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Aufstieg und Fall eines TV-Pioniers

Die Angestellten von Loewe erhalten in wenigen Tagen ihre Kündigungen. Eine Arbeitsmarktexpertin verrät, wie sie einer drohenden Arbeitslosigkeit bestmöglich entgehen können. Gleichzeitig wirft die Neue Presse einen Blick zurück in die Geschichte des Fernsehherstellers und gibt einen Einblick, wie Loewe nach Kronach kam und warum der Betrieb so wichtig für die Stadt war.



Loewe-Mitarbeiter verlassen das Werksgelände an der Industriestraße in Kronach. Ob sie künftig nochmal hier arbeiten werden, ist unsicher.   Foto: Frank Wunderatsch » zu den Bildern

In wenigen Tagen ist ein Großteil der Angestellten von Loewe arbeitslos. Nur einige arbeiten für den TV-Pionier weiter. Wie sieht die Zukunft der Menschen aus?

Mehr als 400 Loewe-Mitarbeiter suchen eine neue Arbeit. Stellenanzeigen heraussuchen, Bewerbungen schreiben, Beratungstermine mit der Agentur für Arbeit ausmachen. So sieht der neue Alltag der Angestellten des TV-Pioniers nun aus. "Wer sich fortbildet, hat die besten Chancen einen neuen Job zu finden", erklärte Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg auf Nachfrage der Neuen Presse am Mittwoch.

Vorbild Alno

Seinen Markennamen hatte Loewe Anfang Juli an den britischen Geldgeber Riverrock verpfändet. Die Investmentfirma ist seit einigen Jahren einer der wichtigsten Kreditgeber des Kronacher Unternehmens. Bekannt wurde sie durch die Sanierung des baden-württembergischen Küchenherstellers Alno. Dort investierte Riverrock erst nach der Pleite wieder. Der Geldgeber begann anschließend wieder Küchen herstellen zu lassen, mit weniger und zudem schlechter bezahlten Mitarbeitern. Aber damals hatte er zusätzlich zum Markennamen auch Maschinen und Grundstücke des insolventen Küchenherstellers gekauft, wie es in einer Mitteilung vom Dezember 2017 heißt. Im Fall Alno wurden etwa gleich viele Mitarbeiter in einer neuen Gesellschaft wieder eingestellt, wie nun von Loewe entlassen wurden, auch die Auszubildenden. Riverrock hat bis Mittwochnachmittag keine Stellungnahme zum Vorgehen im Insolvenzverfahren und dem Umgang mit dem Markennamen abgegeben.

Sie rät den Loewe-Angestellten, Schulungen der Agentur zu besuchen. Dazu seien viele Menschen nur bedingt bereit, da sie doch hoffen, an ihren alten Arbeitsplatz weiterzuarbeiten. Vor allem gut qualifizierte Mitarbeiter werden laut Glos gesucht. Bei ihr lägen Anfragen von anderen Arbeitsagenturen und Firmen aus ganz Deutschland auf dem Tisch. Denn Betriebe der Unterhaltungselektronik wie Loewe gebe es in der Region Kronach kaum. "Die Zeiten, in denen händeringend Mitarbeiter in der Produktion gesucht werden, sind vorbei." Im Dienstleistungssektor hingegen sei die Nachfrage weiterhin groß. Deshalb sei es wichtig, flexibel zu sein, was den künftigen Berufswunsch angehe. Viele Loewe-Mitarbeiter klammerten sich daran, dass sie ein Investor nach der Pleite in einer neuen Firma auf dem Loewe-Gelände weiterbeschäftige. Garantieren könne das aber niemand. Sie schätzt, dass die Arbeitslosenquote im Landkreis Kronach von derzeit 2,8 auf mehr als drei Prozent ansteige. Bereits jetzt hätten sich dort 50 Prozent mehr Menschen arbeitslos gemeldet, als im vergangenen Jahr.

Ende der Woche erhalten die Loewe-Angestellten ihre Kündigungen. Das sei möglich, da sich Betriebsrat und Geschäftsführung in der vergangenen Woche unter anderem auf einen Sozialplan geeinigt hatten, erklärte Jürgen Apfel, IG-Metall-Beauftragter für Loewe. Für wenige Mitarbeiter ist aber trotz der Pleite Ende der Woche noch nicht Schluss.

