Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

Länderspiegel

Feind, Intimfeind, Parteifreund

In der Kulmbacher AfD scheint es mit Teamwork nicht so recht zu klappen. Bezirkstagskandidatin Daniela Förster hängt Plakate von Bewerbern der AfD ab und sieht sich als Opfer von gezielter Verfolgung.



Hinter einem Zaun in der Melkendorfer Straße in Kulmbach liegt das Plakat des AfD-Kandidaten Dominik Pflaum im Gebüsch. Pflaums Parteifreundin Daniela Förster hat es abgeschnitten und liegengelassen. Foto: Melitta Burger
Hinter einem Zaun in der Melkendorfer Straße in Kulmbach liegt das Plakat des AfD-Kandidaten Dominik Pflaum im Gebüsch. Pflaums Parteifreundin Daniela Förster hat es abgeschnitten und liegengelassen. Foto: Melitta Burger  

Kulmbach - AfD-Plakate, das beklagt die Partei immer wieder, werden in Wahlzeiten in großer Zahl zerstört, abgehängt, beschmiert. In Kulmbach hatte es deswegen im vergangenen Bundestagswahlkampf sogar Strafanzeigen gegeben. Doch der "Feind", so sieht es wenigstens in Kulmbach aus, kommt offenbar nicht in allen Fällen von außen. Die AfD-Direktkandidatin für den Bezirkstag, Daniela Förster aus Ködnitz, wurde jetzt sogar dabei gefilmt, wie sie mit einer Schere an einem Teleskopstab anrückte und Plakate entfernte, auf denen der Forchheimer Dominik Pflaum in Kulmbach um Zweitstimmen wirbt. Nach außen sagen jetzt alle Vertreter der AfD, die Sache sei ein Missverständnis gewesen und im Guten geklärt worden. Es gebe keinen Grund zur Aufregung. Sogar die Plakate des Kandidaten Pflaum hängen wieder in Kulmbach. Intern, berichten Insider, sollen die Wellen allerdings hochschlagen. Die AfD in Oberfranken, so heißt es, sei alles andere als eine Einheit. Das Video, wie Daniela Förster ausgerechnet Plakate eines Parteifreunds abschneidet, macht die Runde via WhatsApp und E-Mail. Hinter den Kulissen werde mit harten Bandagen gekämpft, seit es um konkrete Mandate geht. Es gebe regelrechte Kampagnen gegen unliebsame Personen. Daniela Förster bestätigt das: "Ich habe diese internen Machtkämpfe satt", sagt sie. Als Idealistin habe sie es schwer in der AfD.

"Das ist der falsche Kandidat", sagt Daniela Förster in dem Handy-Video mit Nachdruck. Dann hält sie Plakate mit dem Konterfei des AfD-Direktkandidaten im Stimmkreis, Gerd Kögler, in die Kamera. "Das sind die Echten! Die müssen ran!" Auf den Hinweis, es sei verboten, Plakate abzuhängen, erklärte Daniela Förster, der Platz gebühre dem Kulmbacher Bewerber, die Zweitstimmenwerbung von Dominik Pflaum, immerhin auf dem dritten Listenplatz der AfD, bezeichnete Förster als "Fremdplakatierung". Dann setzt sie die Schere an. Dem Mann, der sie dabei filmt, sagt sie, er solle Dominik Pflaum ausrichten, er könne seine Plakate bei ihr abholen. Mindestens bei einem wird das wohl nicht gelingen: Es fiel hinter den Zaun eines Kulmbacher Unternehmens und liegt seither dort in einem Gebüsch.

Der Mann, der den Vorgang filmt, macht Förster darauf aufmerksam, dass es verboten sei, Plakate abzuhängen. Er stellt Fragen, weist darauf hin, dass auch Dominik Pflaum auf der AfD-Liste sei. "Das können Sie doch nicht einfach abhängen", sagt er deutlich, aber höflich.

