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Viele Fragen rund um den Nationalpark

Kritiker treffen sich in Neuengrün. Das Wirtshaus dort platzt aus allen Nähten. Die Abgeordneten von Lerchenfeld und Adelt sind gegen das Projekt.



Ralf Kremer (Mitte) hatte nach Neuengrün eingeladen. Die Nachricht, dass der Frankenwald in die Diskussion um einen dritten bayerischen Nationalpark aufgenommen werden soll, sorgt vor allem bei den Sägewerks- und Privatwaldbesitzern sowie bei Forstdienstleistern für Unmut. Foto: Sandra Hüttner  

Neuengrün - Nicht jeder schreit Hurra angesichts des Vorschlages des Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU), dass der Frankenwald in die Diskussion um einen dritten bayerischen Nationalpark mit aufgenommen wird. Die Nachricht sorgt vor allem bei den Interessensgruppen der Sägewerks- und Privatwaldbesitzer sowie der Forstdienstleister für Unmut. Einer von ihnen ist Forstwirt Ralf Kremer aus dem Geroldsgrüner Ortsteil Steinbach (Landkreis Hof). Er hat deshalb für Dienstag zu einer Informations- und Diskussionsrunde eingeladen. Der Saal des Dorfwirtshauses Hildner in Neuengrün platzte aus allen Nähten. Je später der Abend, desto emotionaler wurde die Diskussion. Applaus brandete immer dann auf, wenn die Wortmeldung zu einem "Nein" zum Nationalpark tendierte oder deutlich ausgesprochen wurde.

Alle Interessensgruppen beteiligen sich am Dialog zum Nationalpark

Der Initiator der Diskussionsveranstaltung in Neuengrün, Ralf Kremer, wurde als Vertreter der Forstwirte für das bald beginnende Dialogverfahren benannt. "Das ist ein Riesen-Schritt. Damit haben nun alle Interessensgruppen dem Dialog zugestimmt", freut sich Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU), der den Frankenwald als möglichen dritten bayerischen Nationalpark ins Gespräch gebracht hat. Alle bisher gestellten Fragen seien berechtigt und müssten beantwortet werden, meint Baumgärtner auf NP -Nachfrage. Deshalb sei es wichtig und richtig, den Dialog zu starten. "Ich sehe es als meine Aufgabe, Angebote in die Region und dort in die Diskussion zu bringen. Als Abgeordneter handelt man nicht verantwortungsbewusst, wenn man so eine Chance von vorneherein ablehnt", sagt er mit Blick auf die Äußerungen seiner Landtagskollegen Ludwig Freiherr von Lerchenfeld (CSU) und Klaus Adelt (SPD).

Baumgärtner: "Ich habe aber größtes Verständnis für Lerchenfeld. Denn er verdient schließlich als Forstwirt seinen Lebensunterhalt. Allerdings haben wir in der CSU-Landtagsfraktion beschlossen, dass wir den Dialog-Prozess führen. Das ist kein Alleingang von mir, sondern Beschlusslage des Kabinetts und der Fraktion."

Warum war er nicht selbst bei der Veranstaltung in Neuengrün? "Am Wochenende habe ich Ralf Kremer gefragt, ob ich daran teilnehmen soll. Da hieß es, dass man unter sich bleiben will - maximal noch mit den Bürgermeistern." bia

 

Der Hofer Landrat Oliver Bär erntete mit seiner Aussage "Ich mag unseren Frankenwald so wie er ist" große Zustimmung. Bär wies aber auch darauf hin, dass es nicht nur Gegner gebe, sondern auch Unternehmen, die sich von einem Nationalpark "etwas versprechen". Der Landkreis-chef hatte auch Fragen, die es noch zu klären gelte: Beispielsweise was passiert mit der Fichtenkultur, wenn man diese dem Borkenkäfer überlässt? Und freuen sich dann Touristen an diesem Bild?

Initiator Ralf Kremer meinte, dass die Gegner des Nationalparks die Buhmänner werden könnten. Dem widersprach der Hofer Landkreischef vehement: "Ihr werdet nicht die Buhmänner sein, wenn die Idee nicht realisiert wird. Da jeder seine Interessen vertritt und das auch erwartet wird."

Dialogbereitschaft, das Anhören der Pläne, des Konzeptes für den Nationalpark forderten die Bürgermeister Michael Pöhnlein, Nordhalben, und Jens Korn, Wallenfels. "Wir wären schlechte Bürgermeister, wenn wir nicht jedes Angebot von allen Seiten prüfen und alle Argumente anhören würden", unterstrich Korn, der aber auch versicherte: Kein Nationalpark, wenn es Verlierer in der Region gibt. Er wisse um die Risiken der drei Berufsgruppen, wenn der Nationalpark kommen sollte: der Sägewerker, der Forstdienstleister und der Privatwaldbesitzer. "Es wird nur eine Zustimmung geben mit der Bevölkerung und ohne Verlierer und Verluste", unterstrich Korn.