45 Angestellte gehen weiterhin Tag für Tag an ihren Arbeitsplatz auf dem Werksgelände an der Industriestraße. "Wir arbeiten jetzt Aufträge von Fremdfirmen ab", erklärt Loewe-Mitarbeiter Thorsten Schmidt (Name von der Redaktion geändert ). Dennoch habe er sich am Donnerstag von den Mitarbeitern der Agentur für Arbeit beraten lassen. Daraufhin habe er sich arbeitssuchend gemeldet, um Jobangebote zu erhalten. Denn laut Schmidt werden er und seine Kollegen bis spätestens Ende Oktober bei Loewe beschäftigt. "Wie lange ich wirklich dort arbeiten werde, hängt von einem Investor ab", sagt er mit Blick auf seine berufliche Zukunft. Die Geschäftsführer hätten während der Krise ihm und seinen Kollegen in den Werkhallen nicht wirklich gesagt, wie es um den Betrieb steht, ob Loewe eine Zukunft hat. Er habe viele Entwicklungen nur aus den Medien erfahren. Dennoch sagt er: "Ich hoffe natürlich, dass es weitergeht."

Auch Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (Freie Wähler) wünscht sich, dass der Fernseh-Pionier und seine Arbeitsplätze erhalten bleiben. Denn das Firmengelände gehört der Stadt. Das hatte Loewe während seiner ersten Insolvenz im April 2014 an die Kommune verkauft und anschließend gemietet. Falls Loewe tatsächlich Pleite ginge, habe man eine riesige Aufgabe vor sich, neue Mieter für das Areal zu finden. Neue Firmen hätten aber bereits angefragt. Beiergrößlein arbeite daran, das Gelände auch ohne Loewe weiter zu bewirtschaften. "Noch plane ich mit Loewe." Ob Loewe in Kronach eine Zukunft hat, dazu möchte er sich nicht äußern. Er sagt nur: "Es ist mehr als bedenklich, dass nun mehrere hundert Menschen arbeitslos sind."

Laut Jürgen Apfel haben einige Loewe-Mitarbeiter schon zum August eine neue Stelle gefunden. Zahlen könne er aber nicht nennen. "Es ist toll für alle, die einen neuen Job finden." Die 45 Mitarbeiter verbleiben laut Apfel je nach Zeit der Betriebszugehörigkeit noch höchstens drei Monate im Betrieb. Diese sollen die Geschäftsführung unter anderem bei der Suche nach einem Investor unterstützen. Doch selbst wenn sich ein neuer Geldgeber finde, müsse er sich neue Mitarbeiter suchen. Dann könnte ein Großteil der ehemaligen Loewe-Mitarbeiter aber bereits neue Anstellungen gefunden haben. Vor allem um die rund 40 Auszubildenden macht sich Apfel sorgen. Diese hätten es schwer gehabt, einen Arbeitgeber zu finden, bei dem sie ihre Lehre fortsetzen konnten. "Vom Insolvenzverwalter hätte ich mir mehr Unterstützung für die jungen Menschen erwartet." Inzwischen hätten mehr als die Hälfte einen neuen Ausbildungsbetrieb gefunden.

"Wir arbeiten an einer Möglichkeit, dass Loewe weiter besteht", heißt es von Seiten des Insolvenzverwalters "Wallner Weiß". Bis spätestens Ende des Jahres wolle man wissen, ob und wie es mit dem Betrieb weitergeht. Das am 1. Juli begonnene Insolvenzverfahren aber dauere wahrscheinlich noch Jahre. Nun verkaufe man Bestandteile des Vermögens wie Patente, Marken und Maschinen. 200 Investoren habe man angesprochen. Dennoch werde allen Mitarbeitern gekündigt. Der Verkauf der Vermögensbestandteile geschehe in Abstimmung mit dem Inhaber der Loewe-Markenrechte, da ein Verkauf aller Bestandteile zusammen für einen Investor am attraktivsten sei (siehe Infokasten).

