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Fehlende Einheit auf der Schiene

"Pro Bahn" und die Grünen fordern den Lückenschluss im Schienennetz auf der Höllentalbahn. Der Fahrgastverband schlägt einen Sonderfonds vor.



Marxgrün/Blankenstein - Anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls sind am Wochenende erneut Stimmen von Bahnbefürwortern laut geworden, die eine vollständige Überwindung der einstigen Grenze auf dem Schienennetz fordern. In Pressemitteilungen beklagen die Partei Bündnis 90/Die Grünen und der Fahrgastverband "Pro Bahn", dass in den vergangenen drei Jahrzehnten dafür zu wenig unternommen worden sei. Als Paradebeispiel führen sie die Höllentalbahn an.

"Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall klaffen im deutschen Schienennetz noch Lücken, die durch die Grenzziehung nach dem Krieg gerissen wurden", erklärt dazu Matthias Gastel, der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Während die Lücken im Straßennetz von der Autobahn bis zur Gemeindestraße in kürzester Zeit geschlossen worden seien, bleibe es beim Bahnnetz bei einem "Schmalspurprogramm" mit wenigen "grenzüberschreitenden" Strecken zwischen den alten und neuen Bundesländern. Gastel beklagt die verkehrspolitischen Schwerpunkte der vergangenen Jahrzehnte, in denen der Straßenbau stets Vorrang gehabt habe, die Schiene aber meist nur in Sonntagsreden vorgekommen sei.

In einem bundesweiten Reaktivierungsprogramm müsse den Lückenschlüssen zwischen den alten und neuen Ländern eine besondere Priorität zukommen. Ein Beispiel, wie mit wenig Aufwand viel erreicht werden könne, sei die Reaktivierung der Höllentalbahn. Die Gleislücke zwischen Thüringen und Oberfranken betrage nur etwas mehr als sechs Kilometer. Die Reaktivierung der Höllentalbahn sei nicht nur als Direktverbindung zwischen Hof und Saalfeld von Vorteil. "Damit können jährlich auch mehrere zehntausend Lkw-Ladungen zu einem Zellstoffwerk in Thüringen auf die Schiene verlagert werden", betont Gastel.

"Auf der Schiene lebt die Mauer noch weiter", beklagt der stellvertretende "Pro Bahn"-Bundesvorsitzende Lukas Iffländer. Zwar sei es mittlerweile möglich, in vier Stunden mit bis zu Tempo 300 umsteigefrei von München über Erfurt nach Berlin zu fahren, aber selbst 30 Jahre nach dem Fall der Mauer gebe es noch Lücken im deutschen Schienennetz als Folge der einstigen Trennung. Zwischen Bayern und Thüringen führt Iffländer dazu als Defizite im Schienennetz die Verbindungen zwischen Marxgrün und Blankenstein sowie zwischen Coburg und dem Werratal an. Während sich Thüringen zu einer Reaktivierung beider Strecken bekenne, blockiere der Freistaat Bayern diese Projekte bislang.

"Hier muss Ministerpräsident Söder zeigen, dass sein neues ökologisches Paradigma nicht nur grüner Anstrich ist, sondern auch etwas dahintersteckt", fordert Iffländer. Der stellvertretende Pro-Bahn-Bundesvorsitzende bescheinigt zumindest Söders Parteifreund Andreas Scheuer, einen Schritt weiter zu sein, denn beide Projekte seien im Deutschlandtakt des Bundesverkehrsministers zu finden. Iffländer kritisiert in diesem Eisenbahn-Zukunftskonzept die "Fußnoten" der beiden Lückenschlüsse, wonach jeweils die Zustimmung aus Bayern notwendig sei. Der Fahrgastverband will für den Bahnlückenschluss den Bund in die Pflicht nehmen. "Wir fordern einen Sonderfonds, um zumindest verkehrlich die letzten Wunden aus der deutschen Teilung schließen zu können", erklärt Iffländer.

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Werner Rost
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Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
17:56 Uhr

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Autor

Werner Rost

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Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
17:56 Uhr



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