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Länderspiegel

Angeklagter sieht sich als Opfer des Systems

Insolvenzanwalt aus Bayreuth bestreitet vor Gericht jeden Vorsatz. Vielmehr habe er Urkunden gefälscht, um sich zu schützen.



Hof - Torsten R. sitzt zu Unrecht auf der Anklagebank und er sitzt zu Unrecht seit dem 7. Dezember 2017 in Untersuchungshaft - zumindest wenn es nach Torsten R. geht. Am 34. Verhandlungstag seines Prozesses wegen Untreue, Urkundenfälschung und Betrug legte der Bayreuther Rechtsanwalt in einer ausführlichen Erklärung dar, warum er nach seiner Einschätzung fälschlicherweise strafrechtlich verfolgt werde. Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Hof den ehemaligen Insolvenzverwalter angeklagt, weil er in Hunderten von Fällen Gelder der von ihm betreuten Firmen unberechtigt an sich genommen und für seinen Kanzleibetrieb verbraucht haben soll. Der Schaden gehe in die Millionen. Solche Vorschüsse auf sein Honorar dürfe ein Insolvenzverwalter nur mit schriftlicher Genehmigung des zuständigen Amtsgerichts einziehen. Bei Verstößen dagegen verwirke er sämtliche Vergütungsabsprüche. Da Torsten R. in einigen der Verfahren trotzdem mit der Schlussrechnung sein Resthonorar anforderte, sei von einem weiteren Schaden von über 1,3 Millionen Euro auszugehen.

Torsten R. wendet dagegen ein, dass er nur das gemacht habe, was insbesondere bei den Amtsgerichten Bayreuth und Hof damals gängige Praxis gewesen sei. Dort sei ihm immer wieder mündlich gestattet worden, Vorschüsse auf seine Vergütung aus der Masse zu entnehmen. Er sei sich keinerlei Pflichtverletzung bewusst. Die zuständigen Rechtspfleger hätten dies eben nicht dokumentiert. Wenn die Rechtsauffassung der Staatsanwaltschaft zutreffe, dann wundere er sich, dass nicht auch gegen die Rechtspfleger Strafverfahren eingeleitet wurden, sagte Torsten R. vor Gericht.

Ein großer Teil der Entnahmen habe ohnehin andere Gründe: Es seien Erstattungen von Kosten, die er für die insolventen Firmen ausgelegt habe. So zum Beispiel für Steuererklärungen, die ein in seiner Kanzlei angestellter Steuerberater erstellt habe. Zu solchen Entnahmen sei er als Insolvenzverwalter jederzeit berechtigt gewesen, auch ohne Zustimmung des Insolvenzgerichts.

All diese Entnahmen seien ordentlich verbucht und hinterher in der Schlussabrechnung des jeweiligen Insolvenzverfahrens berücksichtigt worden. "Die Anklage der Staatsanwaltschaft Hof entbehrt jeder Logik", beklagt sich Torsten R. Die Untreue gebe es nach dem Strafgesetzbuch nur als Tat mit Vorsatz, viele der umstrittenen Entnahmen hätten aber Beschäftigte seiner Kanzlei vorgenommen - ohne seine Anweisung oder sein Zutun. Viele der Kontoauszüge habe er nun im Strafverfahren zum ersten Mal gesehen.

Die entnommenen Gelder seien auch zu jeder Zeit durch sein persönliches Vermögen gedeckt gewesen, versichert der Rechtsanwalt. Er habe zwar unmittelbar nach seiner Festnahme seine finanzielle Lage viel verheerender dargestellt, damals habe er aber auch noch nicht gewusst, dass er wegen Untreue verfolgt werde.

Aufgeflogen war Torsten R., weil eine Rechtspflegerin des Amtsgerichts Bayreuth auf gefälschte Kontoauszüge über angebliche Massebestände gestoßen war. Diese Urkundenfälschungen gibt Torsten R. zu. Nachdem er von 1999 an ein System der Hin- und Her-Überweisungen praktiziert habe, sei er 2010 erstmals gezwungen worden, Auszüge der Festgeldkonten vorzulegen. Um nicht eine Strafanzeige und damit seinen beruflichen Ruin zu riskieren, habe er dann zusammen mit einer engen Mitarbeiterin "eine Papierlage" geschaffen. Dass er danach immer wieder Auszüge fälschen musste, sei dann wieder die Schuld der Insolvenzgerichte. Weil sie seine Schlussberichte "jahrelang verschleppten", habe er immer wieder aktuelle Fassungen der Kontostände erstellen müssen.

Als Geschädigten sieht - der inzwischen ebenfalls insolvente - Torsten R. wohl vor allem sich selbst an. Denn selbst, wenn es Fälle von Untreue gegeben haben sollte, wären diese schon länger verjährt.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
13. 05. 2019
20:06 Uhr

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Joachim Dankbar

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13. 05. 2019
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