Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Länderspiegel

Der Abstand schrumpft, die Sorge wächst

Seit Wochen machen Nachtschwärmer auf städtischen Plätzen der Staatsregierung Sorgen - der Corona-Infektionsschutz wird oft ignoriert. Ist ein Alkoholverbot die Lösung?



Leere Bierflaschen stehen an der Isar auf einem Abfallcontainer. Foto: Lukas Barth/dpa
Leere Bierflaschen stehen an der Isar auf einem Abfallcontainer. Foto: Lukas Barth/dpa  

München/Bamberg - Milde Sommernächte, ausgelassene Stimmung und ganz wenig Abstand - trotz der anhaltenden Corona-Krise strömen seit Wochen Tausende Menschen im Freistaat abends auf öffentliche Plätze in den Städten. Ob in München an der Isar, auf dem Nürnberger Tiergärtnertor-Platz oder in der Bamberger Altstadt: Die Abstandsregeln halten die Nachtschwärmer oft nicht ein. Aus Sorge vor weiter steigenden Infektionszahlen ermutigt die Staatsregierung die Städte nun ausdrücklich, Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen auszusprechen, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Kritiker sind aber skeptisch - löst ein Verbot das Problem?

"Gerade junge Leute sitzen in den Ferien sicher nicht daheim", sagt Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Durch die anhaltenden Schließungen von Clubs, Bars und sämtlichen anderen Schankwirtschaften fehle den Menschen die konkrete Anlaufstelle. Überfüllte innerstädtische Plätze seien die Folge. "Es ist nach unserer Sicht extrem wichtig, dass man die Leute weg von der Straße bringt", mahnt Geppert.

Polizei und Ordnungsämter sind laut Innenministerium seit Wochen bayernweit an beliebten öffentlichen Plätzen präsent, besonders am Wochenende. Bei "sicherheitskritischen Entwicklungen" - wenn sich etwa spontan Gruppen von Feierlustigen bilden - setze man auf frühzeitiges Einschreiten, Kommunikation und im Einzelfall dann auf Platzverweise. Insgesamt sei die Situation unter Kontrolle.

Dennoch treibt die Sorge, dass Leichtsinn und Unbekümmertheit das Verhalten vieler Menschen zunehmend prägen, die Staatsregierung um. Im gesamten Freistaat könnten deshalb bald auf öffentlichen Plätzen Alkoholverbote gelten. Für solche Regelungen sind aber die Städte verantwortlich - nicht etwa die Staatsregierung. Doch die rät Städten und Landkreisen, im Kampf gegen das Coronavirus entsprechende Verbote zu prüfen. "Alkohol hat enthemmende Wirkung, die Vernunft lässt nach, die Abstände fallen weg. Deswegen ist ein solches Verbot in meinen Augen der richtige Weg", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kürzlich im Interview mit dem "Münchner Merkur".

In München werde ein Alkoholverbot mit verschiedenen Verantwortlichen diskutiert, teilt das Kreisverwaltungsreferat (KVR) mit. Der Verkauf von To-go-Getränken sei in der Landeshauptstadt bislang uneingeschränkt erlaubt. In Nürnberg gilt hingegen mancherorts an den Wochenenden abends ein Verkaufsverbot für Getränke zum Mitnehmen. In Augsburg schließt der Verkauf ebenfalls früher als sonst, und Glasflaschen seien in der Innenstadt verboten, sagt ein Sprecher. Auch in Bamberg gilt ein Verkaufsverbot für alkoholische Getränke zum Mitnehmen an Wochenenden nach 20 Uhr - zumindest bis Ende August.

Kritik am geplanten Alkoholverbot im öffentlichen Raum kommt vonseiten vieler Jungpolitiker: Ein pauschales Alkoholverbot greife zu kurz und verlagere das Problem auf Privat-Partys, hieß es jüngst in einer gemeinsamen Mitteilung der Nachwuchsorganisationen mehrerer Parteien. "Die Staatsregierung sollte sich vielmehr dafür einsetzen, sichere Plätze für junge Menschen zu schaffen, wo sie sich treffen können", sagte Juso-Landesvorsitzende Anna Tanzer.

Bayerns FDP-Fraktionschef Martin Hagen sprach sich zuletzt zwar für ein konsequentes Eingreifen bei eskalierenden Partys aus, gab aber auch zu bedenken: "Die Gesellschaft braucht Ventile, sonst wird der Druck im Kessel irgendwann zu groß." Besonders junge Menschen ließen sich nicht langfristig einschränken - bei geschlossenen Bars und Clubs müsse "ein Bierchen im Park oder auf öffentlichen Plätzen erlaubt sein", befand Hagen.