Die Person sei gezielt geschickt worden, um sie zu beobachten und zu filmen, ist sich Daniela Förster sicher. Rau sei er von der Art her zu ihr gewesen. Sie habe sich aber nicht beeindrucken lassen. "Den Mann, der mich ganz aggressiv angegangen ist, habe ich dem Staatsschutz gemeldet. Er hat auch Besuch bekommen." Sie müsse sich das nicht bieten lassen. Als Kandidatin habe sie einen erhöhten Schutzstatus. "Wenn ich mich nicht mehr sicher fühle, rufe ich beim Staatsschutz an." Den Beamten in Bayreuth habe sie das Autokennzeichen des Mannes mitgeteilt und auch ein Foto, das gemacht wurde, als er sie beim Entfernen der Plakate gefilmt habe. Dass der Mann, der sie gefilmt und mit dem sie gesprochen hatte, ebenfalls in der AfD ist, hat Daniela Förster offenbar gewusst. "Sie sind ein Hock-Mann", hat sie dem Mann in dem Video vorgehalten und damit den ehemaligen Kulmbacher Kreisvorsitzenden Georg Hock gemeint. Doch Parteifreund hin oder her: Sie hat den Mann, der sie gefilmt hat, dennoch angezeigt.

Auf keinen Fall sei das Abhängen der Plakate eine mutwillige Zerstörung gewesen. Ob derjenige, der das alles angezettelt habe, es am Ende bitter bereuen würde, werde man jetzt sehen. Wen sie damit meint, sagt sie nicht. Daniela Förster wird dann aber doch noch einmal deutlich: "Ich habe die Schnauze voll." Sie habe eigentlich gar nicht kandidieren wollen. Warum sie es dann doch getan hat, sagt sie auch: "Das ist Politik. Es ging darum, jemanden anderen zu verhindern." Wer das ist, behält Daniela Förster dann wieder für sich.

Dominik Pflaum, dessen Plakate von der Ködnitzer Bezirkstagskandidatin abgenommen worden waren, nimmt die Sache gelassen. Er habe sich mit Daniela Förster unterhalten. Was es in Kulmbach für Machtkämpfe gebe, wisse er nicht. Für ihn sei entscheidend, dass Förster die Plakate bereits am nächsten Tag "reumütig wieder aufgehängt hat".

Die abgehängten Wahlplakate haben in der AfD für viel Gesprächsstoff gesorgt. Doch das Bemühen, das Thema unter den Tisch zu kehren, ist deutlich. Auch Bezirksvorsitzender Tobias Peterka weiß von der Sache. Man habe sich inzwischen geeinigt, sagt er. Mehr will er dazu öffentlich nicht sagen. Nur so viel: "Es gibt keine Probleme mehr."

Das sieht der oberfränkische AfD-Listenführer Martin Böhm zumindest der Öffentlichkeit gegenüber ähnlich. Jeder Mensch, sagt er, müsse selbst wissen, wie er sich verhält. Rein rechtlich sei sicher nicht zu beanstanden, was in Kulmbach gelaufen ist. Laut Böhm sei das wohl eher "eine moralische Sache". Einen Satz sagt er dann aber doch noch: "Wir streiten alle für eine gemeinsame Sache. Da müssen persönliche Animositäten hinten anstehen."

Daniela Förster will, wie berichtet, laut einer im September auf der Facebookseite ihres Kulmbacher Kreisverbands verbreiteten Mitteilung Opfer eines "politisch motivierten Terroranschlags" geworden sein. Ihr VW-Bus, sagte sie gegenüber der Frankenpost , sei mit einer Flüssigkeit übergossen und dabei total beschädigt worden. Genau mit diesem VW-Bus war Daniela Förster unterwegs, als sie die Plakate abhängte. Ein Schaden, der auf eine "totale Zerstörung" hinweist, ist auf dem Video nicht zu sehen.

Das Fahrzeug stand, als das Video gemacht wurde, komplett auf dem Geh- und Radweg in der Melkendorfer Straße. Wer dort als Fußgänger vorbeigekommen wäre, hätte auf die Fahrbahn ausweichen müssen. Das Schlagen des alten Dieselmotors, der während der gesamten Aktion lief, ist auf dem Video deutlich zu hören. Zu der reißerischen Pressemitteilung, die inzwischen leicht verändert wurde, steht Daniela Förster heute nicht mehr: "Ich habe nicht umrissen, was in der Pressemitteilung stand", sagt sie und verweist darauf, dass Stimmkreis-Direktkandidat Gerd Kögler den Text vor der Veröffentlichung anschauen sollte. Die vielen zum Teil hasserfüllten Kommentare zu dieser Mitteilung sind inzwischen verschwunden. Sie wurden gelöscht, als Georg Hock in einem Beitrag zur Mäßigung aufgerufen und daran erinnert hatte, dass noch niemand weiß, wer das Fahrzeug beschädigt hat. Der Frankenpost sagte Daniela Förster gestern, sie selbst sei es gewesen, die die gesamten Beiträge von der AfD-Seite entfernt habe.

