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Enkeltrick: Betagtes Ehepaar um 20.000 Euro geprellt

Einen fünfstelligen Eurobetrag haben Betrüger am Dienstag mit dem sogenannten „Enkeltrick“ bei einem betagten Ehepaar ergaunert. Die Polizei warnt erneut eindringlich vor dieser Betrugsmasche.



Mit miesen Maschen am Telefon ergaunern kriminelle Banden immer wieder Geld von meist betagten Opfern. Am Dienstag fiel ein Ehepaar aus Kulmbach auf die Gauner herein. Foto: Julian Stratenschule/dpa
Mit miesen Maschen am Telefon ergaunern kriminelle Banden immer wieder Geld von meist betagten Opfern. Am Dienstag fiel ein Ehepaar aus Kulmbach auf die Gauner herein. Foto: Julian Stratenschule/dpa  

"Die Menschen sind sensibilisiert", sagt Anne Höfer vom Bayreuther Polizeipräsidium. Sie weist auf die unzähligen Aufrufe und Warnungen hin, die die Polizei seit Jahren immer wieder herausgibt. Dennoch: "Das Problem ist zwar in den Köpfen, aber leider noch nicht in allen. Die Täter sind gut organisiert. Sie machen unzählige Anrufe, und wenn nur einer zahlt, ist das für sie schon lukrativ." 20 000 Euro hat ein Kulmbacher Ehepaar am Dienstag im Glauben übergeben, damit einer Verwandten zu helfen. Doch das Geld landete bei Kriminellen, die auf perfide Weise alte Menschen um ihr Erspartes bringen. Einmal mehr warnt die Polizei dringend davor, organisierten Banden mit ihrem Enkeltrick auf den Leim zu gehen.

 

Die Welle der Anrufe bei potenziellen Opfern begann am Dienstag zunächst in Hof. Doch dort hatten die Täter offenbar kein "Glück", also richteten sie ihre Aufmerksamkeit nach Kulmbach. Anne Höfer kennt diese Vorgehensweise. "Oft werden ganze Straßenzüge abtelefoniert." Von 15 solchen betrügerischen Anrufen oberfrankenweit erfuhr die Polizei allein am Dienstag.

Im Kulmbacher Erlenweg landeten die Täter am Dienstagmittag bei einem hochbetagten Paar einen lukrativen Coup. Gegen Mittag meldete sich eine Frau telefonisch bei dem Ehepaar und täuschte vor, die Cousine der Frau zu sein. Sie erzählte dem gutgläubigen Senior, sie brauche dringend Geld für einen Immobilienkauf. Der alte Herr fiel auf den Schwindel herein, hob wenig später 20 000 Euro von seiner Bank ab. Nach weiteren Telefonaten klingelte um gegen 15.30 Uhr ein unbekannter Mann an der Haustüre des Ehepaars, und der Bewohner übergab ihm das Geld in einem Kuvert. Am Abend erfuhren schließlich Angehörige von den Geschehnissen und riefen die Polizei. Da war der etwa 40-jährige Täter, der das Geld abgeholt hatte, schon über alle Berge.

Als die ersten Meldungen über Enkeltrick-Anrufer bei der Polizei eingingen, reagierte diese sofort. "Wir haben über Zeitungen, Radio und die sozialen Medien sofort Warnungen herausgegeben", sagt Anne Höfer. Die Täter wissen, dass sie nur wenige Stunden zur Verfügung haben. Sie wissen auch: Ihr Trick gelingt nur in wenigen Fällen. Aber das reicht, um ein gutes Geschäft zu machen. Im Dezember erleichterten sie eine Seniorin aus dem Landkreis Bayreuth um 120 000 Euro, im September übergab ein alter Herr ebenfalls aus dem Landkreis Bayreuth eine sechsstellige Summe und Goldmünzen im guten Glauben, seinem Neffen aus einer Notlage zu helfen. In allen Fällen war es zu spät für einen Zugriff der Polizei, als der Betrug herauskam.

Die Masche hat Varianten, basiert aber im Grunde immer auf demselben Prinzip: Die Täter nutzen die Arglosigkeit und Hilfsbereitschaft ihrer meist älteren Opfer aus, indem sie in den Telefongesprächen geschickt ein Verwandtschaftsverhältnis vorgaukeln. Sobald eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen ist, täuschen die Betrüger beispielsweise eine erfundene Notlage oder dringende Investition vor, für die sie umgehend eine größere Geldsumme brauchen. Meist werden mehrere Telefonate geführt, um die arglosen Senioren in Sicherheit zu wiegen. Die Täter rufen für ihre Opfer sogar ein Taxi, falls sie den Weg zur Bank nicht zu Fuß schaffen.

Den Enkeltrick bezeichnet die Polizei als eine besonders hinterhältige Form des Betrugs, der, wenn er erfolgreich ist, schon so manchen alten Menschen um sein ganzes Hab und Gut gebracht hat.

Von dem Mann, der in Kulmbach im Erlenweg das Geld abgeholt hat, gibt es eine Beschreibung: Etwa 40 Jahre ist er alt, sprich hiesigen Dialekt und trug eine Jacke mit einer Kapuze auf dem Kopf. Die Polizei erhofft sich Hinweise auf verdächtige Wahrnehmungen am Dienstag im Kulmbacher Stadtteil Mangersreuth.

Und einmal mehr warnen die Beamten davor, auf Enkeltrickbetrüger hereinzufallen. Misstrauen sei immer dann geboten, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit seinem Namen vorstellt. Am besten sei es, sofort aufzulegen, sobald jemand, den man nicht zweifelsfrei kennt, telefonisch um Geld bittet. Ein weiterer Rat der Polizei: "Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen. Informieren Sie sofort die Polizei, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt." Und ein Letztes: "Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige." Der Fall vom Dienstag in Kulmbach wird nicht der letzte gewesen sein, mit dem Kriminelle alte Menschen abzocken. Trotz aller Versuche, die Menschen vor dem Enkeltrick zu warnen, weiß Anne Höfer: "Ein kleiner Bruchteil wird wohl immer bleiben."

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 01. 2019
11:19 Uhr

Aktualisiert am:
31. 01. 2019
08:48 Uhr

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Melitta Burger

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30. 01. 2019
11:19 Uhr

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31. 01. 2019
08:48 Uhr



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