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Länderspiegel

CSU-Granden hadern mit "KT"

Die Spekulationen über eine mögliche Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg irritieren die Christsozialen. Abgeordnete zeigen sich verstimmt.



Das politische Engagement von "KT" sehen nicht alle CSU-Führungskräfte gerne. Zu Guttenberg feiert aber große Erfolge an der Basis wie jüngst in Kulmbach.
Das politische Engagement von "KT" sehen nicht alle CSU-Führungskräfte gerne. Zu Guttenberg feiert aber große Erfolge an der Basis wie jüngst in Kulmbach.  

München - Während die Wahlkampfauftritte des oberfränkischen Adeligen Karl-Theodor zu Guttenberg von interessierten Bürgern regelrecht überrannt werden, äußern sich Mandatsträger zurückhaltend. Für Ärger sorgt vor allem, dass zu Guttenberg als "faktischer Spitzenkandidat" für die Bundestagswahl erscheine, obwohl er gar nicht kandidiere. Der tatsächliche Listenführer Joachim Herrmann werde dadurch in den Hintergrund gedrängt. Zudem haben viele CSU-Abgeordnete zu Guttenberg die Plagiatsaffäre um seine größtenteils abgeschriebene Doktorarbeit und seinen Umgang damit noch nicht verziehen.

Umfragewerte

Die Mehrheit der Wähler von CDU, CSU, FDP und AfD wünscht sich eine baldige Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg in die deutsche Politik. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid für das Nachrichtenmagazin "Focus". Auf Wunsch von CSU-Chef Horst Seehofer engagiert sich Guttenberg derzeit für die CSU im Bundestagswahlkampf.

 

In offiziellen Stellungnahmen lassen sich über die Auftritte Guttenbergs noch positive Aspekte herauslesen. "Es freut mich, dass Karl-Theodor zu Guttenberg für volle CSU-Veranstaltungen sorgt", erklärt CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer. Guttenberg habe in Fragen der Wirtschaft, der Innovation und der Außen- und Sicherheitspolitik viel zur Debatte in Deutschland beizutragen. "Alle weiteren Fragen stellen sich derzeit nicht", betont Kreuzer aber auch und verweist auf entsprechende Aussagen von CSU-Chef Horst Seehofer und Guttenberg selbst. Was allerdings nur die halbe Wahrheit ist, nachdem Seehofer nun in einem Interview erklärt hat, zu Guttenberg sei prinzipiell "überall" einsetzbar, also in Berlin wie in München.

Ex-Parteichef Erwin Huber sieht deshalb in Seehofer den Treiber, dass derzeit in CSU-Kreisen über die Personalie Guttenberg "lebhaft spekuliert" werde. Den aktuellen Hype erklärt Huber mit der anstehenden Bundestagswahl. "Veranstaltungen mit Guttenberg haben starken Zulauf, das tut uns gut im Wahlkampf", sagt er. Es gehe um die Mobilisierung der eigenen Anhänger. "Ich glaube nicht, dass da einer als Roter hineingeht und als Schwarzer wieder herauskommt", urteilt Huber über Guttenbergs Überzeugungskraft. Ob ein Comeback schon jetzt anstehe, wo sich Guttenberg weder um Amt noch Mandat bewerbe, glaubt Huber nicht. Die Rückkehr ist für ihn daher eher "mittelfristig" eine Option - und wenn dann in der Bundespolitik.

Hinter vorgehaltener Hand äußern Abgeordnete viel deutlicher ihre Skepsis. "Wegen mir brauchen wir den nicht, wir haben genug gute Leute in der Partei", erklärt einer aus der Nachwuchsriege. Würde Guttenberg jetzt ohne Amt und Mandat quer einsteigen, brächte das die Statik der Partei durcheinander und brüskiere die, die sich durch Einsatz in den Gremien und Arbeit an der Basis einbrächten. Zu hören ist auch, dass sich viele KT-Jubler wohl vom "von und zu" blenden ließen. Sie gingen allzu bereitwillig darüber hinweg, wie locker und scheinbar ohne echte Reue Guttenberg heute mit seiner abgeschriebenen Doktorarbeit kokettiere.

Guttenberg habe einen "unglaublich großen Wortschatz, aber wenig Substanz", lautet ein weiteres Urteil. Er sei einer für den Stimmenfang, aber keiner, dem man Partei oder Land anvertrauen sollte. Die aktuelle Heimholung und die damit verbundenen Spekulationen seien ein "typischer Seehofer". Vor der letzten Landtagswahl habe der CSU-Chef das gleiche Spiel mit Ilse Aigner gespielt. Von der rede derzeit keiner mehr - inklusive Seehofer. Auch unter CSU-Bundestagsabgeordneten versteht man den Hype nicht. Die Erfolgsbilanz Guttenbergs in seiner Zeit im Bundestag sowie als Minister sei "überschaubar", ließ sich einer zitieren. Immer wieder hört man , dass die von Guttenberg seinerzeit betriebene Abschaffung der Wehrpflicht gegen den Mehrheitswillen in der Partei ein Fehler gewesen sei. Euphorie und Sehnsucht klingen anders.

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Jürgen Umlauft
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Veröffentlicht am:
08. 09. 2017
21:36 Uhr

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Jürgen Umlauft

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Veröffentlicht am:
08. 09. 2017
21:36 Uhr



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