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Länderspiegel

Die Tote vom Feringasee

Ein Jahr nach dem Fund einer Frauenleiche steht ein 33-Jähriger aus dem Landkreis Hof von Montag an vor Gericht. Sein Anwalt bestreitet, dass es sich um Mord handelt.



Nach der Tat: Polizei-Ermittler untersuchen in Unterföhring bei München den Fundort einer verkohlten Frauenleiche. Foto: Matthias Balk/dpa
Nach der Tat: Polizei-Ermittler untersuchen in Unterföhring bei München den Fundort einer verkohlten Frauenleiche. Foto: Matthias Balk/dpa  

Naila/München - Als Landschaftsgärtner sie auf einem Parkplatz im Münchner Norden finden, ist von Beatrice F. nicht mehr viel zu erkennen. "Aus der Entfernung hätte man denken können, es handelt sich um ein verbranntes Stück Holz", sagt einer später. Lediglich ihr Zahnstatus verrät den Ermittlern an jenem September-Abend vergangenen Jahres, dass es sich bei dem verkohlten Leichnam um die 35-Jährige handelt, nach der seit kurzem gesucht wird. Der Mann, der sie als vermisst gemeldet hat, ist ihr Lebensgefährte - ein aus dem Raum Naila stammender Jung-Manager. Von Montag an muss er sich nun in München vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet auf Mord.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Beschuldigte seine Freundin kaltblütig getötet hat. Die Süddeutsche Zeitung zitierte am Freitag die Anklageschrift, laut der er wenige Monate vor der Tat eine Affäre mit einer Frau aus Prag begonnen haben soll. Als Beatrice F. verreist gewesen sei, habe ihn diese Frau in der gemeinsamen Wohnung im Münchner Nobelviertel Bogenhausen besucht. Dann kam Beatrice F. zurück, fand Koffer und Kleidungsstücke der anderen und stellte ihren langjährigen Lebensgefährten zur Rede. Im Streit, so die Anklage, habe er ihr ein Messer in den Bauch gerammt und sie anschließend erdrosselt. Zwei Tage später fuhr er die Leiche zum Feringasee und zündete sie an. Um eine falsche Spur zu legen und von sich abzulenken, meldet er die Freundin tags darauf als vermisst.

Wenige Tage später nehmen die Ermittler den Mann fest. Er kommt in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim - "wegen der zu erwartenden hohen Strafe", wie Oberstaatsanwältin Anne Leding sagt. Kurze Zeit später kollabiert der Verdächtige in seiner Zelle - ein Nervenzusammenbruch. Mehrere Tage muss er auf der Krankenstation behandelt werden - und wird rund um die Uhr beobachtet, um eine Kurzschlusshandlung auszuschließen.

Während der Verdächtige bis heute schweigt, äußerte sich am Freitag sein aus Kulmbach stammender Anwalt Alexander Schmidtgall. Dieser hatte bereits nach kurzer Zeit den zunächst engagierten Münchner Star-Anwalt Tom Heindl abgelöst. Schmidtgall kündigt im Gespräch mit dieser Zeitung für den Beginn des Prozesses eine Erklärung seines Mandanten an. "Wir widersprechen darin der Anklage in wesentlichen Punkten", sagte der Anwalt. Zwar gebe sein Mandant zu, den Tod seiner Freundin verursacht zu haben, aber: "Die genauen Umstände sind nicht geklärt. Der Tötungsvorsatz wird abgestritten und die Mordmerkmale zurückgewiesen." In Hinblick auf die psychische Verfassung des Angeklagten erklärte Schmidtgall, dass der Rückhalt von Familie und Freunden ihm Halt gebe. "Das bedeutet ihm sehr viel."

Das Paar, dass seit 2010 zusammen war, hatte sich in Rehau kennengelernt. Dort war der heute 33-Jährige nach seinem Studium an der Fachhochschule Hof zunächst bei der Rehau AG und später bei einem großen Discounter beschäftigt. Seine aus dem Raum Leipzig stammende Freundin Beatrice lebte zu jener Zeit in Plauen. Nach dem gemeinsamen Umzug nach München hatten beide beruflich Erfolg. Er als Key Account Manager bei einem auf Büroausstattung spezialisierten Konzern, sie als Managerin in einem Autozulieferer-Betrieb. Dass sich dies auch finanziell niederschlug, zeigte sich unter anderem daran, dass beide Mitglied in einem der exklusivsten Golfclubs im Raum München wurden. In der Beziehung selbst hatte es dagegen nach glücklichen Jahren offenbar zu kriseln begonnen. Medien berichteten, dass das Opfer in den Wochen vor der grausamen Tat in diversen Flirtportalen aktiv gewesen sei.

 

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Für den Prozess am Landgericht

München II sind zehn Verhandlungstage vorgesehen. Mit einem Urteil ist

für Ende Oktober zu rechnen.

Veröffentlicht am:
08. 09. 2018
00:00 Uhr

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Autor

Lothar Faltenbacher

Alexander Wunner

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Veröffentlicht am:
08. 09. 2018
00:00 Uhr



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