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Langenbacher Landwirt will insektenschonend mähen

Damit die kleinen Lebewesen das Mähen überleben, möchte sich ein Landwirt aus Geroldsgrün ein neues Gerät kaufen. Doch dafür braucht er finanzielle Unterstützung.



Das Doppelmessermähwerk sieht aus wie beim Balkenmäher zu Hause, nur um einiges größer. Unser Bild zeigt Georg Kersten (links) und Ralph Oelschlegel.	Foto Hüttner
Das Doppelmessermähwerk sieht aus wie beim Balkenmäher zu Hause, nur um einiges größer. Unser Bild zeigt Georg Kersten (links) und Ralph Oelschlegel. Foto Hüttner  

Geroldsgrün-Langenbach - Landwirt Ralph Oelschlegel aus dem Geroldsgrüner Ortsteil Langenbach will insektenschonend mähen. Dafür braucht er allerdings finanzielle Unterstützung. Die erhofft er sich durch Schwarmfinanzierung, neudeutsch Crowdfunding.

Crowdfunding

Wer Ralph Oelschlegel bei der Finanzierung seines insektenschonenden Mähwerks helfen möchte, kann sich an der Schwarmfinanzierung beteiligen - und, wenn gewünscht, je nach Spendenhöhe ein Dankeschön bekommen. Weitere Informationen gibt es unter:

—————

www.startnext.com

 

Seit dem Jahr 2004 führt er im Vollerwerb den elterlichen Betrieb, 2014 stellte er auf Bio um. "Die Investition in ein neues Schneidwerk stand an und bei meiner Recherche bin ich auf insektenschonendes Mähen gestoßen", berichtet der Landwirt. Sofort beginnt er damit, die Vorteile aufzuzählen: Die Arbeitsbreite des neuen Mähwerks beträgt ganze 8,80 Meter, der Dieselverbrauch ist gering und es arbeitet geräuscharm. "Sicherlich gibt es auch Nachteile", räumt Oelschlegel ein. Durch das Messerschleifen sei die Technik wartungsintensiver. Zudem sei sie störanfälliger, da es zu Verstopfungen zwischen den Messern kommen kann. "Aber ich tue etwas für die Umwelt", betont Oelschlegel.

Georg Kersten von der gleichnamigen Firma aus Rees am Niederrhein hat das neue, glänzende Vorführmähwerk angeliefert und richtet es zusammen mit dem Landwirt ein. Erläuterungen gibt es obenauf. Dafür geht es gleich zum Mähen auf das Feld. "Das Gras wird geschnitten und nicht abgeschlagen. Dass kann man sich wie beim Balkenmäher im Garten vorstellen, nur hier in einer viel größeren Schnittbreite", erklärt Ralph Oelschlegel. "Die Pflanzen fallen einfach um. Das Abschneiden schont vor allem die Insekten und auch Amphibien, die nicht in einen Strom aus Mähgut geschleudert und zerquetscht werden."

Oelschlegel weiß, dass die Bauern bereits früher die Technik des Grasschneidens anwandten. Sie geriet allerdings durch ihre Anfälligkeit in Vergessenheit. Für den Schutz von Insekten und Amphibien rückt sie nun wieder in den Mittelpunkt. "Doch die neue Technik ist teuer, und man kommt zusammen mit dem Schleifautomaten für die Klingen auf annähernd 50 000 Euro. Den Kauf rein betriebswirtschaftlich zu begründen, wird da schwierig, auch wenn es eine Förderung gibt", erläutert der Landwirt.

Er setzt seine Hoffnung auf Schwarmfinanzierung. "Wenn viele mich unterstützen und ich mir die Investition dann leisten kann, mähe ich in Zukunft nur noch mit dieser Technik auf meinen Flächen, sodass allein hier Millionen Insekten überleben. Denn was nützen die schönsten Blühäcker und Naturschutzwiesen, wenn man am Ende alle Insekten totmäht?" Der dreifache Familienvater setzt auf die Unterstützung von Menschen, Familien und Firmen, die sich im Naturschutz engagieren wollen. "Dabei geht es neben den Blühäckern auch um tolle Heuwiesen, einhergehend mit einem beginnenden Umdenken."

Oelschlegel hofft, dass das Grasschneiden in zehn Jahren Standard sein wird, wenigstens für den ökologischen Landbau. "Wer mir Unterstützung zuteilwerden lässt, hilft mit, die Technik bekannter zu machen - und unterstützt einen Landwirt, dem die Natur wirklich am Herzen liegt", versichert er. Diese Hoffnung ist nicht unberechtigt, denn zur Vorführung kam Berufskollege Christian Rank aus dem benachbarten Obersteben vorbei, um sich ebenfalls zu informieren.

Georg Kersten berichtet, dass die Vorführmaschine die erste ihrer Art ist, die sein Unternehmen nach Bayern ausliefert. "Aber es stehen weitere an, da die in Vergessenheit geratene und nun überarbeitete Technik mit Blick auf den Umweltschutz im Kommen ist", weiß der Fachmann. Ohnehin liege der Fokus in Bayern stärker auf dem Erhalt der Artenvielfalt und der ökologische Landwirtschaft als im restlichen Deutschland.

"Die Schneidwerke können auf die gewünschte Höhe eingestellt werden", erklärt Kersten. Dann fährt der Schlepper los. Wie von Zauberhand kippen die Halme der Grasfläche um und legen sich auf der gesamten Breite ab. Das insektenschonende Mähen findet Oelschlegel auch für Naturschutzflächen interessant. Für das Mähwerk selbst bekommt er keine Förderung, wohl aber für einige seiner Flächen durch die untere Naturschutzbehörde. "Ohne diese Förderung bräuchte ich über eine Investition in das Doppelmessermähwerk gar nicht nachdenken, das wäre nicht annähernd rentabel", erklärt der Landwirt. Aus dem geschnittenen Grünzeug möchte er Bio-Luzerne-Grascobs herstellen: ein hochwertiges Futtermittel.

Autor

Sandra Hüttner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 05. 2020
18:30 Uhr

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Sandra Hüttner

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28. 05. 2020
18:30 Uhr



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