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Sorge um die Ruhe im Naturschutzgebiet

Der Bund Naturschutz ist für Hängebrücken im Frankenwald. Sie sollten aber nicht im Höllental entstehen.



Für Wolfgang Degelmann ist das Höllental ein Ort, an dem Besucher Ruhe, Entspannung und Naturschönheit suchen. Die sieht er mit dem Bau der Hängebrücken gefährdet. Foto: Bund Naturschutz
Für Wolfgang Degelmann ist das Höllental ein Ort, an dem Besucher Ruhe, Entspannung und Naturschönheit suchen. Die sieht er mit dem Bau der Hängebrücken gefährdet. Foto: Bund Naturschutz  

Lichtenberg/Issigau/Landkreis - Der Kreistag hat den Grundsatzbeschluss gefasst, ein touristisches Zwölf-Millionen-Projekt weiter voranzutreiben: Über das Lohbachtal und das Höllental sollen von Lichtenberg aus zwei Hängebrücken mit Längen von 720 und 380 Metern entstehen und Touristen in den Frankenwald locken. "Wir wollen gemeinsam die Natur in unserer Heimat präsentieren und bei unseren Gästen Lust auf den Frankenwald machen", sagte Landrat Dr. Oliver Bär im Kreistag und betonte, "dass wir bei der Umsetzung der Idee unsere Bürger intensiv beteiligen wollen". An dieser Stelle setzt Wolfgang Degelmann, Geschäftsführer der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Hof (BN), mit seiner Kritik an.

Initiative gegen die Brücke über das Höllental

Nach Informationen der Frankenpost versucht die "Initiative gegen die Hängebrücke über das Höllental", das Projekt zu verhindern. Bürger aus der Region unterstützen die von Kritikern aus dem Issigauer Orsteil Eichenstein initiierte Aktion.

 

Mit einem Offenen Brief an Landrat Dr. Oliver Bär, an die Mitglieder des Kreistags sowie an die Bürgermeister und Gemeinderäte von Lichtenberg und Issigau sprechen sich die Mitglieder der Initiative gegen das "unsinnige Projekt" aus. Sie verweisen auf negative Erfahrungen von Kommunen, in denen es vergleichbare Brücken bereits gebe, und warnen vor einer massiven Beeinträchtigung des Naturschutzgebietes und der Zerstörung der

Lebensqualität für Anwohner.

Außerdem befürchten sie in ihrem

Schreiben Auswirkungen auf das Zusammenleben der betroffenen Gemeinden.

 

Mit Blick auf die Nachhaltigkeit des Projektes sehen sie die Gefahr eines "kurzfristigen Hypes".

 

Degelmann bedauert, dass die betroffenen Bürger in Lichtenberg, Issigau und Eichenstein nicht vom Start weg in die Planungen einbezogen worden seien. Er hat grundsätzliche Bedenken, wenn es um den Standort der neuen Touristen-Attraktion geht. "Ich stehe voll hinter dem Konzept des sanften Tourismus", sagt er. "Der Aspekt, die einzigartige Landschaft des Frankenwalds touristisch intensiver zu vermarkten, ist der richtige Weg - dafür brauchen wir Leuchtturmprojekte und Hotspots wie die Brücken, um Besucher in die Region zu locken. Diese Meinung teile ich uneingeschränkt."

Es gebe im Frankenwald aber viele Standorte, wo die Brücken ebenfalls gebaut werden könnten und kein Naturschutzgebiet belastet würde. Als geeignete Alternativstandorte nennt Wolfgang Degelmann Täler im Bereich der Thiemitz, der Langenau oder der Wilden Rodach. "Unsere Region würde ein harmonierendes Nebeneinander vom idyllischen Höllental auf der einen Seite und einer erlebnisorientierten Brücke an einem anderen Standort auszeichnen und guttun."

Für Degelmann ist das Höllental der falsche Standort für das Tourismus-Projekt. Neben spektakulären Attraktionen, wozu auch die geplanten Brücken gehörten, suchten viele Besucher auch gezielt Orte, wo sie Ruhe, Entspannung und Naturschönheit finden. "Im Frankenwald gibt es eine kleine Anzahl von Punkten, die diese Anforderungen erfüllen, und dazu gehört an erster Stelle das Höllental. Wenn wir das Leitbild des sanften Tourismus ernst nehmen, bewahren wir besondere Orte vor Action und Halligalli, um auch den Touristen gerecht zu werden, die wildromantische Regionen in Ruhe genießen wollen."