Ein vehementes "Nein" gab es per schriftlicher Stellungnahme vom Berufsverband der Forstunternehmer in Bayern mit der Überschrift "Nationalpark Frankenwald - der Irrsinn kennt keine Grenzen". Darin ist unter anderem zu lesen von der Vernichtung von Arbeitsplätzen oder einer Borkenkäferkatastrophe. "Wir brauchen überhaupt keinen dritten Nationalpark in Bayern, weder im Frankenwald noch sonst wo. Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass für den Artenschutz nicht Großschutzgebiete notwendig sind, sondern die Verzahnung von vielen kleinen Trittsteinen. Also geht es nicht um eine fachliche Entscheidung, sondern um eine rein politische auf Kosten der Landbevölkerung", lautet der Schlussabsatz.

Für den Frankenwaldverein sprach Hauptvorsitzender Dieter Frank, zugleich Bürgermeister von Schwarzenbach am Wald: Seit September 2015 sei der Frankenwald die erste "Qualitätsregion Wanderbares Deutschland" in Bayern. Aushängeschilder seien der 242 Kilometer lange Fern-Rundwanderweg FrankenwaldSteig, der einmal rund um die Region führt, und die 32 FrankenwaldSteigla. "Darin steckt unendlich viel ehrenamtliche Arbeit, weit über 1000 Stunden und das soll vielleicht alles nichts mehr wert sein?", fragte Frank. Er hoffte, dass die Arbeit nicht umsonst gewesen sei, denn die Folge wären wohl viele Ämter-Niederlegungen und der Wegfall der Zertifizierung, weil es in einem Nationalpark wohl nur wenige Wege gebe. Kritisch merkte er an, dass es ein schlechter Start für einen Dialog sei, wenn man davon aus der Presse erfahre. Er erntete Beifall für seine Ausführungen, dass andere Regionen keinen Nationalpark wollen und dann "halt nach Nordbayern gegangen wird, die machen das schon".

Die Landtagsabgeordneten Ludwig von Lerchenfeld (CSU) und Klaus Adelt (SPD) sprachen sich beide gegen den Nationalpark aus. Adelt hält den Frankenwald mit seinen Fichten für wenig geeignet und meinte, dass wohl ein Buchen- oder Eichenwald sinnvoller wäre. "Unser Frankenwald ist durch die Bewirtschaftung eine Schönheit. Den kann man nicht der Natur überlassen."

Ludwig Freiherr von Lerchenfeld erinnerte an die Versammlung der Sägewerksbesitzer Stunden zuvor in Wallenfels. Er sprach von jährlich 340 000 Festmetern Holz und 240 Mitarbeitern. "Mit einem Nationalpark wird sich das eklatant verändern. Denn 10 000 Hektar Waldfläche würden wegfallen, aus dem Wirtschaftszyklus genommen, was bis 140 000 Festmeter weniger bedeutet." Von Lerchenfeld unterstrich, dass nicht die Bevölkerung für oder gegen einen Nationalpark entscheide, sondern der Landtag.

Jochen Winning, Geschäftsführer des Verbands der Holzwirtschaft und Kunststoffverarbeitung Bayern-Thüringen, erinnerte an die Aussage von Ministerpräsident Horst Seehofer, dass keine Entscheidung gegen die Bevölkerung getroffen wird. "Wir werden ihn beim Wort nehmen." Winning erklärte, dass die Sägeindustrie gegen den Nationalpark sei, unabhängig wo in Bayern. "Wir brauchen den Rohstoff Holz, sonst wird der Konkurrenzkampf größer."

Sägewerksbesitzer Reinhard Müller-Gei erklärte, der Staatsforst Nordhalben umfasse etwa 16 000 Hektar Waldfläche, Rothenkirchen 14 000 Hektar, die aber nicht alle im Landkreis Kronach ansässig seien, sondern auch außerhalb bis Neudrossenfeld und Weismain. "Die Fläche würde ausreichen, aber dazwischen liegen auch Privatflächen", erklärte Müller-Gei. "Hier müsste eventuell dazu gekauft werden, was sich für den ein oder anderen gut anhört: Staatsforst kauft Wald und bezahlt gut oder geht über Tauschflächen, wenn einer nicht verkaufen will."

Müller-Gei erläutere, dass der Nationalpark eine Kernzone haben werde, die von jeglicher Bewirtschaftung ausgenommen ist. Außen herum werde es eine Schutzzone geben, mit nur bedingter Bewirtschaftung und auch die Bejagung sei ein Thema für sich. Müller-Gei: "Die Flächen darum sind mit Blick auf den Borkenkäfer gefährdet."

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Sandra Hüttner
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Veröffentlicht am:
24. 05. 2017
20:28 Uhr

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Sandra Hüttner

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Veröffentlicht am:
24. 05. 2017
20:28 Uhr



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