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Länderspiegel

Gericht verhängt lebenslänglich nach Mord an Rentner

Das Schwurgericht Bayreuth verurteilt einen Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Der andere muss mehr als fünf Jahre ins Gefängnis.



Bayreuth - Das Bayreuther Schwurgericht hat keine Zweifel: Firat T. hat am 12. April 2017 den Rentner Friedrich Kuhn ermordet. Das Gericht verhängte gegen den 36-Jährigen aus Augsburg eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Schuldspruch gegen den gleichaltrigen Mitangeklagten Anton S. lautete: Diebstahl und unterlassene Hilfeleistung. S., der somit - zumindest juristisch - nichts für den Mord von T. kann, soll fünf Jahre und zwei Monate hinter Gitter.

Am Ende seines letzten Mordprozesses vor seiner Pensionierung Ende des Jahres benötigte der Gerichtsvorsitzende Michael Eckstein 57 Minuten zur Begründung des Schuldspruchs.

Die Tötung des 88-jährigen Friedrich Kuhn am 12. April 2017 diente nach Überzeugung des Gerichts dazu, den Rentner davon abzuhalten, die Polizei oder sonstige Unterstützung zu rufen. Die drei Berufsrichter und die zwei Laienrichter der Schwurgerichtskammer gehen davon aus, dass Friedrich Kuhn gemerkt hat, dass mit dem Besucher, den er am Abend ins Haus gelassen hatte, "etwas faul" war. Die Verdeckung des vorangegangenen Diebstahls, der vom Mitangeklagten Anton S. begangen worden war, ist das Merkmal, das den Schuldspruch Mord begründet. Für Mord gibt es in Deutschland nur eine Strafe. Das "lebenslang" bedeutet aber nicht, dass ein Verurteilter bis zu seinem Tod sitzen muss. Es bedeutet: Frühestens nach 15 Jahren hinter Gittern kann geprüft werden, ob ein Lebenslänglicher bei positiver Sozialprognose und bei guter Führung entlassen werden kann.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte Firat T. vor allem wegen Geldsorgen Anton S. gedrängt, ihn als Einschleichdieb anzulernen. Anton S. hatte während des Prozesses bekannt, dass er bei alten, hilflosen Opfern im Schnitt bis zu 5000 Euro Profit pro Woche gemacht habe. Zwischen März 2017 und dem 12. April 2017 sind dem Duo drei erfolgreiche Trickdiebstähle bei Senioren nachgewiesen.

Dass Friedrich Kuhn ihr Opfer wurde, war kein Zufall. Anton S., so stellte das Gericht fest, war früher schon zweimal in der Innstraße 3 bei Friedrich Kuhn. S. hatte im Prozess bekannt, dass er seine potenziellen Opfer als freischaffender Gebäudereiniger an der Haustüre ausspionierte - auch Friedrich Kuhn.

Am 12. April 2017 kamen S. und T. mit einem von T. gemieteten Auto nach Bayreuth. Die hiesige Funkzelle erfasste das Navi des Mietwagens um 17.40 Uhr. Das Duo parkte den Wagen in der Preuschwitzer Straße. Dann war es Firat T., der an Friedrich Kuhns Haustüre klingelte und den Ablenker gab. T. ließ Anton S. ein, der schlich sich ein, durchsuchte die Zimmer und machte sich mit einem ersten Teil an Beute davon. Dass Firat T. nicht nachkam, liegt nach Überzeugung der Richter daran, dass Friedrich Kuhn damals entweder merkte, wie S. sich hinausschlich oder die geöffneten Schmuckschachteln sah. Firat T. schlug Kuhn zweimal mit einem unbekannten Gegenstand gegen den Kopf und verursachte damit den Treppensturz, bei dem Kuhn sich tödliche Verletzungen zuzog. Dann durchsuchte T. die Zimmer, um weitere Beute zu machen. Dem zurückgekehrten Anton S. sagte er, ein "Unfall" sei geschehen. Das Duo flüchtete ohne Hilfe zu holen. Ihr Auto verließ um 22.44 die Funkzelle Bayreuth.

In dem Verfahren hatten sich die beiden Angeklagten gegenseitig vorgeworfen, Schuld am Tod des Opfers zu tragen.

Autor

Manfred Scherer
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Veröffentlicht am:
23. 07. 2018
22:02 Uhr

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Manfred Scherer

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23. 07. 2018
22:02 Uhr



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