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Naila

Freiheitssymbol wird wichtiges Exponat

Jetzt ist es offiziell: Der Nailaer Fluchtballon ist ans Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg ausgeliehen. Für das neue Museum ist er ein spektakuläres Ausstellungsstück.



Im Fokus: der Bürgermeister Frank Stumpf mit Natascha Zödi-Schmidt vom Haus der Bayerischen Geschichte und der Frankenpost -Ausgabe vom Montag, 17. September 1979. Unter dem Titel "Tollkühne Flucht mit Ballon endet bei Naila" hat die Frankenpost damals am Tag nach der gelungenen Flucht mit dem Ballon berichtet. Foto: Manfred Köhler
Im Fokus: der Bürgermeister Frank Stumpf mit Natascha Zödi-Schmidt vom Haus der Bayerischen Geschichte und der Frankenpost -Ausgabe vom Montag, 17. September 1979. Unter dem Titel "Tollkühne Flucht mit Ballon endet bei Naila" hat die Frankenpost damals am Tag nach der gelungenen Flucht mit dem Ballon berichtet. Foto: Manfred Köhler   » zu den Bildern

10.08.2017 - Fluchtballon zieht nach Regensburg um - Foto: Manfred Köhler

Fluchtballon zieht nach Regensburg um Naila
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Fluchtballon zieht nach Regensburg um Naila
Fluchtballon zieht nach Regensburg um Naila



Naila/Regensburg - Der Nailaer DDR-Fluchtballon ist am Donnerstag offiziell, zumindest erstmal symbolisch, ans Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg übergeben worden. Wie berichtet, entleiht die Stadt Naila dem neuen Museum, das nächstes Jahr im November eröffnet, für vorerst zwei Jahre den weltbekannten Heißluftballon, mit dem vor 38 Jahren zwei Pößnecker Familien aus der DDR entkommen konnten. Die Familien Wetzel und Strelzyk waren heimlich bei Lobenstein gestartet und nach einer Fahrt von 20 Kilometern am 16. September 1979 bei Naila gelandet.

"Das ist ein ganz spektakuläres Objekt für unser neues Museum", sagte Natascha Zödi-Schmidt vom Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg gestern beim Pressetermin in der Nailaer Frankenhalle.

Bürgermeister Frank Stumpf berichtete aus erster Hand über den Tag, an dem der Ballon bei Naila landete. Den damals 13-Jährigen hat das Ereignis sehr bewegt: "Ich war stolz, später die Leute persönlich kennenzulernen, die mit dieser waghalsigen Flucht zu tun hatten."

Wie schwerwiegend die Entscheidung für die Beteiligten tatsächlich war, wurde deutlich, als Günter Wetzel seine Erinnerungen schilderte. "Wir ließen nicht nur unsere Häuser und unser Eigentum zurück, sondern rechneten auch damit, unsere Freunde und Familien nie wieder zu sehen." Vor Anfertigung des Ballons habe man noch zwei Vorgängermodelle konstruiert. Nach einem gescheiterten ersten Ballonaufstieg trennten sich die beiden Familien zunächst. Die Strelzyks versuchten es allein, scheiterten erneut, hatten von da an die Stasi im Nacken und schlossen sich schließlich wieder mit den Wetzels für einen dritten Versuch wieder zusammen.

In nur fünf Wochen nähte Günter Wetzel den 24 Meter hohen, 1250 Quadratmeter großen Ballon an einer elektrisch aufgerüsteten alten Tretkurbel-Nähmaschine zusammen. Beim Startversuch geriet der Ballon in Brand, konnte aber mit einem Feuerlöscher gerettet werden. Unterwegs kam ein Grenzposten den Fliehenden auf die Schliche und leuchtete den Himmel nach ihnen ab. Die Ballonfahrer verloren die Orientierung, dann ging ihnen in 2000 Metern Höhe das Propangas aus.

Es war fast ein Wunder, dass die vier Erwachsenen und ihre vier Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren schließlich unversehrt landeten. Noch im Ungewissen, ob sie es geschafft hatten, stellten sie einem Autofahrer die Frage, die später um die Welt gehen sollte: "Sind wir hier im Westen?" Die Antwort: "Wo denn sonst?"

Für Marc Spohr vom Haus der Bayerischen Geschichte spiegelt diese Flucht ein Ereignis wider, das für eine ganze Generation prägend gewesen sei. Für das Museum in Regensburg stehe der Ballon damit exemplarisch für die "Wendejahre 1975 bis 2000" und sei das zentrale Museumsobjekt überhaupt. Dementsprechend habe der Ballon auch einen Platz auf dem Eröffnungsplakat gefunden, direkt neben dem Bayerischen Löwen. "Heute ist ein wichtiger Meilenstein", sagte Spohr zur symbolischen Übergabe des weltberühmten Exponats: "Der Leihantrag für den Ballon an die Stadt Naila war 2011 der erste Antrag, den wir überhaupt gestellt haben."

Auch für den Nailaer Museumsleiter Wolfgang Brügel, der den Fluchtballon jahrelang betreute, hatte der Tag gestern eine große Bedeutung: "Der Fluchtballon zeigt, wie aus einem profanen Objekt ein wichtiges Symbol werden kann, das für Gedanken wie Freiheit und Selbstverwirklichung steht." Damit dieses Symbol in Regensburg im besten Zustand gezeigt werden kann, wird es derzeit in der Frankenhalle von der Kulturpädagogin Ina Engelhardt und der Textilrestauratorin Magdalena Verenkotte aus Nürnberg professionell gereinigt und in allen Einzelheiten wissenschaftlich dokumentiert.

Für Nailaer, die es bisher versäumt haben, sich den Ballon in ihrer Heimatstadt vor Ort anzuschauen, besteht dazu vor der Abreise nach Regensburg noch eine letzte Gelegenheit: In rund drei Wochen sollen die Reinigungsarbeiten abgeschlossen sein, und dann wird der wohl bekannteste Heißluftballon der Welt noch einmal in der Frankenhalle präsentiert.

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Manfred Köhler
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11. 08. 2017
00:00 Uhr

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Manfred Köhler

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11. 08. 2017
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