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Höllentalbahn ist noch nicht vom Tisch

Die Gespräche zu einer Reaktivierung der Strecke laufen weiter. Dies zeigen aktuelle Schreiben auf höchster Ebene. Für Personenzüge sind die Voraussetzungen hoch.



Hinter im Sommer dicht belaubten Bäumen verbirgt sich diese Brücke über die Selbitz zwischen Marxgrün und Hölle; nur im Winter ist der Blick frei, wie auf diesem Foto. Sie ist eine von drei steinernen Eisenbahnbrücken, die Anfang des 20. Jahrhunderts nötig waren, um Bayern und Thüringen über die Höllentalbahn zu verbinden.	Archivfotos: Rost
Hinter im Sommer dicht belaubten Bäumen verbirgt sich diese Brücke über die Selbitz zwischen Marxgrün und Hölle; nur im Winter ist der Blick frei, wie auf diesem Foto. Sie ist eine von drei steinernen Eisenbahnbrücken, die Anfang des 20. Jahrhunderts nötig waren, um Bayern und Thüringen über die Höllentalbahn zu verbinden. Archivfotos: Rost  

Marxgrün/Blankenstein - Die bayerische Staatsregierung hat zugesagt, eine Reaktivierung der Höllentalbahn ergebnisoffen mit Thüringen und der Firma ZPR Blankenstein zu prüfen. Dies geht aus einem Briefwechsel zwischen den Freistaaten hervor, der der Frankenpost vorliegt. Demnach stehen Ministerpräsident Markus Söder und der thüringische Regierungschef Bodo Ramelow zur Streckenreaktivierung in Korrespondenz, in die auch Bahnchef Richard Lutz involviert ist.

Strenge Kriterien Bayerns für Personenverkehr auf der Schiene

Wie die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) auf eine frühere Anfrage unserer Zeitung mitgeteilt hat, muss eine Reaktivierung der Strecke Marxgrün-Blankenstein ein Projekt des Güterverkehrs sein, weil die prognostizierten Fahrgastzahlen im Schienen-Personennahverkehr (SPNV) den hohen infrastrukturellen Aufwand für eine Reaktivierung

nicht rechtfertigen. Bei früheren Presseanfragen hatte die BEG zudem erklärt, eine SPNV-Bestellung prüfen zu wollen, sofern die Reaktivierung als Schienengüter-Verkehrsprojekt

erfolge.

Nun weist die BEG aktuell darauf hin, dass sich die Bedingungen für eine SPNV-Bestellung auf Reaktivierungsstrecken verändert haben. Die erste Voraussetzung seien positive schriftliche Gremienbeschlüsse für die Reaktivierung durch die ÖPNV-Aufgabenträger. Darüber hinaus verweist die BEG auf folgende Kriterien:

Eine vom Freistaat Bayern anerkannte Prognose muss nachweisen, dass eine Nachfrage von mehr als 1000 Reisenden pro Werktag zu

erwarten ist (berechnet als

1000 "Reisenden-Kilometer pro Kilometer betriebener Strecke").

Die Infrastruktur muss ohne Zuschuss des Freistaats in einen Zustand versetzt werden, der einen attraktiven Zugverkehr ermöglicht.

Ein Eisenbahn-Infrastruktur-

unternehmen muss bereit sein, die Strecke und die Stationen dauerhaft zu betreiben. Die berechneten Kosten dürfen das Niveau vergleichbarer

Infrastrukturanlagen der DB nicht

übersteigen.

Die ÖPNV-Aufgabenträger müssen sich verpflichten, ein mit dem Freistaat abgestimmtes Buskonzept im Bereich der Strecke umzusetzen.

 

Bei der Initiative Höllennetz zur Reaktivierung der Strecke zwischen Marxgrün und Blankenstein verfolgen Vorsitzender Fritz Sell und seine Mitstreiter mit Genugtuung, dass das Thema "Höllentalbahn" weiter auf der Tagesordnung steht. Sell hatte sich im Mai 2016 empört gegen eine Pressemitteilung des CSU-Landtagsabgeordneten Alexander König geäußert, der nach einem Gespräch mit Staatsminister Joachim Herrmann behauptet hatte, das Thema sei endgültig vom Tisch.

 

Thüringens Regierungschef Ramelow hat sich am 13. Juli in einem Schreiben an Söder gewandt, in dem es um verschiedene Infrastruktur-Projekte geht. "Ich habe anlässlich der Eröffnung der ICE-Strecke VDE 8 mit Staatsminister Herrmann und dem DB-Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz intensiv über die Reaktivierung dieser Bahnstrecke gesprochen", schreibt Ramelow an Söder. Thüringens Regierungschef hebt hervor, dass der Mercer-Konzern neben der ZPR Blankenstein auch das Großsägewerk in Friesau übernommen habe. Damit gehe eine erheblich stärkere Verkehrsbelastung im Raum Hof einher. "Es dürfte für die Bürger nicht unerheblich sein, ob das Frachtvolumen der täglich 300 Lastwagen von der Straße auf die Schiene verlagert werden kann", gibt Ramelow zu bedenken. Es gehe um eine große Tonnage von Langholz, das auf dem Schienenweg zwischen Cheb (Eger) über Marxgrün nach Blankenstein zur Sormitztalbahn transportiert werden könnte.

Ramelow geht auch auf die Belange des Höllentals ein. Der Konflikt um den Naturschutz und den Tourismus sei ihm bewusst. "Thüringen unterstützt das Projekt Hängebrücke und geht davon aus, dass das Fränkische Schiefergebirge als gemeinsames touristisches Vermarktungsgebiet mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes aufweist", erklärt Ramelow.

Ein Novum in der jahrelangen Diskussion um die Höllentalbahn ist eine klare Aussage der DB-Konzernspitze. Bahnchef Richard Lutz stellte dazu in einem Schreiben vom 18. Juli an die Thüringische Staatskanzlei fest: "Bei der Eröffnung der Schnellfahrstrecke Berlin-München hatten wir mit Staatsminister Herrmann darüber gesprochen, dass seitens der DB keine Einwände gegen eine wirtschaftlich tragfähige und nachhaltig nutzbringende Reaktivierung der Höllentalbahn bestehen." Wie aus diesem Brief hervorgeht, stehen der DB-Konzernbevollmächtigte Eckart Fricke und das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft in Kontakt mit der zuständigen Planfeststellungsbehörde in Mittelfranken.

Höllennetz-Vorsitzender Fritz Sell möchte angesichts dieser Entwicklung nicht von einem "Fortschritt" sprechen. Der langjährige Verfechter des Bahnlückenschlusses war trotz mehrerer vielversprechender Gutachten immer wieder auf Ignoranz gestoßen. "Es ist zumindest positiv, dass das Thema endlich in der oberen Etage der DB angekommen ist", sagt Fritz Sell.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Adelt mahnt zur Sachlichkeit und zur Bürgernähe. "Sowohl Befürworter als auch Gegner haben Argumente auf ihrer Seite", erkennt der Landtagsabgeordnete an. "Dass ich zu Ersteren gehöre, ist kein Geheimnis", sagt Adelt. Die Frage, ob die Höllentalbahn kommen soll oder nicht, sollte nach Auffassung des Landtagsabgeordneten aufgrund der vorliegenden Sachargumente und unter Einbeziehung der Bürger beantwortet werden - und nicht anhand von persönlichen Befindlichkeiten.

 
Autor

Werner Rost
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Veröffentlicht am:
25. 07. 2018
20:10 Uhr

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Werner Rost

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25. 07. 2018
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