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Überbrückbare Differenzen

Im Hunsrück steht eine Hängebrücke. Der Bürgermeister dort ist froh, das Wagnis eingegangen zu sein. In Lichtenberg folgt ihm nicht jeder.



Kristan von Waldenfels erklärt, was die Brücken bewirken können. Fotos: Hüttner
Kristan von Waldenfels erklärt, was die Brücken bewirken können. Fotos: Hüttner  

Lichtenberg - Für Bürgermeister Marcus Kirchhoff aus Mörsdorf ist die Sache klar: "Nehmen Sie die Riesenchance wahr, raufen Sie sich zusammen, sehen Sie dem Brückenprojekt positiv entgegen und freuen Sie sich auf die freundlichen, begeisterten Menschen, die hierher kommen werden." Rathauschef Kirchhoff war auf Einladung des CSU-Bürgermeisterkandidaten Kristan von Waldenfels in Lichtenberg und stand im evangelischen Gemeindehaus Rede und Antwort.

Marcus Kirchhoff bezeichnete sich selbst als "Brückenträumer", der mit zwei weiteren Gefährten die Geierlay-Hängebrücke im Hunsrück initiierte und dies ohne Unterstützung der großen Politik. Viele hätten ihn belächelt, die dem Projekt keine Chancen gaben. Aber es kam anders. "Wir mussten immer reagieren statt zu agieren, sind immer hinterhergerannt", erläuterte Kirchhoff. "Sie hier können sich Ihre Gedanken vorab machen und darauf vorbereiten, wie sie es angehen wollen und sie sind nicht Bauträger."

Kirchhoff berichtete von neuen Arbeitsplätzen in der Gemeinde und in der langsam entstehenden Infrastruktur wie der Gastronomie. "Wir haben zwei Gemeindearbeiter in Vollzeit eingestellt, drei weitere Vollzeitstellen in der Kinderbetreuung geschaffen und es gibt Teilzeitkräfte und auf Basis der geringfügigen Beschäftigung." Er sprach von insgesamt 35 Menschen, die durch die Brücken in Lohn und Brot kamen.

Auch dem Gemeindesäckel tue die Brücke gut. "Wir haben allein rund 400 000 Euro an Parkgebühren pro Jahr", betonte Kirchhoff und berichtete, dass bei den Toiletten Drehkreuze angebracht sind. "Das Ticket ist mit einem Wertbon verbunden, in einem Jahr haben wir 30 000 Euro mit nicht eingelösten Wertbons verdient." Kirchhoff sprach von einer positive Wandlung für die Gemeinde, die nun finanziell gut aufgestellt sei. "Das ist auch der Brücke zuzuschreiben, und langsam entsteht auch Gastronomie, sodass mit Gewerbesteuereinnahmen zu rechnen ist."

Kristan von Waldenfels, der als Moderator durch den Abend führte, fragte nach der Klientel der Besucher. "Am Anfang kamen die Leute in Badelatschen, aber das änderte sich recht schnell. Jetzt haben wir Familien, die auch wandern", erläutert Kirchhoff. Und eine Müllplage gibt es nicht, weder unter der Brücke noch auf den Wanderwegen oder dem Weg zur Brücke. "Die Leute sind wirklich sehr umsichtig."

Kristan von Waldenfels fragte nach Spannungen in der Gemeinde, was Kirchhoff weder bejahen und noch verneinen wollte. "Einer der Parkplätze für 90 Autos befindet sich mitten im Ort, da wohnen Familien, für die sich die Situation natürlich geändert hat", gesteht Kirchhoff und berichtet schmunzelnd von einer älteren Dame, die das Treiben vor der eigenen Haustür genieße. "Sie schaut aus dem Küchenfenster und freut sich über das Kommen und Gehen."

Kirchhoff merkte an, dass der Verkehr im Ort nervt, sodass Sperrungen ab und an notwendig sind. "Die Leute vertrauen ihrem Navi, und am liebsten möchten sie mit dem Auto über die Brücke fahren." Von einer Belagerung möchte er aber nicht reden. "Die Besucher kommen meist um 11 Uhr und sind 17 Uhr wieder weg." Ob die Besucher auch verweilen lautete eine Frage. Kirchhoff: "Das ist schwierig, da noch die Infrastruktur fehlt. Der Aufbau braucht Zeit, findet aber langsam statt."

Stefan Pfeiffer von der Initiative Höllental fragte nach der Beständigkeit der Besucherzahlen. "Meiner Meinung nach ebbt dies deutlich ab", sagte er. Der Mörsdorfer Bürgermeister griff zum Handy und nannte kurz drauf konkrete Zahlen: 2016 waren es 295 396 Besucher, im Jahr darauf 213 558, im vergangenen Jahr 211 018 und im laufenden bisher 199 840. "Das sind die gezählten Besucher von der Webcam beim Verlassen der Brücke. Nicht erfasst sind jene, die mal schauen oder auf der Hälfte der Brücke wieder umdrehen, da können sie getrost nochmal 25 Prozent obenauf schlagen", erläuterte Kirchhoff.

"Halten sie die Brücken für ein langfristiges, zukunftsweisendes Projekt?", wollte Stefan Pfeiffer weiter wissen. "Je mehr Brücken es gibt, desto schlechter wird es", gab Kirchhoff zu. "Aber ich bin mir sicher, wer einmal da war, kommt wieder und nur durch die Brücken kommen Leute überhaupt erst hierher."

Für Olaf Otte dienen die Brücken dem Geldverdienen und er erwartet ein erhöhtes Kohlendioxidaufkommen durch den Verkehr. Kristan von Waldenfels unterstützte das ökologische Denken, verwies aber auf das Umdenken, das im Tourismus eingesetzt habe. "Es ist doch besser, wenn die Leute im eignen Land Urlaub machen, statt zu fliegen", betonte er. Dem stimmte Olaf Otte nicht zu. "Wir werden hier Massentourismus produzieren." Bürgermeister Marcus Kirchhoff hat dazu eine andere Meinung: "Zerstreiten Sie sich nicht, nutzen Sie die Riesenchance!"

 
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Sandra Hüttner
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Veröffentlicht am:
05. 12. 2019
18:38 Uhr

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Sandra Hüttner

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Veröffentlicht am:
05. 12. 2019
18:38 Uhr



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