Auch Geppert vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband sieht in pauschalen Verboten nicht die Lösung des Problems. Eine komplette Öffnung aller Schankwirtschaften sei zwar nach wie vor schwer vorstellbar, dennoch müsse die Staatsregierung zwischen Clubs und Diskotheken und Lokalen, die auf Getränkeausschank für eine kontrollierbarere Personenzahl an festen Plätzen ausgelegt seien, unterscheiden. Letztere endlich wieder zu öffnen, sei nicht nur verantwortbar, sondern auch hilfreich, um Menschenansammlungen auf den Straßen aufzulösen.

"Das sind keine Ischgl-Bars. Es geht nicht um Partybetrieb, es geht um kontrollierten, vorsichtigen und verantwortungsbewussten Betrieb", sagt Geppert.

Autor

Josefine Kaukemüller
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 08. 2020
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Altstädte Bars Bereich Hotels CSU Deutscher Hotel- und Gaststättenverband FDP-Fraktionschefs Kreisverwaltungsreferat Martin Hagen Melanie Huml Ordnungsämter Polizei Städte Öffentliche Plätze
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
"Wir leben vom Ami", sagt Hotelchefin Sabine Kederer. Fotos: Julian Trager

30.07.2020

Eine Stadt sieht schwarz

4500 US-Soldaten sollen aus dem oberpfälzischen Vilseck abgezogen werden und vermutlich 1000 weitere aus Grafenwöhr. Für die Menschen, die von den Amerikanern leben, ist die Nachricht eine Tragödie. Ein Stimmungsbild vor... » mehr

Auch Sternekoch Alexander Herrmann bekommt die Corona-Krise heftig zu spüren. Von Seiten der Politik hätte er sich einen klaren Fahrplan zur Öffnung der Gastronomie gewünscht.	Foto: Ralf Münch

22.05.2020

"Wir wachsen mit Hygiene auf"

Auch den Sternekoch Alexander Herrmann trifft die Corona-Krise hart. Das gibt der 48-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung ganz unverblümt zu. » mehr

Die Abgeordneten des Landtages werden ihre turnusgemäße Diätenerhöhung von 212 Euro, die zum 1. Juli fällig war, für ein Jahr an wohltätige Organisationen spenden. Foto: Sven Hoppe/dpa

03.07.2020

Die Abgeordneten verzichten auf die Diätenerhöhung

Aus Solidarität mit Bedürftigen spenden die Parlamentarier das Geld für ein Jahr. Hintergrund ist die Corona-Krise. » mehr

Bierflaschen

02.07.2020

Kein Abendverkauf von Alkohol an Wochenenden in Bamberg

In der Bamberger Altstadt ist es von nun am Wochenende verboten, nach 20 Uhr Alkohol zu verkaufen. » mehr

Das Alte Brückenrathaus in der Domstadt Bamberg: Frankens Städte sind bei Touristen beliebt. Foto: Franken-Tourismus/Bamberg/Hub

10.07.2020

Tourismus-Stillstand kostet Millionen

Der wirtschaftliche Schaden, der durch Corona bei den Beherbergungsbetrieben in Oberfranken entstanden ist, ist gewaltig. Jetzt versucht der Tourismusverband zu retten, was zu retten ist. Die Hoffnung ruht auf Gästen aus... » mehr

Die Planungen für den Coburger Weihnachtsmarkt laufen wie gewohnt. Ob er heuer tatsächlich stattfinden kann, steht noch in den Sternen. Foto: Henning Rosenbusch (Archiv)

29.05.2020

Coburg: Alle Jahre wieder - oder doch nicht?

Auch wenn sich gerade alle auf den Sommer einstimmen: Teilweise laufen schon jetzt Planungen für die Weihnachtsmärkte . Aber es ist unklar, ob sie heuer stattfinden können. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

n5_200811_ID18551_2.jpeg Würzburg

Tödliche Tragödie mit Teerfahrzeug | 11.08.2020 Würzburg
» 9 Bilder ansehen

Dota Kehr und Lappalie in der Filzfabrik Hof

Dota Kehr und Lappalie in der Filzfabrik | 06.08.2020 Hof
» 44 Bilder ansehen

FC Trogen - SG Regnitzlosau Trogen

FC Trogen - SG Regnitzlosau |
» 62 Bilder ansehen

Autor

Josefine Kaukemüller

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 08. 2020
00:00 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.