Loewe-Beschäftigter Thorsten Schmidt hat trotz der drohenden Insolvenz noch keine Bewerbungen an andere Firmen geschrieben. "Für mich bricht eine Welt zusammen." Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeite er für Loewe und wurde noch nie entlassen. Eines möchte er nicht: Dass die Marke zwar gerettet, die Produktion aber ins Ausland verlagert wird. Dafür arbeite er bis zuletzt für Loewe weiter. "Der Standort des Erfinders des deutschen Fernsehen ist in Kronach."

 

Pioniergeist machte einst das Unternehmen groß: Noch 1998 feierte Loewe 75-jähriges Bestehen. Damas betrug der Umsatz 500 Millionen Mark bei 1300 Beschäftigten. Mit der Insolvenz verliert nun auch die Stadt und der Kreis Kronach eine prägende Wirtschaftskraft.

Die wirtschaftlichen Turbulenzen mit dem möglicherweise endgültigen Aus des Kronacher Fernsehherstellers Loewe dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Unternehmen mit zuletzt mehr als 400 Beschäftigten über Jahrzehnte hinweg im Landkreis Kronach einen beachtlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung leistete. In den fast 100 Jahren ihres Bestehens - die Gründung erfolgte 1923 in Berlin - hat Loewe weltweit Rundfunk- und Fernsehgeschichte geschrieben. Bedeutende Männer wie Manfred von Ardenne oder Dr. Siegmund Loewe gelangen bahnbrechende Erfindungen und setzten so den Grundstein für eine technologische Erfolgsgeschichte.

Rückblende: 1923 gründeten die Brüder Dr. Siegmund und David Loewe mit zwei Partnern die Radio Frequenz GmbH in Berlin/Friedenau. Es war damals die wohl richtige Zeit für ein innovatives Unternehmen, denn nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs herrschte wieder Aufbruchstimmung. Schon die 1924 zum Patent angemeldete Loewe Dreifachröhre - die erste integrierte Schaltung in der Geschichte der Elektronik - brachte den wirtschaftlichen Durchbruch. Diese Erfindung war die Basis für das erste kostengünstige Radiogerät. Auf einer Sonderschau in Berlin präsentierte Loewe den Ortsempfänger "OE 333" zum Preis von nur 39,50 Mark. Tagesstückzahlen von über 2000 Einheiten ließen das Produktionsvolumen bereits 1926 die Millionengrenze überschreiten und münzten den technischen Fortschritt zum wirtschaftlichen Erfolg.

Der ganz große Durchbruch der noch jungen Firma gelang 1931. Loewe stellte mit dem berühmten Wissenschaftler Manfred von Ardenne (1907-1997) auf der Funkausstellung in Berlin zum weltweit ersten Mal der Öffentlichkeit das vollelektronische Fernsehen vor. Bereits einige Tage vorher, am 16. August 1931, kündigte die "New York Times" die erste vollelektronische Filmübertragung auf der am 21. August stattfindenden Berliner Funkausstellung an. Nur zwei Jahre nach dieser sensationellen Vorführung stellte Loewe 1933 den ersten serienreifen, elektronischen Fernseher auf der Funkausstellung vor.

Aufgrund der Machtübernahme durch das NS-Regime 1933 sowie durch den Zweiten Weltkrieg mit der abschließenden Schlacht um Berlin und dessen Besetzung durch die Rote Armee wurden die Karten für Loewe völlig neu gemischt. Während das Berliner Hauptwerk nach schweren Bombenschäden und restloser Demontage seine Fertigungsstätten wieder aufbaute, begann 1945 eine kleinere Zweiggruppe unter der Führung eines engen Mitarbeiters von Dr. Siegmund Loewe zunächst in der Küpser Porzellanfabrik Edelstein unter äußerst schwierigen Umständen mit unterschiedlichsten Arbeiten.

