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Naila

Ehepaar aus Indien schaut sich im Kinderdorf um

Die Gäste von Vikar Dominik Rittweg wollen erfahren, wie Kinderheime in Deutschland arbeiten. Im indischen Nagaland soll ein Heim für 40 Kinder entstehen.



Im Gedankenaustausch im Kinderdorf Martinsberg vertieft (von links): Fachdienstleiterin Nina Ernst, Aosenla Imchen, Tinumeren Ozukum, Vikar Dominik Rittweg und der Gesamtleiter des Kinderdorfes, Dieter Oelschlegel. Foto: Hüttner
Im Gedankenaustausch im Kinderdorf Martinsberg vertieft (von links): Fachdienstleiterin Nina Ernst, Aosenla Imchen, Tinumeren Ozukum, Vikar Dominik Rittweg und der Gesamtleiter des Kinderdorfes, Dieter Oelschlegel. Foto: Hüttner  

Naila - Tausende von Kilometern entfernt liegt der Distrikt Dimapur im christlichen Bundesstaat Nagaland in Nordosten Indiens. Das ist die Heimat von Tinumeren Ozukum und seiner Frau Aosenla Imchen, die mit ihrem dreijährigen Sohn Arlen für fünf Wochen in Deutschland weilen. Sie sind zu Gast bei dem Konradsreuther Ehepaar Miriam und Dominik Rittweg, um in Gesprächen und Besuchen von Einrichtungen zu erfahren, wie Kinderheime in Deutschland arbeiten. Vor diesem Hintergrund besuchte das Paar das Kinderdorf Martinsberg.

Die Freundschaft besteht seit der Studienzeit in Erlangen, als der junge Inder seine Doktorarbeit schrieb und Dominik Rittweg sein Theologiestudium absolvierte. Wie das Leben manchmal so spielt, kam letztendlich alles anders als geplant. Denn eigentlich wollte Timumeren Ozukum seine akademische Karriere weiterverfolgen, um eine Professur anzustreben und somit ein finanziell gesichertes Leben für seine Familie in seiner Heimat. Doch der Anruf des Schwiegervaters mit der Bitte um Aufnahme von Waisenkindern änderte alles. Dabei ist anzumerken, dass die Entscheidung dafür nicht schwer fiel. Das Ehepaar ist tief gläubig. Momentan leben neun Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren wie "eigene" Kinder, ganz wie der dreijährige Sohnemann Arlen, bei dem Ehepaar.

Dabei ist das Leben eines normalen Familienalltages dem gläubigen Paar sehr wichtig, trotz aller Schwierigkeiten, die durch die Schicksale der Kinder nicht außen vor bleiben. Sie wissen um den großen Bedarf, geschundenen Kinderseelen, meist Waisenkindern, ein neues, gutes Zuhause zu geben. Deshalb soll ein Kinderheim entstehen. Ein großzügiger Investor kaufte in Indien das notwendige Grundstück und finanziert den Bau des für 40 Kinder geplanten Heimes, das später vier Gruppen von bis zu zehn Kindern mit je einem "Elternpaar" ein neues Zuhause geben soll. Das Paar nutzte den Deutschlandbesuch, um sich über die Arbeitsweise, Strukturen und Ziele des heilpädagogisch-psychotherapeutischen Kinderdorfes Martinsberg zu informieren. Das Kinderdorf ist eine differenzierte Jugendhilfeeinrichtung, in der Kinder, Jugendliche und junge Volljährige vollstationäre Hilfe zur Erziehung angeboten wird. Gesamtleiter Dieter Oelschlegel betonte, dass die Struktur des Kinderdorfes auf das geplante Kinderheim in Nagaland wohl nicht übertragbar sei und regte einen Besuch des SOS-Kinderdorfes in Immenreuth bei Bayreuth an. "Diese Struktur sollten sie sich auch einmal näher anschauen, das könnte passender sein, da dort längerfristig angelegte Lebensgemeinschaften außerhalb des Elternhauses praktiziert werden." Im Kinderdorf Martinsberg hingegen steht die Zusammenführung von Kindern und Eltern im Mittelpunkt, was in Nagaland derzeit nicht denkbar wäre. "Das wäre ein Langzeitziel", merkte Tinumeren Ozukum an und erzählte, dass es bei ihnen während der Ferienzeit keine Beurlaubung gibt. "Unser Bestreben ist es, den Mädchen und Jungen in unserem Heim eine neue schützende Heimat zu geben. Wir wollen keine Unterschiede zwischen Kindern, die noch Verwandte haben, und denen, die ganz allein auf der Welt stehen - deshalb diese Regelung."

Übrigens besuchen die momentan neun Kinder der Familie Ozukum eine Privatschule, da dort echtes Lernen auf dem Plan steht, im Gegensatz zu den staatlichen Schulen. "Wir wollen den Kindern helfen und sie zudem schützen und ihnen Zeit zum Lernen gewähren."

Gesamtleiter Dieter Oelschlegel unterstrich, dass es wichtig ist, die Kinder anzunehmen, wie sie sind, und sie zugleich zu schützen. "Und das sind keine deutschen Werte, sondern christliche." Der Gedanken- und Informationsaustausch gestaltete sich rege. Nach dem Gespräch gab es einen zweistündigen Rundgang durchs Kinderdorf - mit dabei war auch Fachdienstleiterin Nina Ernst, wie schon beim Gespräch. Das Ehepaar aus Indien fand unter anderem die Werk- und Spieltherapie samt dem sehr gut ausgestatteten Therapiegebäude sehr beeindruckend. Übrigens arbeitet Miriam Rittweg im Kinderdorf. Sie stellte den Kontakt her und war bei dem Besuch natürlich mit dabei.

Autor

Sandra Hüttner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 08. 2018
20:58 Uhr

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Sandra Hüttner

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17. 08. 2018
20:58 Uhr



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