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Naila

Universalgelehrter hinterlässt Spuren

Der Todestag Alexander von Humboldts jährt sich im kommenden Jahr zum 250. Mal. Kurt Hopf nahm das zum Anlass, um auf dessen Leben zurückzublicken.



Kurt Hopf, ehemaliger Leiter der Hofer Sternwarte, gab einen Einblick in Alexander von Humboldts astronomische Forschungen.	Foto: Reinhold Singer
Kurt Hopf, ehemaliger Leiter der Hofer Sternwarte, gab einen Einblick in Alexander von Humboldts astronomische Forschungen. Foto: Reinhold Singer  

Bad Steben - Bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Historischen Vereins und des Alexander-von-Humboldt-Freundeskreises im Kulturraum des Nailaer Bahnhofes haben die beiden Vorsitzenden Joachim Sörgel und Siegfried Möckel ans anstehende Doppeljubiläum Alexander von Humboldts (1769 bis 1859) erinnert. Sein bahnbrechendes Denken und seine Vorstellungen von der Natur sind bis heute in Zeiten des Klimawandels aktueller denn je.

Zur Person

Alexander von Humboldt wurde 1769 in Berlin geboren. Er war ein Naturforscher, der während seiner Reisen nach Südamerika, Zentralasien und in die Vereinigten Staaten unter anderem in der Physik, Chemie, Astronomie, Klimatologie, Zoologie und Botanik neue wissenschaftliche Erkenntnisse einholte. Anschließend veröffentlichte er seine Ergebnisse in verschiedenen Büchern. Er starb 1859 in seiner Geburtsstadt. Quelle: Wikipedia


Der Kosmopolit wurde vor 250 Jahren in Berlin geboren, wo er auch vor 160 Jahren starb. Alexander von Humboldt war der berühmteste Wissenschaftler seiner Zeit. Zudem war er wohl die weltweit bekannteste Persönlichkeit, die von 1792 bis 1795 in unserer Region gelebt und seine Spuren hinterlassen hat. Der Universalgelehrte hatte im damaligen Steben seinen Wohnsitz und strukturierte hier im Auftrag der preußischen Regierung in Berlin den Bergbau im Frankenwald und im Fichtelgebirge. Humboldt erkannte die Natur als einzigen lebenden Zusammenhang, einen Organismus, in dem alles einander bedingt und beeinflusst.

In seinem Vortrag mit Bildern "Sonne, Sand und Sternenhimmel" ging Kurt Hopf, früherer Leiter der Hofer Sternwarte, einen relativ kleinen Teilbereich der Forschungen Humboldts nach, der Astronomie. Dazu diente die Erkundung und Vermessung der Balearen-Insel Teneriffa, die der umtriebige Wissenschaftler in den Vorplanungen seiner späteren Seereisen nach Übersee durchführte. Diesen Spuren Humboldts auf der heutigen spanischen Ferieninsel folgte Hopf in seiner bebilderten Ausführungen. Und der Hofer Astronom zitierte einleitende Worte aus einem Brief des damals zum Bergbaurat beförderten Stebener Neubürgers an seinen Freund Freiersleben: "Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich schmiede hier große Pläne und habe mich meinen Gefühlen überlassen."

Der Tod seiner Mutter kurz nach seiner Abreise aus Steben machte ihn durch das Erbe zu einem reichen Mann, wusste Kurt Hopf aus seinen Recherchen. "Denn nun hatte Humboldt das nötige Geld für seine Forschungsreisen." Er begann mit einer Einkaufstour neuester optischer Geräte und Instrumente in ganz Europa. In Paris begegnete Humboldt zum ersten Mal dem jungen französischen Wissenschaftler Aimé Bonpland, einem begabten Botaniker, der später sein bester Freund und Reisebegleiter in Süd- und Mittelamerika werden sollte. Aber um diese Territorien in Übersee zu erforschen und Zutritt zu diesen zu erhalten, musste Humboldt am spanischen Königshof etwas vorweisen, was dem angehenden Forschungsreisenden mit der Vermessung des spanischen Hochlandes auch glückte.

Das war das erste Mal, dass der spanische König Carlos IV. einem Ausländer die schriftliche Erlaubnis mit auf den Weg gab. "Diese Entscheidung ihres Monarchen überraschte sogar seine spanischen Landsleute", wusste Hopf. Die Überseereise von Humboldt und Bonpland begann 1799 im spanischen Hafen La Coruna. Nach zwei Wochen auf See legten sie in Santa Cruz auf Teneriffa an, und es war nur ein Aufenthalt von wenigen Tagen vorgesehen. Sein Ziel war es, den mit 3750 Meter höchsten Berg, Pico del Teide, auf der größten Kanarischen Insel zu ersteigen. Er bot für Astronomen den besten Ausblick ins Weltall, der auch für Humboldt mit seinem Fernrohren der damaligen Zeit ein lohnenswertes Ziel waren. Der deutsche Universalgelehrte erklomm mit seinen Instrumenten und seinem Tross Mauleseln den Berg von Santa Cruz aus in der Rekordzeit von drei Tagen. "Noch am Abend der Rückkehr nahm Humboldt eine Einladung beim Gouverneur der Insel an und erzählte von seinen neuen Erkenntnissen", so Kurt Hopf, der diese Tour vor einigen Jahren selbst mit einer Reisegruppe nachempfunden hatte und im bebilderten Vortrag auch schilderte. Heute erinnert ein Denkmal und ein Informationsgebäude samt begehbarem Fernrohr unter einer großen Kuppel auf dem "Berg der Sterngucker" an die Verdienste von Alexander von Humboldt. Auch ein Mondkrater und einige Asteroiden sind nach ihm benannt. Wie kein anderer Wissenschaftler hat er nach Meinung des Referenten unser Verständnis von Natur als einem lebendigen Ganzen geprägt, in dem vom Winzigsten bis zum Größten alles verbunden ist. Schon Humboldt, dessen Namen in Lateinamerika jedes Schulkind kennt und dem Denkmäler gewidmet sind, wies auf die Verwundbarkeit "unserer Mutter Erde" hin, beschäftigte sich mit dem Thema Klimawandel und seinen Folgen, erinnerte und merkte an: "Überall geht dem Wissen ein Ahnen voraus."

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Reinhold Singer
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Veröffentlicht am:
26. 10. 2018
00:00 Uhr

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Reinhold Singer

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26. 10. 2018
00:00 Uhr



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