Bei den Mitarbeitern handelte es sich vorwiegend um Betriebsangehörige des Berliner Loewe-Stammwerkes, aber auch um Flüchtlinge. Die Belegschaft betrug damals etwa 80 Personen. Man beschränkte sich zunächst auf die Herstellung und Reparatur von Haushaltsgeräten sowie auf die Reparatur von landwirtschaftlichen Maschinen und altersschwachen Radios. Weiterhin stellte man Lampen her - aus Holz! Um den nötigen Rohstoff zu erhalten, fuhren Direktor Bruno Piper und Prokurist Hans Oberländer mit einem Fahrrad, später mit einem Motorrad, in die Täler des Frankenwaldes. Sehr bescheiden begann man schließlich mit der Produktion von Radios, von denen täglich zwei mit dem Namen "Kronach" das Werk verlassen.

Als die Küpser Porzellanfabrik ihre Räume wieder benötigte, hielten die Loewe-Verantwortlichen Ausschau nach einem neuen Standort. Und die Wahl fiel auf Kronach. Hinter der Kronacher Porzellanfabrik Stockhardt & Schmidt-Eckert erfolgte am 7. September 1947 der erste Spatenstich. Als große Förderer erwiesen sich die Kronacher Bürgermeister Baptist Thron (1883-1966) und Konrad Popp (1899-1978). Unter der Leitung von Direktor Bruno Piper - er erhielt 1966 die Ehrenbürgerwürde von Kronach - ging damals ein Häuflein Unentwegter an die schier unlösbar scheinende Aufgabe, eine Fabrikationsstätte für zunächst rund 250 Arbeiter zu schaffen. Nur wenige Fachleute hatten es in kurzer Zeit geschafft, eine stattliche Gefolgschaft in das schwierige Arbeitsgebiet des Radiobaus einzuweisen. Und dies war eine bemerkenswerte Pionierleistung.

Innerhalb eines Jahres entstehen die Hallen 1 und 2 und zwei Längsbauten, die durch einen Querbau miteinander verbunden sind. Schließlich wurden dem Neubeginn durch die Währungsreform 1948 noch einmal Steine in den Weg gelegt. Doch die Radiotypen "Kronach" und "Lauenstein" wurden immer gefragter. Schon 1949 lief die Produktion auf vollen Touren. 30 000 Radios wurden verkauft. Der Aufwärtstrend zeigte sich auch an der wachsenden Zahl der Belegschaftsmitglieder, die inzwischen auf 500 angestiegen war. Hinzu kamen im Jahre 1950 noch etwa 300 Personen, die in Zulieferbetrieben des Landkreises arbeiteten.

1950 schrieb die Neue Presse voller Begeisterung: "Hier - im Frankenwald - vollzieht sich das deutsche Wunder! Hart an der Zonengrenze surren heute die Räder und dröhnen die Stanzen. Aus den großen Werkshallen gehen die Loewe-Opta Erzeugnisse hervor, die als ein Inbegriff von Zuverlässigkeit und Hochwertigkeit jeder sorgfältigen Prüfungen standhalten..." Als 1951 in Deutschland der offizielle Fernsehbetrieb aufgenommen wird, führt ein Hindernis - nämlich die weite Entfernung zum nächsten Fernsehsender - zu einer Einrichtung, die in ganz Europa Anerkennung findet: Auf der 678 Meter hohen Radspitze bei Seibelsdorf entsteht der erste europäische Fernsehumsetzer.

Mit dieser Erfindung leistet Loewe Pionierarbeit für die Fernsehversorgung weltweit. Der Durchbruch ist damit geschafft. 1953 werden bereits 2000 Fernsehgeräte gefertigt. 1954 schnellte dann die Zahl der Mitarbeiter auf 1360. Später befinden sich im Angebot Tonbandgeräte, Blitzgeräte sowie ab 1961 tragbare, volltransistorisierte Fernsehgeräte mit 25-Zentimeter-Bildröhren. 1962 schnellte dann die Belegschaft auf 3000 Mitarbeiter. 1967 bietet Loewe-Opta den ersten Farbfernseher an. Ein Jahr später läuft der zweimillionste Fernseher vom Band. 1965 stehen in der Firma 2600 Frauen und Männer in Lohn und Brot. Und 1870 Mitarbeiter pendeln von auswärts nach Kronach. Aus diesen Zahlen ist deutlich der einstige hohe Stellenwert von Loewe-Opta für die Menschen im Frankenwald ersichtlich.

