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Länderspiegel

Der Kunst oder Putin verpflichtet?

Ein Bayreuther Bündnis ruft am Tag gegen Homophobie zu einer Demonstration auf. Es kritisiert das Engagement des Dirigenten Valery Gergiev bei den Festspielen.



Bayreuth - Valery Gergiev dirigiert in diesem Jahr den neuen "Tannhäuser" bei den Bayreuther Festspielen. Weil dem russischen Dirigenten eine homophobe Einstellung nachgesagt wird, ruft ein lokales Bündnis am Freitag in Bayreuth zu einer Demonstration ab 16 Uhr auf dem La-Spezia-Platz auf. Am 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie. Ein Zeichen für Toleranz setzen: Das wollen die Partei Die Linke und Mut Oberfranken an diesem Tag. Der Kreisverband Stadt der Grünen schließt sich dem Aufruf ebenfalls an. Sie rufen zu Solidarität mit Menschen auf, die wegen ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden.

Der Russe Gergiev, seit 2015 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, gilt als Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seit 1996 ist Gergiev der künstlerische Leiter und Intendant des Mariinski-Theaters in Sankt Petersburg.

Wegen seiner Nähe zu Putin und weil er angeblich die Anti-Homosexuellen-Gesetzgebung Russlands verteidigte, war der Dirigent bereits vor Jahren in die Kritik geraten. Er soll in einem Interview mit der niederländischen Zeitung "De Volkskrant", Pädophile und Homosexuelle auf dieselbe Stufe gestellt haben. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Gergiev damals, er kenne Putins Anti-Schwulen-Gesetz und unterstütze es nicht. Er fühle sich nur der Kunst verpflichtet. Zur Frage, ob es wichtig sei, mit Kindern über das Thema Homosexualität zu reden, hatte er sich so geäußert: "Es ist wichtiger, in bestimmten Phasen der Kindheit über Puschkin und Mozart zu reden." In einem offenen Brief an das Münchner Opernpublikum erklärte Gergiev: "Ich achte mein Volk und seine Traditionen. Ich achte und respektiere auch das, was als Lebensmaxime in Russland den Menschen von hohem Wert ist. Dazu gehört auch das Festhalten an Tabus, die in den westlichen Ländern seit einigen Jahren nicht mehr gelten."

Die Organisatoren der Demonstration wollen das nicht gelten lassen: "Kunst findet nicht in einem Vakuum statt. Kunst und Künstler können nicht von ihrer gesellschaftlichen Bedeutung getrennt werden. Gergiev zu engagieren heißt, seine Unterstützung von menschenverachtender Politik zu akzeptieren." Gergiev stelle seine künstlerische Arbeit in die Dienste Putins. Damit verbreite er auch weltweit dessen Ideologie, die Homosexuelle ablehne. Dies spalte die Gesellschaft und diene letztlich dazu, Putins Macht zu sichern. "Künstler und Kulturinstitutionen sind verantwortlich für die Kontexte, in denen ihr Wirken stattfindet." Die Bayreuther Festspiele und die Kulturlandschaft sollte Valery Gergiev nicht engagieren. "Wir beziehen Position und verlangen es auch von der Bayreuther Festspielleitung: Keine Bühne für Homophobie!"

Wie der Pressesprecher der Festspiele, Peter Emmerich, mitteilte, können die Festspiele das Anliegen der Demonstranten nur unterstützen. "Dass die Festspiele homophob sind oder waren, ist von der Hand zu weisen."

Sebastian Sommerer, Sprecher der Linken Bayreuth, sagt: "Uns geht es darum, ein Bewusstsein für diese Fragen zu schaffen." Eine abwertende Haltung gegenüber Lesben und Schwulen sieht Sommerer als gesellschaftliches Problem. Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe wollte sich auf Nachfrage nicht zu der Personalie Gergiev äußern.

Autor

Ute Eschenbacher, Roman Kocholl
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Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
21:36 Uhr

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Ute Eschenbacher, Roman Kocholl

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Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
21:36 Uhr



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