat Themenlisten ausgearbeitet, auf denen Punkte wie "Wildpinkler vermeiden" oder "Lautstärkereduzierung" stehen. Wichtig sei auch, dass sich mit dem Architekturbüro Hüttner ein ortsansässiger Kenner um die Planung der Infrastruktur kümmert.

Mit Bärs Plänen einher geht schon jetzt eine Entwicklung. In Lichtenberg steigen seit Monaten die Immobilienpreise. Alte Häuser werden nach und nach verkauft, erzählen Branchenkenner. Die Investoren strecken seit Ende des vergangenen Jahres schon ihre Fühler aus.

Die Region, "vor allem der Frankenwald", tue gut daran, Ideen positiv gegenüberzutreten. "Alles, was auf uns aufmerksam macht, ist gut." Der Mann, der das sagt, ist ganz nah dran an den Gegnern. Dieter Gemeinhardt ist Bürgermeister der Gemeinde Issigau. Er stehe voll hinter Bärs Plänen, wolle aber vor dem 13. September nicht zu viel über die Medien austragen. Die Gegner sieht er nicht als solche: "Wir sollten sie mitkreieren lassen." Er hofft, sie wollen das auch.

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Sören Göpel

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Veröffentlicht am:
28. 07. 2017
20:00 Uhr

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