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Höllental-Brücken könnten gebaut werden

Ein Ingenieursbüro sagt, dass die Idee von Landrat Bär technisch umsetzbar ist. Jetzt geht es um Fragen zu Naturschutz und Kosten - dann hat der Kreistag das Wort.



360 Meter spannt sich die Geierlay-Brücke über ein Tal im Hunsrück - bis zum 10. Mai war sie die längste Hängebrücke Deutschlands, dann eröffnete im Harz ein 440 Meter langes Bauwerk. Die zwei geplanten Brücken im Höllental sollen beide länger sein.	Foto: Ingo Börsch, Ortsgemeinde Mörsdorf
360 Meter spannt sich die Geierlay-Brücke über ein Tal im Hunsrück - bis zum 10. Mai war sie die längste Hängebrücke Deutschlands, dann eröffnete im Harz ein 440 Meter langes Bauwerk. Die zwei geplanten Brücken im Höllental sollen beide länger sein. Foto: Ingo Börsch, Ortsgemeinde Mörsdorf  

Landkreis - "Coole Leute fahren fast überall hin. In den Hunsrück fahren sie nicht." So beginnt ein ganzseitiger Ausflugstipp im Reiseteil der "Stuttgarter Nachrichten" - der, unter dem Titel "Schwankendes Vergnügen", natürlich in den darauffolgenden Zeilen gleich erklärt, warum selbst coole Leute mittlerweile gern in den Hunsrück kommen. Viele von ihnen zieht es in die kleine Gemeinde Mörsdorf, an deren Rand eine der längsten Hängebrücken Deutschlands hängt. Die seit ihrer Eröffnung im September 2015 mehr als 430 000 Besucher angezogen hat. Dabei ist das 440 Meter lange Bauwerk seit vergangener Woche gar nicht mehr das längste seiner Art: Am 10. Mai hat im Harz die 483 Meter lange Rappbode-Brücke zum ersten Mal Besucher auf ihre Stahlgitter gelassen. "Spiegel", MDR und Co. überschlugen sich gegenseitig mit Sensationsmeldungen - und rechneten alle genau nach, welche Einträge im Guinness-Buch der Rekorde sich nun ändern. Ein ähnlicher Hype könnte bald auch dem Höllental blühen.

Das Drumherum

Die Brücken übers Höllental könnten ziemlich viele Besucher anziehen - da sind sich alle einig. So gehen viele erste Reaktionen von Landkreis-Bürgern in die gleiche Richtung: Die Infrastruktur außen herum müsse eben dazupassen. Will heißen: Zu- und Abfahrt, Parkmöglichkeiten, kulinarische Versorgung und Einrichtungen für menschliche Hinterlassenschaften müssten von Anfang an mit eingeplant und vor allem richtig dimensioniert werden.

In einem Interview mit der Frankenpost hatte jüngst der Bürgermeister von Mörsdorf geklagt, dass man das in seiner Gemeinde nicht gleich mit auf dem Schirm gehabt habe - und dass die Bevölkerung vor allem unter den Wild-Parkern leide, die über die Geierlay-Brücke spazieren. So stehe das Gespräch mit den Menschen vor Ort an erster Stelle, betont Oliver Bär: Sobald der Kreistag darüber entschieden habe, ob man die Idee grundsätzlich weiterverfolgen will, werde er die Bürger zum "Wie" befragen.

 

Der Landkreis Hof möchte, wie berichtet, von Lichtenberg aus zwei Hängebrücken über Lohbach- und Höllental bis hinüber zum Hirschsprung spannen. Die erste soll 480 Meter lang sein, die zweite sogar 770 Meter - was also weit über den bestehenden Rekorden läge. Am 2. Dezember hatte die Kreisentwicklung bei einem Ingenieurbüro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Technische Machbarkeit, Verortung, Finanzierung: Das seien nur die ersten von vielen Fragen, die es zu klären gelte, hatte Landrat Dr. Oliver Bär Anfang des Jahres im Frankenpost-Interview gesagt. Seit Mittwochabend nun steht fest: Rein vom technischen Gesichtspunkt aus wäre das Projekt realisierbar.

