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"Ich habe quasi ein leeres Buch vollgemalt"

Erstmals gibt es die Flucht-Geschichte als Kinderbuch. Illustrator Torben Kuhlmann erzählt, warum er sich den Film von Bully Herbig bewusst nicht angeschaut hat.



"Ich habe quasi ein leeres Buch vollgemalt"
"Ich habe quasi ein leeres Buch vollgemalt"   » zu den Bildern

Herr Kuhlmann, die Idee für das Kinderbuch "Mit dem Ballon in die Freiheit" hatte eine Amerikanerin. Wie oft kommt es für Sie als preisgekrönten Illustrator vor, dass ein Auftrag aus den USA kommt?

Das Buch

Das Kinderbuch "Mit dem Ballon in die Freiheit" ist gerade im Ravensburger-Verlag erschienen. Geschrieben hat es die Amerikanerin Kristen Fulton, die 1979 im "Time Magazine" von der Flucht gelesen und sich jetzt den Wunsch erfüllt hat, ein Buch daraus zu machen. Die Illustrationen stammen von Torben Kuhlmann, ein Künstler aus Hamburg. Ins Deutsche übersetzt hat es Jakob Hein. In Amerika erscheint das Buch in wenigen Tagen im Chronicle-Books-Verlag LLC mit sitz in San Francisco.

—————

ISBN 978-3-473-44719-0

20 Euro, 56 Seiten

 

(lacht) Nicht so häufig. Für mich war schnell klar, dass mich das Thema interessiert.

 

 

Wie lange ist die Anfrage her?

Ein paar Jahre. Der Vorlauf für so ein Projekt ist sehr groß.

 

Kannten Sie die Fluchtgeschichte damals schon?

Ich hatte eine wage Ahnung davon und von dem alten Hollywoodfilm, den es mal gab, zumindest gehört. Um die Bilder zeichnen zu können, musste ich also viel lesen und recherchieren.

 

Wie sind Sie vorgegangen?

Ich habe mit Freunden gesprochen, die in der DDR aufgewachsen sind, und mir alles angeschaut, was es im Internet zu dieser Flucht zu finden gibt. Und das ist zum Glück eine ganze Menge. Wie der Ballon aussah, wie der Korb und wie die Familien - all das ließ sich ohne Probleme herausfinden. Für andere Dinge musste ich mehr in die Tiefe gehen.

 

Zum Beispiel?

Zum Beispiel wie die Autos auf der Lichtung standen, wo sie mit dem Ballon abgehoben sind. Und was das überhaupt für Autos waren, und welche Farbe die hatten.

 

Sie sprechen von mehreren Jahren Vorlauf. Wann sind Sie mit ihrer Arbeit in die heiße Phase gekommen?

Im Sommer vergangenen Jahres, also 2018. Von da an habe ich etwa fünf Monate intensiv an den Zeichnungen gearbeitet.

 

Fiel der Kinostart des "Ballon"-Films von Bully Herbig nicht in diese Zeit?

Ja, aber den habe ich mir ganz bewusst nicht angeschaut. Wenn man sich selbst so intensiv damit befasst, wie etwas ausgesehen haben könnte, dann kann es desaströs sein, mittendrin andere Bilder desselben Geschehens zu sehen. Im schlimmsten Fall hätten die Eindrücke meine Arbeit zunichtegemacht.

 

Haben Sie den Film inzwischen gesehen?

Nein, aber ich habe es vor.

 

Die DDR haben Sie in sehr düsteren Farben wiedergegeben. Auf einem Bild begegnet Peter, der Sohn von Günter Wetzel, auf dem Schulweg schwer bewaffneten Soldaten mit einem aggressiven Schäferhund. So haben die wenigsten DDR-Bürger ihre Kindheit in Erinnerung. Überzeichnen Sie die Zustände bewusst?

Was die Gestaltung betrifft, hat der Verlag ziemlich konkrete Vorgaben gemacht. Der Text war fertig auf den Seiten verteilt, und es stand zumindest grob fest, was die Bilder zeigen sollen. Ich habe quasi ein leeres Buch mit weißen Seiten vollgemalt.

 

Welche Technik haben Sie verwendet?

Ich zeichne mit Aquarellfarben, die man auch als Farben des Lichts bezeichnet. Da fast die gesamte Geschichte in der Nacht spielt, war das gar nicht so einfach. Ich habe sehr viel Farbe benötigt.

 

Wie muss man sich das vorstellen? Haben Sie am Ende die fertigen Bilder nach Amerika geschickt?

Nein. Das ist dank der modernen Technik nicht mehr nötig. Ich habe die Bilder mit einem leistungsfähigen Scanner digitalisiert - und so gingen sie dann an den Verlag.

 

War das Projekt damit für Sie abgehakt oder gab es danach noch viel Kontakt zum Verlag?

Man muss als Zeichner hier und da nachjustieren, ich stand in engem Kontakt zum Lektorat. Aber der Zeitplan war am Ende knapp, alles musste sehr schnell gehen.

 

Bekannt geworden sind Sie unter anderem durch ihre Bücher über die Abenteuer einer Maus. An was arbeiten Sie in ihrem Hamburger Atelier gerade?

Es wird natürlich ein neues Mäuse-Abenteuer geben. Aber ich arbeite auch an vielen anderen Sachen.

Das Gespräch führte Susanne Glas

Foto: Holger Hollemann/dpa

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Veröffentlicht am:
15. 09. 2019
18:42 Uhr

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15. 09. 2019
18:42 Uhr



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