1987 und 1988 wird mit einem Kostenaufwand von 12,5 Millionen Mark ein Entwicklungszentrum aus dem Boden gestampft. Und am 19. Oktober 1992 kann Europas modernste TV-Fertigungslinie offiziell eingeweiht werden. Das Know-how kommt vom japanischen Partner Matsushita. Der hohe Automatisierungsgrad, so Loewe-Chef Dr. Rainer Hecker damals, verringere bei der Kostenkalkulation die ansonsten starke Lohnabhängigkeit.

Im Jahre 1998 - also zum 75-jährigen Bestehen - sieht die wirtschaftliche Situation noch günstig aus. Das Kronacher Unternehmen, das einschließlich der UT Loewe Automotive Electronics GmbH rund 1300 Mitarbeiter beschäftigte, erzielte einen Umsatz von 500 Millionen Mark. In den Folgejahren wird der Markt immer schwieriger - eine Neuheit jagt die andere. Und der Kronacher Fernsehgeräte-Hersteller hat trotz großer Anstrengungen das Nachsehen. Mit der Globalisierung der Märkte ergaben sich neue Chancen, aber auch neue Risiken. In immer schnelleren Intervallen werden neue Produkte auf den Markt geworfen. Eine gewaltige Herausforderung für Loewe. Und die finanzstarke Konkurrenz aus Fernost wird immer stärker.

Am 7. Juli 1999 ging Loewe an die Börse. Sie startete mit 7 075 000 Stückaktien bei einem Emissionskurs von 17 Euro. Das Allzeithoch lag am 31. August 2000 bei immerhin 39,75 Euro. Am 11. September 2001 folgte dann ein Kurseinbruch auf rund 20 Euro. Im Sommer 2004 machte sich die Unternehmenskrise mit einem Tiefstand von 4,17 Euro deutlich bemerkbar. Die Loewe-Aktie flog aus dem SDAX. Wenig später kam es zum Totalverlust für die Anleger. Still und leise verschwand am 8. Oktober 2014 die Loewe-Aktie vom Markt.

Nachdem sich das Kronacher Traditionsunternehmen jahrelang im freien Fall befunden und die Medien sich mit Negativschlagzeilen förmlich überboten hatten, kamen mit dem Einstieg von Stargate Capital wieder gute Nachrichten an die Öffentlichkeit. Und in der Tat. Die Internationale Funkausstellung in Berlin 2014 ließ Hoffnung aufkommen, denn der Kronacher Fernsehhersteller setzte nach dem Neuanfang auf den Trend zur Vernetzung, um die Krise hinter sich zu lassen.

Eine zu schwache Kapitalausstattung, des immer schwieriger werdenden Marktes sowie der Trend hin zu Billigprodukten brachte Loewe auf die Verliererstraße. Die Mitarbeiter durchlebten in den letzten Jahren ein Wechselbad an Gefühlen. Die Konsequenz der Talfahrt: Der insolvente Kronacher TV-Hersteller stellt den Geschäftsbetrieb ein. Ob es für Loewe noch eine Zukunft gibt, ist unsicherer denn je.

 

Die Entwicklung des Kronacher Unternehmens Loewe von 1923 bis 2019

1923:

Die Brüder Siegmund Loewe und David Ludwig Loewe gründen in Berlin die Radiofrequenz GmbH. Sie produzieren zunächst Radiogeräte, später weitere Elektronikprodukte.

 

1939:

Nach der Machtübernahme durch die Nazis müssen die Brüder wegen ihrer jüdischen Wurzeln aus Deutschland fliehen. Vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges verlagert das Unternehmen die Produktion nach Küps.

 

1946:

Loewe zieht komplett nach Kronach um.

 

1950:

Loewe stellt das erste Kassetten-Tonbandgerät "Optaphon" vor. Innovationen folgen Jahre später mit dem ersten europäischen Videorekorder und dem ersten tragbaren Fernseher.

