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Echter Eberhofer zahlt für falschen Eberhofer

Was ist Freundschaft? Wenn man den Spezl auch im Regen nicht stehen lässt. Ein Postbote, der für sein Eberhofer-Kostüm eine Geldstrafe kassierte, bekommt Schützenhilfe.



Fasching mit Folgen: Markus Schmid (links) und Andre Hilburger traten im Fasching als Eberhofer und Birkenberger auf - aus juristischer Sicht ist das wegen der Uniformjacke Amtsanmaßung. Foto: pr
Fasching mit Folgen: Markus Schmid (links) und Andre Hilburger traten im Fasching als Eberhofer und Birkenberger auf - aus juristischer Sicht ist das wegen der Uniformjacke Amtsanmaßung. Foto: pr  

Weiden - Das ist mal ein Happy End. Der Schauspieler Sebastian Bezzel und Bestsellerautorin Rita Falk (beide bekannt durch die Buch- und FilmReihe rund um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer) übernehmen für einen Postboten aus Vohenstrauß in der Oberpfalz eine Geldstrafe von 450 Euro und alle weiteren anfallenden Gerichtskosten. Zu der wurde der Eberhofer-Fan Markus Schmid vor dem Amtsgericht Weiden verurteilt, weil er sich im Fasching eben als Dorfpolizist Franz Eberhofer verkleidet hatte.

Der 24-Jährige ging beim Weiberfasching in der Ortschaft Moosbach als Eberhofer und trug dabei eine alte Polizei-Lederjacke mit Original-Schulterabzeichen und grünen Hoheitszeichen "Polizei". Das ist strafbar als Amtsanmaßung durch Titelmissbrauch.

Und daran wollte vor Gericht Oberstaatsanwalt Bernhard Voit auch gar nicht rütteln. Der Staat müsse eingreifen, wenn "falsche Polizisten herumlaufen": "Nächstes Jahr sind es in Moosbach dann vielleicht zehn Prozent, und im übernächsten zwanzig." Der Bürger müsse in Notsituationen, zu denen es bei einer Veranstaltung mit 5000 Gästen durchaus kommen kann, wissen, an wen er sich wendet. Der Staatsanwalt bot zumindest einen von 1800 auf 450 Euro reduzierten Strafbefehl an, den Richter Dennis Herzog letztlich erließ. Aus dem erhofften Freispruch wurde nichts.

Den hätten ihm zumindest all seine Spezln vergönnt, die zu den vielen Zuschauern im Gerichtssaal gehörten. Wer genau hinsah, konnte in der zweiten Reihe den "Rudi Birkenberger" erkennen. Im zivilen Leben ist er Beamter beim Wasserwirtschaftsamt und heißt Andre Hilburger. Er hat tatsächlich Ähnlichkeit mit dem Film-Vorbild und war sofort dabei, als Kumpel Markus die Idee zur Verkleidung hatte.

Die Idee sei schon 2018 auf dem Flohmarkt entstanden, erzählte Postzusteller Schmid dem Richter am Amtsgericht. Er habe in Weiden eine Lederjacke der Polizei mit den ausrangierten grünen Schulterklappen gesehen und gekauft, dazu zwei senfgelbe Hemden der alten Uniform. "Ich bin seit der ersten Ausgabe ein Fan von Eberhofer. Das ist genau mein Typ." Zum Fasching komplettierte er das Outfit mit Jeans und Turnschuhen. Die Polizei-Abzeichen habe er sicherheitshalber mit Panzertape abgeklebt, was Whatsapp-Bilder aus der Nacht belegen.

Das Duo schlug groß ein bei dem Weiberfasching. "Alle hielten das für ein geniales Kostüm", erinnerte sich der Postzusteller. "Und alle haben uns auch erkannt." Die Nacht war eigentlich schon gelaufen, als die Feiernden am frühen Morgen zur Bushaltestelle gingen. Pech für den Postboten: An der Haltestelle fiel er einem Polizeibeamten (31) auf. Das Klebeband hatte sich gelöst. Der Beamte erkannte in der Menge die Polizeiabzeichen und stellte den "Kollegen" zur Rede.

Schmid konterte: "Wir sind Eberhofer und Birkenberger, des kennt man doch." Betrunkene Umstehende ergriffen für ihn Partei. Am Ende musste der Angeklagte die Jacke ausziehen und das Hemd auf links drehen.

Problematisch wurde vor Gericht, dass die alte Lederjacke der Polizei eben nicht komplett ausrangiert ist. Polizeibeamte dürfen die Modelle weitertragen, wenn sie blaue Abzeichen aufnähen und die Schulterklappe austauschen. Eine gewisse Verwechslungsgefahr war also durchaus gegeben, meinte Richter Herzog. Er wolle den Postboten keinesfalls so schwer wie möglich bestrafen, aber ein "vertretbares Ergebnis" für alle erzielen.

Mit "Zähneknirschen", so Verteidiger Marc Steinsdörfer, ließ sich der 24-Jährige schließlich auf die Beschränkung des Einspruchs auf die Rechtsfolge ein. Sprich: Er verabschiedete sich vom Wunsch auf einen Freispruch. Steinsdörfer hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. "Wir machen hier aus einer Mücke einen Elefanten. Wenn man bedenkt, wie viele Polizisten am Fasching herumlaufen, beginnend bei den Kindern." Da müsse man doch "die Kirche im Dorf lassen".

Mit Verfahrens- und Anwaltskosten hätte sich damit der Preis für die Faschingsgaudi auf rund 1300 Euro summiert.

Hätte - wenn nicht der "echte" Eberhofer Sebastian Bezzel und Rita Falk, die Autorin von "Dampfnudelblues", "Grießnockerlaffäre", "Leberkäsjunkie" und Co. ein Herz für den großen Eberhofer-Fan hätten. Zum Happy Ende gehört auch, dass das Filmteam Markus Schmid und Andre Hilburger zur Kinopremiere des kommenden Eberhofer-Films 2020 auf den roten Teppich einlädt. Titel: "Kaiserschmarrndrama".

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Christine Ascherl
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Veröffentlicht am:
18. 09. 2019
19:16 Uhr

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Christine Ascherl

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18. 09. 2019
19:16 Uhr



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