Gerd Kögler, dessen Plakate Daniela Förster so vehement als die "Richtigen" verteidigt hatte, bestätigt, dass es Irritationen wegen der Plakatierung von Dominik Pflaum in Kulmbach gegeben habe. Daniela Förster sei sehr erbost gewesen. Das Hoheitsrecht, welche Plakate aufgehängt werden, habe der Kreisverband. Deswegen sei er sich nicht sicher, ob an der Kulmbacher "Plakataffäre" etwas illegal sei. "Ob es richtig war, will ich gar nicht bewerten." Eine Erklärung liefert er dann doch: "Die Nerven liegen bei einigen Leuten blank. Da kann man nur den 14. Oktober herbeisehnen."

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 10. 2018
17:30 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alternative für Deutschland Dieselmotoren Hoheitsrecht Männer Parteifreunde Plakate und Plakatkunst Teamarbeit Terroranschläge VW-Bus Videos Zerstörung
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Feierlaune bei der CSU in München: Wegen der hohen Wahlbeteiligung in Bayern ist die Partei womöglich wieder mit sieben statt fünf Abgeordneten im EU-Parlament vertreten. Foto: Peter Kneffel/dpa

26.05.2019

Gute Stimmung auf der CSU-Wahlparty

Obwohl Spitzenkandidat Weber und Parteichef Söder in Berlin weilen, gibt es in München Grund zum Feiern: Die Christsozialen sehen den AfD-Höhenflug in Bayern gebremst. » mehr

01.07.2019

Versteckte Kamera an E-Roller: Mann filmt heimlich Badegäste

Am Baggersee im Lichtenfelser Ortsteil Oberwallenstadt dreht ein Mann heimlich Videos von Badegästen. Seine Kamera hat er besonders gut versteckt. » mehr

08.07.2019

Wasserstoff-Zug: Testfahrt in Oberfranken

Ungewohnte Geräusche für Bahnfahrer am Montagmittag auf der Strecke Coburg-Bayreuth: Wo sonst Dieselmotoren dröhnen, dringt nur ein leises Heulen und Sirren von Elektroantrieben ans Ohr. Der französische Bahnhersteller A... » mehr

Bagger. Symbolfoto

02.03.2019

Betrunkener Wüterich zerstört mit Bagger Tisch der Freundin

In Weidhausen im Landkreis Coburg ist am späten Freitagabend ein 38-Jähriger ziemlich ausgerastet: Nach einem Streit mit seiner Freundin, setzte sich der Mann in einen Bagger und wütete. » mehr

Ein 34 Jahre alter Stadtsteinacher demolierte am vergangenen Montag einen schwarzen Chevrolet Malibu. Mit einer Eisenstange schlug der Mann auf das Fahrzeug ein - weshalb ist noch unklar.

04.06.2019

Zerstörungswut: Mann schreit und schlägt mit Eisenstange auf eigenes Auto ein

Großer Polizei-Einsatz in Stadtsteinach im Landkreis Kulmbach: In blinder Raserei zerstörte am Montagabend ein Mann ein Fahrzeug. Drei Streifenwagen-Besatzungen nahmen ihn fest. » mehr

Gebersreuth1.jpg

16.05.2019

Neunjähriger allein zu Haus: Großbrand zerstört Dreiseithof

Großeinsatz an der Landesgrenze: Auf einem Dreiseithof in einem Ortsteil von Gefell ist am Mittwochabend ein Feuer ausgebrochen. Rettungskräfte aus Hochfranken waren bei dem Großbrand im Einsatz. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Wiesenfest Kirchenlamitz

Wiesenfest Kirchenlamitz | 15.07.2019 Kirchenlamitz
» 35 Bilder ansehen

Selb

Selber Wiesenfest: Samstag | 13.07.2019 Selb
» 138 Bilder ansehen

Volkstriathlon Kulmbach

Volkstriathlon Kulmbach | 14.07.2019 Kulmbach
» 86 Bilder ansehen

Autor

Melitta Burger

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 10. 2018
17:30 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".