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Der Wolf kehrt zurück

Das Wildtier findet im Frankenwald gute Lebensbedingungen. In einem Vortrag räumt Experte Markus Martini mit Vorurteilen auf.



Der Wolf kehrt zurück
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Naila/Köditz - Das Thema Wolf wird derzeit kontrovers diskutiert. Nach der Rückkehr von Wildkatze, Luchs und Schwarzstorch findet auch der Wolf im Frankenwald beste Lebensbedingungen. Einer Tatsache, die sich auch die Waldbesitzervereinigung Hof/Naila stellt und anlässlich ihrer Jahreshauptversammlung deshalb den Wolfbeauftragten Markus Martini zu Gast hatte. Er ist für das Thema Wolf in der Oberpfalz und in Oberfranken zuständig. "Ängste abbauen und zu konstruktiven Lösungen beitragen", sieht Markus Martini vom Landesamt für Umwelt (LfU), deshalb als eine seiner wesentlichen Aufgaben, denn: Auch wenn ein Großteil der Bevölkerung laut Umfragen der Rückkehr des Wolfes positiv gegenübersteht, befürchten vor allem Tierhalter die Übergriffe auf ihre Herden. Bedenken hegten auch die Jäger, die den Wolf als Konkurrenz betrachten.

In seinem informativen Vortrag räumte der Experte mit vielen Vorurteilen auf: "Wolfsbegegnungen sind für den Menschen nicht gefährlich, europaweit gab es seit 1950 eine nur sehr geringe Anzahl dokumentierter Wolfsübergriffe bedingt durch Tollwut oder vorherige Fütterung auf den Menschen", betonte Martini. Die Wölfe seien sehr anpassungsfähig - vor ihrer Ausrottung besiedelten sie fast die gesamte Nordhalbkugel. Nach Ansicht von Markus Martini können Wölfe problemlos in Kulturlandschaften in der Nähe des Menschen leben. Sie brauchten lediglich genügend Beutetiere und Rückzugsräume für die Jungenaufzucht. In den bayerischen Mittelgebirgen, auch im Frankenwald und Fichtelgebirge fänden sie deshalb sehr gute Lebensbedingungen.

"In wildreichen Gebieten ernähren sich Wölfe fast ausschließlich von wildlebenden Huftieren wie Rehen, Rothirschen oder Wildschweinen", betonte Martini. Laut umfangreichen Kot-Analysen aus ganz Deutschland bestehe die Hauptnahrung der Wölfe vor allem aus Wildtieren: 53 Prozent Rehe, 18 Prozent Wildschweine, 24 Prozent Rothirsche, Damwild und Mufflon. Nutztiere, vor allem Schafe, machten nur ein Prozent der Wolfsnahrung aus. Generell sei der Wolf auf keine Tierart spezialisiert. Wie jede Wildtierart suche er seine Beute dort, wo sie am einfachsten zu finden ist. Im Zweifelsfall eben auch in unzureichend geschützten Nutztierherden. Martini: "Ein guter Herdenschutz ist deshalb in Wolfsgebieten sinnvoll und notwendig. Wo es hingegen traditionelle Schutzsysteme wie Hirtenhunde oder Zäune gibt, bleiben die Schäden gering." Wer Wölfe gesichtet oder Probleme mit Wölfen hat, kann sich jederzeit an die LfU wenden. Per Mail: fachstelle-gb@lfu.bayern.de oder per Telefon: 09281/1800-4640.

Der Wolf ist in Deutschland und ganz Europa streng geschützt. Abschüsse sind nur in Ausnahmefällen mit behördlicher Genehmigung möglich. Nach dem Luchs ist nun ein weiterer natürlicher Feind für Reh- und Wildschwein nach Bayern in seinem angestammten Lebensraum zurückgekehrt. Aufgrund der hohen Rehwilddichte gibt es momentan vor allem bei den selteneren Mischbaumarten ein großes Verbissproblem. "Genau diese Baumarten brauchen wir aber für den Aufbau eines zukunftsfähigen, klimatoleranten Mischwaldes", machte dazu Forstdirektor Thomas Krämer vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Münchberg deutlich. Eine deutliche Absenkung der Rehwildpopulation sei nur durch das aktive Handeln der Jäger möglich. Krämer forderte die Waldbesitzer dazu auf, bei der kommenden Abschussplanerstellung auf die Erhöhung der Abschusszahlen hinzuwirken. Nur, wenn die Abschusszahlen beim Rehwild auf zehn Stück pro 100 Hektar und Jahr angehoben werden, werde es in Zukunft möglich sein, das große Potenzial der vorhandenen Eichennaturverjüngung zu schützen. "Unser Ziel sollte es sein", so Krämer, "dass Naturverjüngung ohne Einschränkung und Verbissschutz aufwachsen kann."

Geschäftsführer Frank Dietel berichtete von einem schwierigen Jahr für die Waldbesitzer. Stürme und eine massive Vermehrung des Borkenkäfers aufgrund der lang anhaltenden Hitze und Trockenheit hatten im 2018 europaweit zu großen Problemen und sinkenden Holzpreisen geführt. "Unsere Region ist glücklicherweise mit einem blauen Auge davongekommen", sagte Dietel, "trotzdem bekommen wir die Auswirkungen massiv zu spüren. "Insgesamt haben 2018 in Mitteleuropa etwa 100 Millionen Festmeter Schadholz den Holzmarkt belastet. In den Hauptschadensgebieten ist Käfer- oder Windwurfholz zum Teil noch nicht aufgearbeitet oder verkauft. Inwieweit sich diese Situation 2019 fortsetzen oder verschärfen wird, ist laut Dietel bisher schwer abschätzbar. Der Geschäftsführer appellierte an die Waldbesitzer, jetzt, im ausgehenden Winter, noch möglichst viel Käferholz aufzuarbeiten und aus dem Wald zu bringen, um die Ausgangspopulation des Borkenkäfers möglichst gering zu halten. Durch den Kupferstecherbefall ist es in diesem Jahr besonders wichtig, auch das Brennholz rechtzeitig vor Schwärmbeginn der Käfer aus dem Wald zu schaffen.

Vorsitzender Bernd Röder berichtete von den großen Herausforderungen, vor denen die Waldbesitzer jetzt stehen. Der längst notwendige Waldumbau muss wohl viel schneller umgesetzt werden als bisher angenommen.

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Veröffentlicht am:
28. 02. 2019
19:48 Uhr

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28. 02. 2019
19:48 Uhr



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