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Länderspiegel

Brisante Fracht aus Reaktor B

Abbruchmaterial des Atomkraftwerks Gundremmingen kommt nach Mitterteich. Eine Umweltaktivistin schlägt Alarm.



In den großen Hallen im Atommüllager in Mitterteich soll Abbruchmaterial aus Gundremmingen eingelagert werden. Foto: Archiv
In den großen Hallen im Atommüllager in Mitterteich soll Abbruchmaterial aus Gundremmingen eingelagert werden. Foto: Archiv  

Mitterteich - In das Zwischenlager Mitterteich (Landkreis Tirschenreuth) wird schwach- und mittelradioaktives Abbruchmaterial aus dem Reaktor Gundremmigen B geliefert. In der Lagerhalle der Landessammelstelle befinden sich unter anderem bereits Teile aus dem abgebauten Atomkraftwerk Isar I. Das Zwischenlager gehört nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums zu den Lagern für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gemäß Entsorgungsübergangsgesetz der Bundesregierung vom Januar 2017. Laut einem Sprecher werden seit vielen Jahren entsprechende Betriebs- und Stilllegungsabfälle aus den bayerischen Kernkraftwerken in geschlossenen Behältern zwischengelagert. Die Lagerkapazität in Mitterteich sei derzeit zu knapp 60 Prozent ausgeschöpft. Platz befindet sich dort für rund 40 000 Gebinde.

Der Bescheid des Umweltministeriums mit der Abbruchgenehmigung von Block B wurde jetzt unter anderem der Wunsiedler Grünen-Kreisrätin Brigitte Artmann zugestellt. Sie gehört zu insgesamt 155 Personen, Behörden und Organisationen, die am Einwendungsverfahren teilgenommen hatten. Artmann bemängelt die Einlagerung des Abbruchmaterials in Mitterteich, da es keinen Katastrophenschutzplan für einen Vollbrand des Atommülllagers gebe - zum Beispiel nach dem Absturz eines Flugzeuges. Kampfjets der Bundeswehr und der US-Armee würden das Zwischenlager regelmäßig überfliegen, gibt die Umweltschützerin zu bedenken. Bestes Beispiel: der Absturz eines F16-Kampfjets bei Creußen im Jahr 2016. Dieser sei auch über Mitterteich geflogen.

Artmann ist auch Feuerwehrreferentin der Stadt Marktredwitz. Auch auf der Straße oder auf der Schiene lauere Gefahr. Was tun, wenn bei einem Tanklaster ein Reifen platze und dieser in das in der Nähe der A 93 liegende Zwischenlager rase? Die Feuerwehr sei für solche Unglücke nicht gerüstet. Artmann fordert deshalb einen Katastrophenschutzplan für die Sammelstelle. Artmann hat noch rund gut zwei Wochen Zeit, um Widerspruch gegen den Bescheid einzulegen. Sie wird diesen Klageprozess als Einzelperson aber nicht bestreiten: "Es ist Sache der großen Umweltschutzverbände, vor Gericht zu überprüfen, ob die Abbruchgenehmigung rechtlich korrekt erteilt wurde." Atomgegner kritisieren den schnellen Abbau in Gundremmingen und sehen darin ein Sicherheitsrisiko. Der Bund Naturschutz fordert, dass die radioaktiv belasteten Anlagen erst demontiert werden dürfen, wenn es ein Endlager für die strahlenbelasteten Kraftwerksbauteile gibt. Ein sogenannter sicherer Einschluss müsse geprüft werden. Bei einem sicheren Einschluss wird eine Atomanlage eine längere Zeit - meist mehrere Jahrzehnte - weitgehend unverändert belassen, ehe sie abgerissen wird. Dies dient auch der Reduzierung der Strahlenbelastung der kontaminierten Bauteile. Block B des schwäbischen Kernkraftwerks war Ende 2017 planmäßig nach 33 Jahren vom Netz gegangen.

Gundremmingen war der letzte Atom-Doppelstandort mit zwei aktiven Reaktoren in Deutschland. Block C darf nach dem Atomausstiegsplan noch bis Ende 2021 weiterbetrieben werden. Im vergangenen Jahr produzierte der Meiler 10,4 Milliarden Kilowattstunden Strom. Dies entspreche dem Verbrauch von drei Millionen Durchschnittshaushalten, hieß es.

Das Kernkraftwerk Gundremmingen gehört zu 75 Prozent zum RWE-Konzern, der Rest gehört der Eon-Atomtochter Preussen-Elektra. Der Abriss beider Kraftwerksblöcke soll etwa bis zum Jahr 2040 dauern und rund 1,5 Milliarden Euro kosten. In den vergangenen beiden Jahren hatte die Staatsregierung bereits den Abbau der Kernkraftwerke Isar 1 bei Landshut und des Atommeilers in Grafenrheinfeld genehmigt. we/dpa

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29. 03. 2019
08:08 Uhr

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29. 03. 2019
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