Degelmann verweist auf sieben Naturschutzgebiete im Landkreis Hof, "das größte ist unser Höllental". Und es sei das zweitgrößte Gebiet im Frankenwald, in dem als besondere Region mit einheimischer Natur die europäische FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) gilt. "In der Verordnung über das Naturschutzgebiet Höllental legt die Regierung von Oberfranken eindeutig fest, was zu vermeiden ist." Degelmann deutet zur Erklärung seines Standpunkts auf den Text der Verordnung, wo er entsprechende Passagen mit Leuchtschrift markiert hat: "Störungen sind von Pflanzen fernzuhalten, die Schönheit und Eigenart der Talhänge ist zu bewahren."

"Dem widerspricht das Konzept des Landkreises, denn mit den Brücken würden wir Horden von Menschen durch das Höllental treiben", kritisiert er. Es sei deshalb für nicht nachvollziehbar, weshalb sich die Verantwortlichen im Landkreis nur auf das Höllental als Standort für ihr Leuchtturmprojekt beschränkt hätten. "Ich kann nicht verstehen, weshalb in der Machbarkeitsstudie keine Alternativstandorte geprüft worden sind. Man hat sich von vornherein auf das Höllental festgelegt, ohne mit den Menschen vor Ort gesprochen zu haben."

Der Naturschützer ergänzt, dass es auch keinen Austausch mit Vereinen und Verbänden wie dem Frankenwaldverein, dem Bund Naturschutz oder dem Landesbund für Vogelschutz gegeben habe. Das bedauere ich, denn mit einem größeren Runden Tisch hätten wir eine sinnvollere Lösung erarbeiten können."

Degelmann befürchtet vor allem eine Gefährdung der Tierwelt. "Es wird auf jeden Fall eine Lärmemission von der Brücke ausgehen. 300 000 Besucher im Jahr werden Krach machen." Während der Lärmpegel beispielsweise bei einer Brücke über das Rodachtal und die benachbarte Bundesstraße 173 keine Rolle spielen würde, "ist das im Höllental anders", argumentiert der BN-Mann weiter. "Hier werden seltene Tiere wie der Uhu oder der Schwarzstorch auf eine steigende Geräuschentwicklung reagieren und aus dem Gebiet verschwinden."

Als weiteren Kontrapunkt gegen den Brückenstandort Höllental nennt Degelmann den Schutz der Bevölkerung. "Das Höllental ist für viele Einheimische ein Ziel, wenn sie die Schönheit der Natur verbunden mit einer einmaligen Ruhe suchen. Die werden wir mit der Brücke vertreiben."

Als weiteres Problem sieht Wolfgang Degelmann die Situation der Infrastruktur im Höllental: "Bevor der Standort für eine Brücke festgeschrieben wird, sollte geklärt werden, wo man bis zu 6000 Besucher pro Tag durchschleusen kann. Die Frage, wo wir diesen Ansturm natur- und sozialverträglich optimal bewältigen können, ist ebenfalls von großer Bedeutung."

Die Stadt Lichtenberg sei für den Einstieg in ein Projekt wie die Hängebrücke "äußerst suboptimal", meint Degelmann: "Das Mehrfache der in der Stadt lebenden Menschen muss an einem Tag durch die Stadt zur Brücke und anschließend wieder zurückgeführt werden." Degelmann ist gespannt, wie die Bevölkerung reagiert: "Werden die Bürger widersprechen, gründet sich gar eine Bürgerinitiative, die zum Protest gegen die Hängebrücke mobilisiert?"

Als Gleichgesinnten hat Wolfgang Degelmann einen Kenner des Frankenwalds auf seiner Seite. Für den Kreisheimatpfleger Dieter Blechschmidt ist das Höllental ebenfalls ein ungeeigneter Standort für eine Hängebrücke im Frankenwald. "Das Höllental ist für mich das schönste Tal in der Region und ein Aushängeschild für die Schönheit der heimischen Natur." Dieter Blechschmidt betonte ebenfalls, dass er nicht gegen eine Hängebrücke an sich stehe, "das Höllental ist dafür der falsche Standort".

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Lothar Faltenbacher

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Veröffentlicht am:
28. 07. 2017
08:09 Uhr

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Lothar Faltenbacher

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28. 07. 2017
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