 

1999:

Loewe geht an die Börse.

 

2004:

Es gibt finanzielle Schwierigkeiten. Der japanische Konzern Sharp kauft sich bei Loewe ein.

 

2010:

Loewe ist in die Verlustzone geraten. Experten sagen: Das Unternehmen habe zu lange an der Röhren-Technik festgehalten Die Konkurrenz aus Fernost wird immer stärker.

 

März 2013:

Loewe fasst einen Sanierungsplan, etwa 200 der1000 Arbeitsplätze in Kronach fallen weg.

 

Juli 2013:

Loewe beantragt ein Schutzschirmverfahren, um sich vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen. Einen Partner findet Loewe im chinesischen Fernsehproduzenten Hisense International.

 

September 2013:

Loewe verkündet einen Abbau von 150 Mitarbeitern.

 

Oktober 2013:

Loewe beantragt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

 

Januar 2014:

Panthera übernimmt Loewe. 100 Mitarbeiter werden gekündigt. Sie können in die Transfergesellschaft wechseln.

 

Februar 2014:

Am 24. Februar tritt Panthera vom Kaufvertrag zurück. Die Gläubigerbanken hätten sich nicht an die zugesicherte Freigabe von Sicherheiten gehalten, begründen die Investoren ihren Schritt. Anderen Quellen zufolge haben sich die Banken deshalb geweigert, weil Panthera die Finanzierung nicht gewährleisten konnte. Loewe kündigt rechtliche Schritte an. Gleichzeitig will das Unternehmen mit einem Interessenten, der im Januar nicht zum Zuge kam, über eine Übernahme verhandeln.

 

März 2014:

Der Investor, Stargate Capital aus München, zeigt Interesse. Allerdings besteht eine Finanzierungslücke von rund 2,5 Millionen Euro. Helfen soll ein Immobilien-Deal: Am 11. März beschließt die Stadt Kronach, Loewe ein Kaufangebot über Teile des Firmen-Areals zu unterbreiten. Auch die Deutsche Bank sagt finanzielle Unterstützung zu. Am 21. März unterschreibt Stargate Capital den Kaufvertrag. 95 Mitarbeitern wird dennoch gekündigt.

 

April 2014:

Anfang April beschließt der Kronacher Stadtrat die Übernahme sämtlicher Loewe-Gebäude. Sie sollen künftig an das Unternehmen vermietet werden.

 

September 2014:

Neue Fernsehgeräte sollen in Kronach gefertigt werden. Dadurch können 50 der 95 Mitarbeiter, die gekündigt worden waren, wieder ins Unternehmen zurückkehren.

 

Juli 2015:

Bei Loewe geht es wieder aufwärts. Die Firma verzeichnet wieder Umsatzzuwächse und beschäftigt mittlerweile 504 Mitarbeiter.

 

Februar 2018:

Der unabhängige Kreditfonds Bright Capital mit Sitz in Frankfurt unterstützt die weitere Entwicklung von Loewe.

 

Juni 2018:

Der Fernseh-Hersteller meldet Kurzarbeit an. Betroffen sind 121 Beschäftigte in der Produktion. Das Unternehmen nennt Absatzprobleme als Grund.

 

November 2018:

Loewe beendet die Kurzarbeit wieder.

 

Mai 2019:

Der einstige TV-Pionier beantragt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Zu diesem Zeitpunkt hofft die Geschäftsführung noch auf einen neuen Investor, der mit seinem Geld das Unternehmen und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter rettet.

 

Juli 2019:

Loewe ist endgültig Pleite. Ein Investor und neues Kapital hat sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gefunden. Der Fernseh-Pionier stellt zum 1. Juli den Betrieb ein. Die zuletzt noch mehr als 400 Angestellten werden vorerst von ihrer Arbeit freigestellt, bevor sie Ende des Monats ihre Kündigungen erhalten.

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Gerd Fleischmann, Yannick Seiler
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Veröffentlicht am:
24. 07. 2019
20:33 Uhr

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Gerd Fleischmann, Yannick Seiler

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24. 07. 2019
20:33 Uhr



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