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Naila

Soldaten plündern in der Region

Auch in Franken wütete einst der Siebenjährige Krieg. Adrian Roßner und Dr. Andreas Leipold berichten über die Auswirkungen.



Für Angst und Schrecken hierzulande sorgten auch die Deserteure der Reichs-Armee. Rechts im Bild Referent Adrian Roßner. Foto: Singer
Für Angst und Schrecken hierzulande sorgten auch die Deserteure der Reichs-Armee. Rechts im Bild Referent Adrian Roßner. Foto: Singer  

Naila - Der sogenannte "Siebenjährige Krieg" (1756 bis 1763) gilt als ein Paradebeispiel dafür, wie in kriegerischen Handlungen Menschen zu leiden haben und Kollateralschäden bis hin zum Tod von Zivilisten billigend in Kauf genommen werden. "Dieser Krieg, der auch in Franken wütete, ist hier bei uns weithin unbekannt", merkte Kreisheimatpfleger Dieter Blechschmidt bei einer Veranstaltung des Historischen Vereins im Kulturraum des Nailaer Bahnhofes an. In den Archiven der Region haben die beiden Historiker Dr. Andreas Leipold aus Bayreuth und Adrian Roßner aus Zell neue Erkenntnisse zusammengetragen, für die sich viele Geschichtsfreunde interessierten.

Die Hintergründe des Siebenjährigen Krieges: Eigentlich war es ein Konflikt zwischen den europäischen Großmächten. Kaiserin Maria Theresia von Österreich war nach dem zweiten Schlesischen Krieg bestrebt, Schlesien zurückzugewinnen und hatte sich mit Frankreich verbündet, ebenso mit einigen bayerischen Kleinstaaten. Auf der anderen Seite stand Preußen mit Friedrich dem Großen, verbündet mit England, der einem möglichen Angriff zuvorkommen wollte und in Sachsen einmarschierte. Den Ausführungen von Dr. Leipold war zu entnehmen, dass sich die preußischen Truppen im benachbarten Vogtland bei Plauen für weitere Vorstöße in die Herzogtümer Brandenburg-Bayreuth und Ansbach sowie die Hochstifte Bamberg und Würzburg sammelten. Hier befanden sich die Streitkräfte des "Fränkischen Reichskreises", die man von einer Zusammenarbeit mit den Österreichern abhalten und ihre Magazine vernichten wollte. Die Stoßrichtung der marschierenden preußischen Soldaten in Richtung Bayreuth erfolgte über Hof und die nach Bamberg durch den Frankenwald und Kronach. Sammel- und Ausgangspunkt war jeweils Plauen.

Als Erforscher geschichtlicher Ereignisse seiner Heimat hat sich der Zeller Student Adrian Roßner mittlerweile einen Namen und in den Archiven der Region kundig gemacht und dazu das Lesen der alten Handschriften erlernt. Im Hinblick auf die Geschehnisse des "Siebenjährigen Krieges" ist er vor allem in Münchberg mit Aufzeichnungen des damaligen Superintendenten (geistlicher Würdenträger) Adam Roth fündig geworden, ebenso wie in Hof, das bei den kriegerischen Handlungen im 18. Jahrhundert mit einer Stadtmauer umgeben war. "Es fiel selten ein Schuss", hatte Roßner recherchiert, "das eigentliche Problem waren die Soldaten, die verpflegt werden mussten." Zum Teil waren es bis zu 9000 Soldaten, die rund um Hof an der Saale lagerten. "Beide Seiten, die meist im Wechsel von Vor- und Rückmarsch sich gegenseitig aus dem Weg gingen, aber vor Plünderungen in Kirchen und in Bauernhöfen nicht zurückschreckten." Mit Hunger und Seuchen herrschte unter den Menschen hierzulande großes Leid. In der Reinersreuther Ortschronik ist verzeichnet, dass die Bauern 164 Mal mit ihren Ochsen Anspanndienste bei den Soldaten beider Seiten leisten mussten. "Dann konnten sie auch nicht ihre Felder bestellen, Hungersnot war an der Tagesordnung, denn die Vorräte hatten die Soldaten für ihre Verpflegung schon in Beschlag genommen." Allein über 2500 preußische Soldaten lagerten an der Hofer Lorenzkirche. Ein Problem für die Bevölkerung waren laut Roßner auch die Deserteure der "Reichs-Armee", "die immer wieder für Unruhe sorgten, Angst und Schrecken verbreiteten". Drastisch und "mit reichlich Wut im Bauch", schilderte Chronist Adam Roth aus Münchberg die Plünderungen der Soldaten, "die den Messwein saufen und das Kirchensilber wegnahmen und keine Ehrfurcht bezeugen".

Außereuropäisch entwickelten sich die kriegerischen Handlungen zum Kolonialkrieg zwischen England und Frankreich, das beim Frieden von Paris (1763) den größten Teil seiner ostindischen Besitzungen an England abtrat. Im gleichen Jahr endete der "Siebenjährige Krieg" im Frieden von Hubertusburg mit der Einverleibung Schlesiens in Preußen, das die mangelnde Geschlossenheit der "Reichswehr" zum Erfolg nutzte. Die Verluste bei den Soldaten beider Seiten hielten sich in Grenzen, Hauptleidtragende war die Bevölkerung, auch in der Region, die Leid und Hunger zu ertragen hatte und verarmte. "Europäische Geschichte hat immer Auswirkungen auf die Menschen, auch bei uns in Franken", bilanzierte der Zeller Historiker Adrian Roßner.

Autor

Reinhold Singer
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Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
20:00 Uhr

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Reinhold Singer

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07. 02. 2019
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