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Naila

Blick in Historie lockt Zuhörer

Die Geschichte der Marlesreuther Rittergüter beleuchtet Joachim Sörgel. Dazu eingeladen hat der Historische Verein Naila.



Der Hobby-Heimatforscher Joachim Sörgel hatte zum Vortrag beim Historischen Verein eine alte Zeichnung des Lageplanes der früheren beiden Marlesreuther Schlossgüter mitgebracht. Foto: Singer
Der Hobby-Heimatforscher Joachim Sörgel hatte zum Vortrag beim Historischen Verein eine alte Zeichnung des Lageplanes der früheren beiden Marlesreuther Schlossgüter mitgebracht. Foto: Singer  

Naila - Geschichtlich interessierte Menschen finden auch in ihrer engeren Heimat immer wieder höchst interessante Begebenheiten, die bisher unerkannt in Archiven schlummerten. Eines dieser ortsgeschichtlichen Themen, die erst bei der 650-Jahrfeier von Marlesreuth vor einigen Jahren recherchiert und bekannt wurde, sind die "Marlesreuther Rittergüter und deren Nailaer Lehensleute", die jetzt beim Historischen Verein bei einer Versammlung im Kulturraum des Bahnhofes ein Thema waren. Den sehr guten Besuch wertete Vorsitzender und Kreisheimatpfleger Dieter Blechschmidt als Zeichen dafür, dass die regionalen, geschichtlichen Besonderheiten einen großen Kreis interessierter Bürger ansprechen. Referent des Abends war der örtliche Heimatforscher Joachim Sörgel, der im Bamberger Staatsarchiv recherchiert hatte. "180 Seiten an alten Dokumenten habe ich gelesen, ausdrucken lassen und mittlerweile in meinem Aktenschrank verwahrt", ließ Sörgel wissen. "Mein heutiger Vortrag ist aber nur ein Schnelldurchlauf der sehr wechselhaften Geschichte der Marlesreuther Rittergüter."

Demnach datiert die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes "Marcksreut" mit den Gütern aus dem Jahr 1362, als Niklas von der Grün, der sich später nach seinem Sitz, Wildenstein, einer Veste an der Steinach, nannte. Nachweisbar sind die "Wildensteiner", die später in das Adelsregister erhoben wurden, ab 1394 und sollten dann in der Region noch eine bedeutende Rolle spielen. In diesem Zusammenhang merkte Sörgel an, dass Marlesreuth ein Grenzdorf zwischen dem Markgrafentum Bayreuth-Brandenburg und dem Fürstbistum Bamberg war, woraus sich ständige Streitereien der beiden Parteien ergaben. "Ganz schlimm wurde es, als auch die Markgrafen 1492 das Halsgericht über Marlesreuth beanspruchten", betonte der Heimatforscher. "Hauptleidtragende waren die Dorfbewohner, vor allem auch den Rittergütern taten die Streitereien gar nicht gut." In den alten Schriften wird dabei von den oberen und unteren Schlossgütern gesprochen. Die große Zeit der Grundherren ging nach politischen Veränderungen zu Ende. Die hochverschuldeten Güter wurden 1734 unter Zwangsverwaltung gestellt, das obere Schloss und Gut mit einer Fischanlage befand sich in einem ruinösen Zustand. Geschätzter Wert: 1448 fränkischen Gulden. Zur gleichen Zeit hatten die von Wildensteiner Adligen auch den Geometer Johann Bachmann beauftragt, den Umfang der Ländereien der Marlesreuther Rittergüter zu ermitteln und zu vermessen. Die Grundstücke sollten zu Lehen (Verpachtung) an Interessierte gehen, um die leeren Kassen der "Wildensteiner" wieder etwas zu füllen. Die Nachfrage nach den Wildensteinschen Lehen war enorm, vor allem im benachbarten Naila zeigten die Bürger großes Interesse und ließen sich in der Zeit zwischen dem 9. bis zum 21. Mai 1791 für die Lehen der beiden Marlesreuther in Listen eintragen. Insgesamt waren es letztlich 119 Nailaer Lehensleute, die sich künftig landwirtschaftlich mit Feldern, Wiesen ganz verschiedener Größen ein "Zubrot" verdienen wollten oder auch die Ernährung der eigenen Familie zu sichern. Joachim Sörgel konnte den Zuhörern die langen Listen der Nailaer Lehensleute präsentieren, in denen Namen, Beruf sowie Lage und Größe der Lehensgrundstücke ebenso verzeichnet waren wie auch der jährliche "Erbzins", zunächst in Form von Naturmaterialien, die später aber in barer Münze zu entrichten waren. Die Flurbezeichnung der einzelnen Lehensgrundstücke, wie Sägleithe oder Marlesreuther Weg sind noch heute geläufig.

Autor

Reinhold Singer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 05. 2019
19:20 Uhr

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15. 05. 2019
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