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Länderspiegel

Erneuter Rückruf bei der Franken-Bräu

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage taucht eine Flasche verunreinigten Bieres bei den Behörden auf. Bis Freitag soll feststehen, woher die Verschmutzung kam.



Die Brauerei Franken-Bräu im Mitwitzer Ortsteil Neundorf: Zum zweiten Mal binnen weniger Tage muss das Unternehmen Teile seiner Produktion zurückrufen. Foto: Nicolas Armer / dpa  

Mitwitz/Kronach - Rainer Mohr versteht die Welt nicht mehr. "Wir können es nicht fassen", seufzt der ansonsten meist gut gelaunte Pfälzer. Gerade erst ist nach dem Rückruf von 30.000 Flaschen und einem folgenden medialen Großfeuerwerk wieder etwas Ruhe bei der Franken-Bräu eingekehrt, da fängt der Albtraum von vorne an. Wieder gibt es eine mit Lauge versetzte Bierflasche. Wieder ist sie außerhalb des Landkreises Kronach - erst in Forchheim, jetzt in Hof - reklamiert worden. Wieder muss das Kronacher Landratsamt prüfen, ob die Abfüllanlage dafür verantwortlich ist. Beim ersten Mal war sie es nicht. Das Reinigungsmittel, das das Bier mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 5. Mai 2020 ungenießbar gemacht hat, wird in Neundorf gar nicht verwendet.

Lange Geschichte

Die Franken-Bräu gehört zu den traditionsreichsten Brauereien der Region. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie im Jahr 1520. Bis ins Jahr 2015 hinein wurde sie als Familienunternehmen geführt, ehe sich die Brauerfamilie Bauer für einen Verkauf entschied. Seither führt der aus dem rheinland-pfälzischen Römerberg stammende Unternehmer Rainer Mohr die Geschäfte in Neundorf.

 

Wird es diesmal, da es eine weitere Charge (Haltbarkeit: 6. Mai 2020) trifft, wieder so sein? "Ich weiß es nicht", erklärt der Geschäftsführer. Natürlich sei es denkbar, dass wirklich etwas im Betrieb nicht optimal gelaufen sei. Man stelle derzeit alles auf den Kopf und checke die Maschinen, um auf Nummer sicher zu gehen. Aber Mohrs Bauchgefühl ist ein anderes: "Ich gehe von Manipulation aus. Da läuft irgendeiner draußen rum, der uns schaden will", mutmaßt der Geschäftsführer. Zu viel sei zuletzt passiert. Schon beim Kronacher Freischießen im August hatte es Vorfälle gegeben. Stecker der Kühlanlage wurden gezogen, Bier wurde schal. Dazu kamen Gerüchte auf, wonach die Franken-Bräu nicht mehr selbst braut, sondern Gerstensaft zukauft. Mohr musste dementieren. Nach dem Freischießen dann der nächste Schock: 30 000 Flaschen wurden sicherheitshalber zurückgerufen, weil eine verunreinigte Bierprobe entdeckt wurde. Nun folgt Rückruf Nummer zwei. "Das wären schon viele Zufälle", meint Mohr. Einen Verdacht, wer hinter den Machenschaften stecken könnte, hat er allerdings nicht. "Noch nicht", wie er betont. Denn er hofft darauf, dass Polizei und Staatsanwaltschaft ihre bereits begonnene Ermittlungsarbeit erfolgreich abschließen können. Bis es so weit ist, blickt Rainer Mohr dem morgigen Freitag entgegen. "Dann sollen wir das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung bekommen", erklärt der Geschäftsführer. Seine Hoffnung: "Dass Freitag, der 13., für uns kein schlechtes Omen ist und dass danach endlich wieder Ruhe einkehrt."

 

Doch selbst, wenn die Untersuchung die Franken-Bräu abermals entlastet: Der Image-Schaden für das Unternehmen ist bereits jetzt spürbar. Teilweise seien Kunden abgesprungen oder hätten ihre Bestellungen zurückgefahren, bestätigt der Geschäftsführer. Er betont aber auch: "Es ist für uns eine riesige Stärkung, wenn Kunden dennoch unsere Waren kaufen. Wir bekommen auch positive Rückmeldungen." Die bundesweite Berichterstattung über die Vorgänge sei Fluch und Segen zugleich gewesen. Zwar ernte die Firma, vor allem in sozialen Netzwerken, viel Häme. Aber es werde auch honoriert, dass Franken-Bräu so offen kommuniziere und sich nichts gefallen lasse.

Einer, der diesen Kurs unterstützt, ist der Mitwitzer Bürgermeister Hans-Peter Laschka. "Die Firma hat aus meiner Sicht sogar die Pflicht, gegen diese Rufschädigung vorzugehen", sagt der Rathauschef auf NP-Anfrage. Die momentanen Vorgänge "bewegen die Menschen hier sehr. Alle hoffen, dass der Übeltäter schnell ermittelt wird." Die Franken-Bräu sei ein Traditionsunternehmen mit vielen Arbeitsplätzen. "Viele Gastwirtschaften hier schenken es aus, auch der FC Mitwitz pflegt eine enge Partnerschaft zu dem Unternehmen. Die Franken-Bräu gehört zu Mitwitz", stellt Laschka klar.

Unterdessen arbeitet man im Kronacher Landratsamt an der Aufklärung der Angelegenheit. Erste amtliche Untersuchungen hätten laut Pressesprecher Bernd Graf bestätigt, "dass sich in der beanstandeten Bügelverschlussflasche Natronlauge aus einer Flaschenwaschmaschine befand". Nun werde weitergehend untersucht, "ob die Lauge in der beanstandeten Bierflasche mit der in der Franken-Bräu im Mitwitzer Gemeindeteil Neundorf verwendeten Reinigungslauge übereinstimmt."

Auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Coburg hat der Fall bislang noch keine unmittelbaren Auswirkungen. Das könne sich aber ändern, sobald zu der in Hof beanstandeten Bierflasche ein Untersuchungsergebnis vorliege, teilt ein Sprecher der Behörde mit.

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Christian Kreuzer

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Veröffentlicht am:
11. 09. 2019
10:38 Uhr

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Christian Kreuzer

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Veröffentlicht am:
11. 09. 2019
10:38 Uhr



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