"Die erste Studie hatte sich um die grundsätzliche Frage der technischen Machbarkeit gedreht", erklärt Oliver Bär. Und schiebt die Antwort gleich hinterher, die der Umweltausschuss des Kreistags am Mittwoch präsentiert bekam: "In technischer Hinsicht wäre es möglich." Damit wissen Bär und seine Mitarbeiter in der Landkreis-Entwicklung: Sie werden die Idee nun weiter verfolgen. Bis zum Sommer möchten sie ein Paket an Informationen erarbeitet haben, auf deren Basis der Kreistag eine Grundsatzentscheidung treffen kann.

Am 21. Juli kommt das wichtigste Gremium des Landkreises zu seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammen. Geht es nach dem Landrat, soll es dann grundsätzlich um die Frage gehen, "ob wir uns in diese Richtung auf den Weg machen". Jetzt, wo die Beteiligten wissen, dass das Mammutprojekt technisch möglich ist, machen sie sich an die anderen drängendsten Fragen.

Einer der großen Punkte ist der Naturschutz: "Wir werden jetzt unter anderem Gespräche mit den Naturschutzverbänden führen", kündigt Bär an. Wichtigste Maxime für ihn sei es bei dem ganzen Projekt, den Charakter des Höllentals zu erhalten: "Das Tal ist für uns so wertvoll, dass wir es überspannen möchten - ohne seinen Charakter zu verändern", betont er.

Bei den Belangen des Naturschutzes, dessen ist sich der Landrat bewusst, wird auch der Ausgang der Bewerbung um den Nationalpark-Status des Frankenwalds eine Rolle spielen. "Wobei die Entscheidung über eine Bewerbung hauptsächlich im Landkreis Kronach zu treffen wäre - es geht ja nicht um die gesamte Fläche des Frankenwalds, die Nationalpark werden würde." Ohnehin stehen für Bär und seine Mitarbeiter nun zahlreiche Gespräche über das Höllental und eine mögliche Überspannung an.

Als Nächstes wird sich der Bauausschuss des Kreistags mit dem Projekt befassen, um bauliche Fragen aufzuzeigen und Unterlagen zu erstellen. Daneben geht es nun darum, mögliche Kosten abzuschätzen. "Es gibt ja ganz unterschiedliche Ausführungsarten - wir haben uns für eine Ausführung als Ausgangspunkt entschieden und werden diese Variante nun durchrechnen", erklärt Bär. Und betont: "Wir sprechen hier lediglich über eine grobe Kostenschätzung, die auch unter Berücksichtigung der Erfahrungswerte anderer vergleichbarer Brücken zustande kommen kann." So soll also der Kreistag im Juli eine ungefähre Hausnummer dessen vorgelegt bekommen, womit man für ein derartiges Vorhaben finanziell zu rechnen hätte.

Auf jenen technischen, naturschutzrechtlichen und finanziellen Einschätzungen soll das Gremium dann eine Grundsatzentscheidung treffen, ob man das Projekt überhaupt ernsthaft weiter verfolgen will. "Über den Bau selbst wird da noch gar nicht entschieden werden können", sagt Bär. Für allzu Ungeduldige verweist der Landrat zudem auf die Vorbild-Projekte: "Da haben die Planungen Jahre gedauert." Und er betont: Entscheidend werde die Meinung des Kreistags sein. "Wenn der sagt, dass wir dem Projekt nähertreten wollen, dann sprechen wir mit den Menschen vor Ort."

Autor
Christoph Plass

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Veröffentlicht am:
18. 05. 2017
20:39 Uhr

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Christoph Plass

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18. 05. 2017
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