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Länderspiegel

Bahn-Experte übt heftige Kritik

Helmut Diener schlägt Alarm: Auch der jüngste Vorfall zwischen Schirnding und Schwarzenfeld liege an Schlamperei und der oft mangelhaften Ausbildung bei der Bahn.



Helmut Diener, Bundesvorsitzender des Vereins Mobifair und früher selbst Lokführer, führt den jüngsten Zwischenfall mit einem führerlosen Güterzug auf die schlechten Zustände bei der Bahn zurück. Foto:pr
Helmut Diener, Bundesvorsitzender des Vereins Mobifair und früher selbst Lokführer, führt den jüngsten Zwischenfall mit einem führerlosen Güterzug auf die schlechten Zustände bei der Bahn zurück. Foto:pr  

Marktredwitz - Nach dem Zwischenfall mit einem Güterzug, der vergangene Woche ohne Bremsen rund 100 Kilometer durch die Oberpfalz gerollt war (wir berichteten), übt Helmut Diener heftige Kritik am deutschen Bahnwesen. Der Marktredwitzer ist Bundesvorsitzender von Mobifair. Der gewerkschaftsnahe Verein mit Sitz in Frankfurt setzt sich für mehr Sicherheit im Schienenverkehr ein.

Obwohl der ausgebildete Lokführer Diener sich seit Jahrzehnten mit dem Thema befasst, könne er sich an etwas Vergleichbares nicht erinnern. "Es kommt schon vor, dass sich ein Waggon selbstständig macht, aber so etwas habe ich noch nie gehört", sagt Diener, der bis vor einigen Jahren bei der Gewerkschaft Transnet in Weiden beschäftigt war. Die Schuld liegt nach derzeitigem Stand bei den Lokführern, die die Bremsen an dem mit Holz beladenen Güterzug falsch gekoppelt und auf den obligatorischen Bremstest verzichtet hatten. Die etwa fünfminütige Prozedur hätte sofort gezeigt, dass die Bremsen an dem rund 1500 Tonnen schweren Zug nicht greifen, sagt Diener. Allerdings weigere er sich, die beiden inzwischen wohl gekündigten Männer zu den alleinigen Sündenböcken zu machen. Vor allem das Eisenbahnbundesamt komme seiner Kontrollpflicht nicht ausreichend nach.

Die Misere habe bereits mit der Bahnprivatisierung ihren Anfang genommen. Damals wurde der Markt für private Anbieter geöffnet, das Kontrollsystem sei aber nie angepasst worden. "Heute gibt es rund 450 Bahnunternehmen in Deutschland", rechnet Diener vor. Die Einhaltung von Gesetzen und Vorgaben werde diesen Unternehmen selbst überlassen. "Es muss erst etwas passieren, damit das Eisenbahnbundesamt aktiv wird."

Fehlende Kontrollen und hoher Konkurrenzdruck seien für die Unternehmen Anreiz, es mit den Bestimmungen nicht so genau zu nehmen. So sei es ein offenes Geheimnis, dass die vorgegebenen Höchstarbeitszeiten für Lokführer regelmäßig nicht eingehalten werden, 15-Stunden-Fahrten auf Güterzügen sind demnach keine Seltenheit.

Auch die Prüfung der Ladungssicherheit auf den Zügen werde zu oft vernachlässigt. Diener sagt aber auch, dass das Unternehmen, dem der ungebremste Zug von vergangener Woche gehört, bisher nicht negativ aufgefallen ist.

Kritik übt der Mobifair-Chef im Gespräch mit unserer Zeitung an der Lokführer-Ausbildung. "Inzwischen gibt es 33 Schulen in Deutschland", die Standards seien völlig unterschiedlich und würden kaum überwacht. Die Folge sind häufigere Zwischenfälle, die von schlecht ausgebildeten und überforderten Lokführern verursacht werden. "Wir hatten im vergangenen Jahr 540 Signalverfehlungen", rechnet Diener vor. Nie zuvor hätten Lokführer so häufig rote Signale übersehen. Für den Experten ist diese Häufung ein Indiz für mangelhafte Ausbildung.

Autor

Wolfgang Würth
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Veröffentlicht am:
30. 08. 2019
19:44 Uhr

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Autor

Wolfgang Würth

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Veröffentlicht am:
30. 08. 2019
19:44 Uhr



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