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Naila

Zuzug und Integration tun der Region gut

Ernst Crasser sieht in der Ansiedlung von Familien aus Ballungs- räumen eine Chance für die Region. Er sucht Mitstreiter, mit denen er seine Heimat unterstützen will.



Integration von Migranten in die Arbeitswelt kann helfen, den Fachkräftemangel zu lindern.	Symbolfoto: Drobot Dean/Adobe Stock
Integration von Migranten in die Arbeitswelt kann helfen, den Fachkräftemangel zu lindern. Symbolfoto: Drobot Dean/Adobe Stock   » zu den Bildern

Naila - Ernst Crasser ist ein bekennender Frankenwäldler - der 56-jährige Nailaer liebt seine Heimat und lebt hier mit Begeisterung. Er macht sich jedoch Sorgen um die Zukunft der Region. Probleme wie Fachkräftemangel, demografische Entwicklung und die aus seiner Sicht mangelhafte Eingliederung der Asylbewerber treiben ihn um. Zur Bevölkerungsentwicklung erklärt er: "Die Hälfte der Hochfranken ist älter als 50. In 20 Jahren sind Altenheimbetreiber die größten Arbeitgeber."

Zur Stärkung von Hochfranken als lebenswerte Region sieht der Nailaer einen "wesentlichen Ansatz im Bereich der Integration von ausländischen Neubürgern". Die Bemühungen um junge Familien, die bisher in den Ballungsgebieten der Großstädte leben, müssten nach seiner Überzeugung ebenfalls intensiviert werden.

Um diese Bemühungen zusammen mit Gleichgesinnten zu unterstützen, will Ernst Crasser mit einer Initiative Mitstreiter gewinnen, um die Menschen in der Region für dieses Thema zu sensibilisieren. Dazu spricht er Unternehmer an, um mit zielgerichteten Projekten die Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt zu unterstützen. "Ich habe mich zunächst auf die Betriebe im Frankenwald konzentriert und bin dabei auf größtenteils positive Reaktionen gestoßen", erläutert Crasser seinen Ansatz. "Es kommen nach und nach weitere Mitstreiter zur Initiative, deshalb geh ich davon aus, dass wir kurzfristig mit den ersten Praktika in den Betrieben loslegen können", gibt sich der Nailaer zuversichtlich. Außerdem sind in diesem Jahr bereits einige kulturelle Events geplant. "Dabei geht es mir auch um die Organisation von Veranstaltungen, bei denen wir, zunächst in Naila, neben kulinarischen Köstlichkeiten aus den Heimatländern der ausländischen Bewohner unserer Stadt deren Herkunftsregionen vorstellen wollen." Ergänzend plant Crasser, andere Organisationen, die sich mit der Entwicklung der Region beschäftigen, zu kontaktieren, um gemeinsame Aktionen zu erarbeiten. Die sozialen Medien sieht ebenfalls als wichtigen Kanal, um auf Vorzüge der Region hinzuweisen.

"Der Austausch verschiedener Kulturen wird für unsere Zukunft immer wichtiger", erklärt er. Bei den Einheimischen will er mit seiner Initiative eine "positive Haltung zur Heimat" fördern: "Alle sollen Flagge zeigen. Dazu gehört auch eine positive Grundstimmung zu einer kontrollierten Einwanderung sowie das Werben um junge Familien aus den Ballungsgebieten: "Sie können bei uns das Leben mit bezahlbaren Mieten, ausreichend Kita-Plätzen und freien Straßen zum Arbeitsplatz richtig genießen."

Der gelernte Brauer war als junger Erwachsener beim Zoll am Münchner Flughafen tätig; nach wenigen Jahren hat es ihn in seine Heimat zurückgezogen. Was er aus diesem Lebensabschnitt "mit Kontakt in die große weite Welt" mit in den Frankenwald gebracht hat, ist das Interesse an fremden Kulturen. Inzwischen arbeitet Crasser als Angestellter bei einem Nailaer Unternehmen. Vor 18 Jahren heiratete er seine Frau Tatiana aus dem weißrussischen Minsk. Gemeinsam mit dem sechsjährigen Sohn Nikita lebt das Ehepaar in einem Haus in Naila. Tatiana und Ernst Crasser haben gemeinsam das baufällige Objekt, ein uraltes Wirtshaus, gekauft und umgebaut. Zum Gespräch im liebevoll dekorierten Wohnzimmer berichten die beiden von einer Entwicklung in der Gesellschaft, die sie beunruhigt: "Viele reden pauschal von der Belastung, die uns die Asylbewerber zurzeit ins Land brächten. Sie berücksichtigen bei ihrem schnellen Urteil nicht, dass das im Normalfall Menschen sind, die - wie wir alle - nur das Beste für sich und ihre Familien suchen und friedvoll in ihrer neuen Heimat leben wollen", sagt Tatiana Crasser. Ihr Mann ergänzt, er könne nicht nachvollziehen, dass Migranten seit drei Jahren in Teilen der Gesellschaft auf heftige Ablehnung stoßen. "Wir brauchen uns doch nur an die Zeit in den 1960er- und 70er-Jahren zu erinnern, als wir händeringend nach Arbeitskräften suchten und aus diesem Grund viele Südländer nach Deutschland geholt haben. Einige von ihnen machen auch bei unserer Initiative mit", sagt Crasser.

Das erlebt er selbst immer wieder, wenn er mit seiner Frau zum regelmäßigen Stammtisch im Eis-Café sitzt: "Von den 15 bis 20 Freunden am Biertisch kommen mehr als die Hälfte aus anderen Ländern. Da sind Schotten oder Amerikaner genauso dabei wie Türken, Italiener, Spanier oder Syrer", erzählt Crasser begeistert von Multi-Kulti-Treffs, die in seiner Heimatstadt bestens funktionieren. "Die gute Lebensqualität in der Region, in Verbindung mit Top-Unternehmen als Arbeitgeber, bietet beste Voraussetzungen für "einen Weg in die richtige Richtung."

Autor
Lothar Faltenbacher

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Veröffentlicht am:
09. 01. 2019
00:00 Uhr

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