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Länderspiegel

Früherer NKD-Chef wird in Berlin vor Gericht gestellt

Wieder soll Michael Krause im Gefängnis nach potenziellen Killern gesucht haben. Davon geht eine Anklage der Staatsanwaltschaft Berlin aus.



Wie in Hof wird Michael Krause auch in Berlin wieder von seinem Essener Rechtsanwalt Marc Wandt verteidigt.
Wie in Hof wird Michael Krause auch in Berlin wieder von seinem Essener Rechtsanwalt Marc Wandt verteidigt.   Foto: Archiv

Hof/Berlin - Er kam von ziemlich weit oben und landete ganz weit unten: Am kommenden Dienstag muss Michael Krause, ehemaliger Geschäftsführer des in Bindlach ansässigen Textil-Discounters NKD, sich vor einem Berliner Schwurgericht verantworten. Es ist der dritte Prozess innerhalb weniger Jahre. Die Geschichten hinter den Anklageschriften werden jedoch immer abenteuerlicher. In Berlin soll sich Krause wegen Anstiftung zu einem Verbrechen verantworten. Er soll Killer für Belastungszeugen eines gleichartigen Prozesses in Hof gesucht haben.

Eine Rückblende: Mitte 2013 wird Dr. Michael Krause festgenommen, weil er seinen einstigen Arbeitgeber NKD trickreich um rund 3,7 Millionen Euro gebracht haben soll. Seitdem hat er keinen einzigen Tag mehr in Freiheit verbracht. Ginge es nur um die millionenschwere Untreue zulasten der NKD, wäre Krause spätestens seit dem Sommer dieses Jahres wieder auf freiem Fuß. Die Richter der dritten Wirtschaftsstrafkammer gaben ihm im Frühsommer 2015 hierfür eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Doch während dieser Prozess noch läuft, platzt eine Bombe: Krause hat während der Untersuchungshaft in der Hofer Justizvollzugsanstalt nach Schwerkriminellen gesucht, die den Vorsitzenden Richter entführen und nötigenfalls ermorden. Das Ziel: Der Richter soll seine sofortige Freilassung verfügen und den Arrest aller seiner Vermögenswerte aufheben. Wenig soll dann der Freispruch erfolgen oder das Verfahren eingestellt werden. Wenn sich der Richter weigert, soll er umgebracht werden. Das solle dann wie ein Unfall aussehen. Den Entführern verspricht Krause Immobilien im Wert von 500 000 Euro.

Es müssen allerhand Gewaltfantasien damals gesponnen worden sein, in den langen Tagen im Hofer Knast. So soll Krause vorgeschlagen haben, dass man dem Richter ja auch eine Handgranate in den Mund schienen könnte, um ihn willfährig zu machen. Als einen der möglichen Kontaktmänner in die Killerszene hat sich Michael Krause Tomas K. ausgeschaut. Der junge Tscheche sitzt in Haft, weil er an der völlig irrsinnigen Entführung eines Schweizer Rechtsanwalts beteiligt war, die bei Hof endete.

Doch ein harter Bursche war Tomas K. wohl nur in den Pornofilmen, in denen er als Darsteller mitwirkte. Die französische Fremdenlegion hatte ihn schon nach einer Nacht heimgeschickt, die er aus unstillbarem Heimweh durchgeweint hatte. Im Hofer Gefängnis hält Tomas K. Krause eine Zeit lang hin, dann vertrauen sich er und sein potenzieller Komplize Miroslav K. einem Sozialarbeiter an.

Für Michael Krause nimmt das Unheil seinen Lauf: Wenige Wochen nach dem Urteil wegen Untreue steht er vor einer anderen Kammer des Landgerichts Hof, dieses Mal wegen versuchter Anstiftung zu einem Verbrechen. Dafür bekommt Krause fünf Jahre Gefängnis. Erschwerend wirkt, dass Krause nicht nur Killer für den Richter, sondern auch für die Mitgefangenen suchte, die seine Wünsche nicht erfüllten. Später wurde aus den beiden Urteilen eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren gebildet. Nun dauert es schon bis 2021, bis er die Freiheit entlassen. wird - wenn er nicht in Berlin erneut verurteilt wird.

Nach Überzeugung der Berliner Staatsanwalt hat Krause jedoch in der Hauptstadt da weiter gemacht, wo er in Hof aufgehört hatte. Gleich nach seiner Ankunft im Gefängnisses Moabit im Juli 2016 habe er wieder einen Killer gesucht - für Tomas K., eben jenen verhinderten Fremdenlegionär aus Hofer Knasttagen. Der Plan dieses Mal: Um ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen, sollen harte Jungs Tomas K. zu einer schriftlichen Rücknahme seiner Aussage im Hofer Verfahren drängen. Damit er es sich hinterher nicht anders überlegt, soll Tomas K. gleich danach mit einer Überdosis Rauschgift umgebracht werden. Dafür bietet Krause wieder Anteile an seinem Immobilienvermögen an.

Doch der Mitgefangene geht nur zum Schein auf das üble Geschäft ein und informierte die Sicherheitsabteilung des Gefängnisses. Prompt sucht Krause nun einen Killer für ihn. Er soll unter der Dusche erschlagen und das Ganze als Unfall getarnt werden. Wieder will niemand mitmachen.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
00:00 Uhr

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Joachim Dankbar

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07. 11. 2019
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