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Naila

Brückenprojekt: Vorstoß zur Bürgerbefragung scheitert

Landrats-Stellvertreter Stumpf ist vom Brückenprojekt nicht mehr überzeugt. Die größte Kreistagsfraktion dagegen umso mehr: Ihre Geschlossenheit gibt den Ausschlag.



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So soll die "Frankenwaldbrücke" aussehen

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Der stellvertretende Landrat Frank Stumpf ist vom Projekt Frankenwaldbrücken abgerückt. Wie hat darauf der Kreistag reagiert?

Wie kurz berichtet, hatte Stumpf (FW) von einer Kostenentwicklung gesprochen, "die wir nicht mehr im Griff haben". Der Landkreis habe einen millionenschweren Eigenanteil als freiwillige Leistung zu schultern. Sein überraschender Vorschlag: "Man sollte alle Landkreisbürger befragen." Das würde dem Projekt zugutekommen, meinte der Nailaer Bürgermeister. Allerdings wäre damit eine erhebliche Verzögerung des Projekts verbunden gewesen - der Kreistag hätte den Beschluss von der Tagesordnung absetzen müssen. Dies lehnte das Gremium jedoch mit großer Mehrheit ab. Stumpf musste sich deutliche Kritik von Alexander König (CSU) gefallen lassen: "Da fragt man sich, wie lange manche schon in der Kommunalpolitik sind."

 

Wie präsentierte sich Landrat Dr. Oliver Bär in der Sitzung?

Der Landrat wirkte in der Kreistagssitzung sehr angespannt, aber voll konzentriert. Schließlich handelt es sich um das bedeutendste Projekt seiner ersten Amtszeit. Während die Pläne hinter seinem Rücken an der Wand präsentiert wurden, faltete er gelegentlich die Hände, schloss auch einmal die Augen oder blickte ins Leere - um sich aber im nächsten Moment wieder in die Diskussion einzuschalten. Dabei legte er Wert darauf, dass die Verantwortlichen jeden Schritt mit der Regierung von Oberfranken abgestimmt hätten. Auf Szenarien von Kostensteigerungen ging Bär in der Sitzung nicht ein, betonte aber im Nachhinein: Selbstverständlich werde der Landkreis auch bei diesem Projekt sparsam mit seinen Mitteln umgehen. Immerhin habe man in den vergangenen Jahren den Schuldenstand um 20 Millionen Euro reduziert.

 

Wie stehen die beiden großen Fraktionen im Kreistag zu dem Projekt?

Geschlossen steht die Fraktion der CSU/FDP hinter dem Vorhaben - damit war der Grundstein für eine klare Mehrheit bei der Abstimmung gelegt. Fraktionschef Karl Philipp Ehrler erklärte: "Wir investieren in die Zukunft des Landkreises und seiner Bürger." Der Tourismus werde dadurch gestärkt, die Region erhalte im weiteren Umfeld Strahlkraft. Uneins war sich hingegen die SPD/ALB-Fraktion, wie deren Sprecher Ulrich Scharfenberg sagte. Auf der einen Seite stehe der enorme Werbeeffekt, auf der anderen Seite - auch für ihn persönlich - der Eingriff in die Natur. "Die Höllentalbrücke geht über das Naturschutzgebiet."

 

Welche Folgekosten entstehen im Laufe der Jahre?

Die Kostenfrage kochte - wie berichtet - in der Debatte hoch. Einzelne Kreisräte brachten Summen von 30 bis sogar 40 Millionen Euro als Gesamtausgaben ins Spiel. Davon ist aber die aktuelle Kostenschätzung weit entfernt. Sie liegt zwischen 21 und 22,3 Millionen Euro - je nach Ausstattung des Besucherzentrums. Stefan Krippendorf aus der Kreisentwicklung erläuterte auf Fragen aus dem Gremium die Folgekosten: Man gehe von einem Prozent der Investitionssumme für die Brücken aus. Also in etwa 180 000 Euro pro Jahr.

 

Welche Rolle spielte der Beitrag der "Zeit"-Redakteurin Christine Lemke-Matwey in der Frankenpost vom Samstag?

"Das Höllental darf nicht verschandelt werden!" So lautete der Appell der stellvertretenden Feuilleton-Leiterin der "Zeit", die mit Naila seit ihrer Kindheit sehr verbunden ist. Dieser Beitrag - eine Sicht von außen - habe ihn darin bestärkt, das Projekt abzulehnen, sagte Hannsjürgen Lommer (FW). Eher psychoanalytisch setzte sich Dr. Lothar Franz (CSU) mit dem Beitrag auseinander. "Sie folgt offensichtlich den Erzählgruppen des Herrn Degelmann", sagte er in Anspielung auf den BN-Geschäftsführer, der das Projekt in dieser Form ablehnt.

 

Wie argumentieren die Brückengegner aus der "Initiative Höllental"?

Das Interesse an der Kreistagssitzung war riesig, die Stühle reichten kaum aus. 50 Zuhörer dürften es gewesen sein. Allein: Mitreden durften sie nicht. Vor der Sitzung hatten sich zwei Dutzend Mitglieder der Initiative versammelt, die sich gegen das Projekt wendet. Und da redeten sie und gaben Interviews. Allen voran Stefan Pfeiffer, der als Kopf der Gegenbewegung gilt. Er erhoffte sich Infos über das Projekt; diese habe es zuletzt vor einem Jahr in einer öffentlichen Veranstaltung gegeben. Der Trend gehe hin zu weniger Eingriffen in die Natur, argumentierte Pfeiffer. Im Höllental sei aber genau das nicht geplant. Wie Pfeiffer verwies auch Swanti Bräsecke-Bartsch vom Landesbund für Vogelschutz auf die "politische Großwetterlage". Die Grünen seien im Vormarsch, die Demos für Klimaschutz fänden Zuspruch, und das Volksbegehren zum Artenschutz sei erfolgreich gewesen. "Wir lehnen das Projekt ersatzlos ab", betonte sie. "Es widerspricht dem Naturschutz-Gedanken."

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Jan Fischer

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Veröffentlicht am:
04. 06. 2019
18:50 Uhr

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